Es hätte schief gehen können. Doch zum Glück ist niemand verletzt worden. Im Volkspark Friedrichshain sind in diesem Sommer mehrere hohe Pappeln umgestürzt und haben benachbarte Bäume mitgerissen. Besonders am Großen Bunkerberg, nahe dem Teich, sind dadurch Schneisen entstanden, die dem Wind neue Angriffsflächen ermöglichen. Weitere Gefahr droht. Denn etliche schlanke Bäume, die in einer Baumgruppe groß geworden sind, stehen seither frei.

Eine Robinie habe sich mit den Wurzeln aus dem Hang am Bunkerberg gehoben, erzählt der Fachbereichsleiter für Naturschutz und Grünflächen, Hilmar Schädel. Der Stamm sei über eine Bank und auf das Geländer zum Teich gefallen. Die Krone tauchte ins Wasser. Doch zum Glück sei nur die benachbarte Bank besetzt gewesen. Für das Bezirksamt ist dringender Handlungsbedarf gegeben.

Bauzaun für 15.000 Euro

Es lässt jetzt die ein bis zwei Hektar große Fläche nahe dem Bunkerberg absperren. Ein Bauzaun wird für bis zu 15.000 Euro angeschafft, der das Gelände abgrenzen soll. Zuvor hatte die Behörde nur einen Weg gesperrt, der dorthin führte. Dieses Zaunfeld sei ausgehoben und geöffnet worden, sagt Schädel. Jogger seien ungeachtet des Warnschildes durch das gesperrte Gebiet gelaufen.

Wegen der bedrohlichen Situation hatte Stadträtin Jutta Kalepky (für Grüne) in dieser Woche den Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Wohnen um eine Sondersitzung im Park gebeten. Beim Ortstermin ging es vor allem um die acht hohen Pappeln, die auf dem abgesperrten Gebiet stehen. Sie sind bis zu 60 Jahre alt.

Die Behörde schlug vor, die Kronen stark zu kürzen, so dass fast nur noch die Stämme stehen bleiben, die dem Wind wenig Widerstand bieten und keine Gefahr für die Parkbesucher darstellen. "Die Kronen wachsen wieder nach", sagt der Fachbereichsleiter. Doch die Ausschussmitglieder hätten sich nicht auf diesen Vorschlag einigen können.

Sperrung auf unbestimmte Zeit

Deshalb müsse das Gebiet auf unbestimmte Zeit abgesperrt bleiben. "Es könnte sogar sein, dass wir es erweitern müssen, wenn durch Böen oder Stürme weitere Bäume stürzen." Es lasse sich ohnehin nie vollständig ausschließen, dass ein Ast oder eine Krone unvermittelt abbreche. Die Gärtner im Volkspark hätten den Zustand der Bäume im Blick. Es gebe intensive, jährliche Kontrollen. Bäume mit Problemstellen würden mehrfach angesehen.

Doch der Handlungsbedarf im Volkspark ist größer. "Es geht um mehrere Hundert Pappeln am Großen und am Kleinen Bunkerberg", sagt Fachbereichsleiter Schädel. Sie seien zum großen Teil in der Nachkriegszeit gepflanzt und müssten innerhalb der nächsten Jahre ersetzt werden. Nicht nur wegen ihres Alters, sondern wegen des Untergrunds. Die als Mont Klamott bekannten Berge sind Trümmerberge, aus Schutt und Steinen errichtet. Wurzeln können sich nicht entfalten und bis in die Tiefen wachsen. Hilmar Schädel: "Man muss geeignete Bäume aussuchen, die länger leben, besser Halt finden und nicht so groß werden."

großes öffentliches Interesse

In den kommenden Monaten will das Bezirksamt dazu ein Konzept ausarbeiten und es mit den Bezirksverordneten, mit Anwohnern und Bürgerinitiativen diskutieren. Denn das öffentliche Interesse an den Bäumen im Volkspark Friedrichshain ist groß. Auch die Initiativen und Umweltverbände wollen eigene Vorstellungen entwickeln und möglicherweise schon zur Ausschusssitzung Ende September präsentieren.

Sie hatten im Vorfeld kritisiert, dass in den vergangenen Monaten mehr als 60 Bäume im gesamten Volkspark gefällt worden sind, darunter Ebereschen, Linden und Robinien. Für jedes Exemplar ist die Begründung auf der Fällliste des Bezirksamtes im Internet nachzulesen. Der Baum sei absterbend oder bereits tot, habe morsche Stellen oder zeige Fäulnis an Wurzeln oder Stamm, heißt es in den meisten Fällen. Weitere elf noch zu fällende Bäume stehen auf Liste.

Von der Linksfraktion kommt die Forderung, die Fällungen zu stoppen. "Jeder Fall sollte einzeln geprüft werden", sagt Mirko Assatzk, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion. Das Bezirksamt solle sich ein Gerät anschaffen, mit dem Fäulnis im Stamm festgestellt werden könne, einen sogenannten Resistografen. Gemeinsam mit anderen Bezirksämtern sollte ein Hubsteiger gekauft werden, mit dem der Zustand der Baumkronen geprüft werden kann. Das Grünflächenamt solle mehr Mitarbeiter beschäftigen, um die Firmen zu kontrollieren, die Bäume fällen. Wenn besonders große und alte Bäume gefährdet sind, sollte der Umweltausschuss informiert werden.