Die mysteriöse „Überführung“ der Urne des Alt- 68ers Fritz Teufel ans Grab von Studentenführer Rudi Dutschke war wohl ein makabrer Scherz der linken Szene und keine Grabschändung von politischen Gegnern, das meinst zumindest Rainer Langhans. „Beerdigen und Rumheulen – das ist unser Ding nicht“, sagte Teufels ehemaliger Kommunen-Mitbewohner Langhans. Überhaupt habe nur ein kleiner Kreis von „Eingeweihten“ aus der Szene gewusst, wo Teufels Urne vergraben gewesen sei.

Ex-Mitkommunarde Langhans hält es für möglich, dass der einstige politische Mitstreiter die „Überführung“ der Urne vor seinem Tod selbst in Auftrag gab. „Ihm ist so etwas zuzutrauen. Das ist sehr typisch für ihn“, sagte Langhans. Ende der 60er Jahre war Teufel mit provozierenden Aktionen bekanntgeworden.

Die Urne mit den sterblichen Überresten Teufels war am Freitag überraschend am Grab von Linken-Ikone Dutschke in Berlin-Dahlem gefunden worden. Vor knapp einer Woche hatten Friedhofsbesucher auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof im Bezirk Mitte entdeckt, dass die Urne aus dem Grab Teufels verschwunden war. Am Fundort in Dahlem lag dann ein Schreiben, in dem sich die Urheber über das Ende eines „teuflischen Spaßes“ freuten. „Fritze hätte an solch' einer Aktion seine Freude gehabt“, stand darin. „Aber jetzt muss wieder Ruhe und Frieden um das Teufelchen einkehren.“

Anders als anfangs geglaubt wurde Teufels Urne nicht geöffnet und die enthaltene Asche verstreut, als Unbekannte sie vom Dorotheenstädtischen Friedhof im Bezirk Mitte stahlen. Die Schmuck-Urne sei in völlig unversehrtem Zustand neben Dutschkes Grab in Dahlem gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher.

Zunächst deutete vieles bei dem Vorfall zunächst auf eine politisch motivierte Grabschändung hin: Am Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof waren Blumen zerknickt und Asche verstreut. Diese hielten die Ermittler für Teufels sterbliche Überreste und kehrten sie pietätvoll zusammen. Der Staatsschutz leitete Ermittlungen ein, eine Tat mit rechtsextremen Hintergrund wurde nicht ausgeschlossen. Hinweise auf die Urheber gab es am Sonnabend nach wie vor keine. Spezialisten des Landeskriminalamtes untersuchen die Urne weiter auf Spuren. Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben „in alle Richtungen“, unter anderem wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe. Am 6. Juli war Teufel im Alter von 67 Jahren nach langer Parkinson-Krankheit gestorben.

dpa/sh