Zurück in die Zukunft

Friedrichswerder wird nach altem Plan umgebaut

Rund um die berühmte Schinkelkirche in Friedrichswerder - in Berlins historischer Mitte - entsteht ein neues Viertel mit kleinen Gassen und Stadthäusern. Ungewöhnlich: Erst werden die Straßen gebaut.

Foto: I. Alkewitz – Landschaftsarchitektin

Die Reihenfolge ist ungewöhnlich. Erst entstehen die Straßen. Dann ein schöner Platz. Und dann die Häuser. Es ist das neue, vornehme Viertel auf dem nördlichen Friedrichswerder, das auf diese Weise wächst. Rund um die berühmte Schinkelkirche bleibt nichts so, wie es jetzt ist. Parkplätze und Wiese verschwinden. Es soll wieder so werden, wie es einmal war: ein kleinteiliges, belebtes Quartier mit Gassen und Häusern. Die neue Raumaufteilung, die die Senatsverwaltung vorgegeben hat, gleicht bis ins Detail alten Plänen des Areals zwischen Unter den Linden und der Straße Werderscher Markt.

Jahrelang haben Behörden und Investoren diskutiert und geplant. Jetzt ist der Startschuss gefallen. Die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) koordiniert die verschiedenen Vorhaben im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Arbeiten für die kleinen Straßen haben begonnen. 1,27 Millionen Euro werden investiert. Die Werdersche Rosenstraße entsteht neu, außerdem ein öffentlicher Weg neben der Kirche. Die Niederlagstraße und Teile der Oberwallstraße werden umgebaut. Die Fahrbahnen bekommen eine Oberfläche aus Asphalt, die Gehwege bestehen aus Platten und Mosaiksteinpflaster. Im März 2011 werden die Straßen voraussichtlich fertig sein.

Die künftigen "Kronprinzengärten"

Dann etwa könnte ein lange geplantes privates Investitionsvorhaben starten: das neue Quartier an der Falkoniergasse. Sechs Townhäuser und drei Gebäude mit insgesamt 15 Eigentumswohnungen entstehen westlich der Friedrichswerderschen Kirche. Die Firma Bauwert bebaut das Grundstück. Ursprünglich plante sie Gebäude für Büros und Gewerbe und nannte das Vorhaben "Falkoniergasse". Jetzt heißt es "Kronprinzengärten". Für die Wohnbauten hatte Bauwert einen Wettbewerb ausgerufen. 21 Entwürfe seien eingereicht worden, sagt Prokurist Henning Hausmann. "Jetzt werden sie gesichtet." Voraussichtlich würden sechs oder sieben Architekten verpflichtet, "um den individuellen Charakter der Häuser zu ermöglichen". Die Entscheidung fällt in den nächsten Wochen.

Baubeginn für die Kronprinzengärten soll im Frühjahr 2011 sein. Ende 2012 könnten die Häuser fertig sein. Dann wird die Falkoniergasse angelegt, die jedermann offen steht. Dass archäologische Funde die Bauzeit verlängern könnten, damit rechnet der Prokurist nicht. "Es gab bei den Voruntersuchungen keine Hinweise auf Funde." Hausmann spricht von einem "extrem hochwertigen Projekt". Zwar seien die Grundrisse klein. Aber von den Dachterrassen der sechsgeschossigen Häuser werde man einen einmaligen Ausblick auf Dom, Museumsinsel und Kronprinzenpalais haben.

Jedes Haus bekommt eine Tiefgarage. Die bietet nicht nur Platz für die Limousine des Eigentümers, sondern auch für drei oder vier Fahrzeuge seiner Gäste. Aus dem Untergeschoss kann man mit dem Lift bis zum Schlafzimmer fahren. Eine Investitionssumme nennt der Prokurist nicht, sagt aber, dass von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag auszugehen sei. Die Vermarktung soll erst im Herbst beginnen, aber Hausmann zufolge haben sich bereits viele Interessenten registrieren lassen. Außer den Wohnbauten plant Bauwert drei weitere Gebäude, deren Gestalt schon fest steht. Sie werden ebenfalls Sechsgeschosser. Ein Haus für Kunst und Galerien wird unmittelbar neben der Kirche stehen, in etwa sechs Metern Abstand. Zwei weitere Bauten daneben sollen Büros und Gewerbe aufnehmen. In den Dachgeschossen werden Wohnungen eingerichtet. Man habe sich bei den Entwürfen der Gebäude an historischen Aufnahmen der Falkoniergasse orientiert, sagt der Bauwert-Prokurist.

Auch die Höhe der neuen Gebäude entspricht den Maßen der Vergangenheit. Das bedeutet, dass der Blick auf die Kirche zum Teil verstellt wird. "Das ist ungewöhnlich", sagt Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. "An anderen Orten würde man es nicht so machen." Aber an dieser Stelle sei die dichte Bebauung gerechtfertigt. Schon Ende 2010 soll der neue Stadtplatz angelegt sein, der das Gelände südlich der Friedrichswerderschen Kirche und das östlich davon gelegene mit dem alten Bärenbrunnen vereint. Er wird nach Plänen der Architektin Ines Alkewitz gestaltet und bringt die Fläche wieder zur Geltung, die früher der Werdersche Markt war.

Ein viertes Vorhaben ist in Vorbereitung. Auch auf der Wiese zwischen Schinkelplatz und Kirche werden Häuser gebaut. Die Fläche wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vermarktet. Sie ist in sieben Parzellen eingeteilt. Jede soll einzeln ausgeschrieben werden. Die Flächen sind im Durchschnitt 16 Meter breit und 40 Meter lang. Den Planungen zufolge können mindestens 15 Stadthäuser gebaut werden. Mittendrin soll die künftige Prinzengasse verlaufen. Auch für diese Parzellen gibt es bereits viele Interessenten.

Senatsverwaltung und DSK sind froh über die Bewegung auf dem Friedrichswerder. Ein wunder Punkt bleibt die Bauakademie, deren Wiederaufbau noch nicht in Sicht ist. Die erste Ausschreibung durch den Liegenschaftsfonds war Anfang 2010 gescheitert. Jetzt führt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Gespräche mit den beteiligten Vereinen und dem Fonds, um neue Strategien zu finden.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.