Eine metergroße bleierne Kugel surrt durch die Luft, knallt in die Stirn von Videoverleiher Bazil. Mitten auf dem Ehrenhof des Charlottenburger Schlosses, zwischen Buchsbaumbäuchen und Reiterdenkmal. Aus der Stirnfalte Bazils quillt Blut, doch das Kopfsteinpflaster bleibt unberührt. Das rote Nass strömt auf der Leinwand – Herzlich willkommen zum Kino Open Air.

Seit vergangenem Mittwoch präsentiert die Kino und Konzerte GmbH unterstützt von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg jeden Abend ab 21.30 Uhr Filmhits. Mit einer Preview von „Micmacs“, dem neuen von Jean-Pierre Jeunet („Die fabelhafte Welt der Amélie) rund um Hauptfigur Bazil (Dany Boon) und seine Schrottsammler-Clique startete das Freiluftvergnügen. Nicht das einzige der Hauptstadt. Nach Public Viewing auf der Fanmeile zur Fußball-Weltmeisterschaft und mitten im kulturellen Sommerloch zieht es die Berliner bei Rekordtemperaturen nach draußen.

Die Freiluftkinos in Berlin

Vor der Kulisse des nächtlich hell erleuchteten Potsdamer Platzes läuft das Sommerkino am Kulturforum noch bis 5. September. Mit Originalfassungen auf Französisch, deutschen Filmen wie „Die Friseuse“ und amerikanischen Blockbustern wie „Up in the Air“ klingt der Abend mitten in der Stadt in blau-weiß gestreiften Liegestühlen aus. 700 der komplizierten Klappvariante stehen parat. Previews kommen am 11. August („August London Nights“), am 25. August (Animationsfilm „Mary & Max“) und am 3. September (Berlinale-Beitrag „Banksy – Exit through the Gift Shop“).

Im Westen lockt das Freiluftkino Dahlem in den Garten des Ethnologischen Museums. Neben Vorschauen wie die der schwedischen Komödie „Männer im Wasser“ am 14. August kooperiert Dahlem mit dem Ethnologischen Museum: Jeden Sonnabend führt ein Mitarbeiter durch die aktuelle Ausstellung „Vodou. Kunst und Kult aus Haiti“, bevor er die Gäste noch bis zum 5. September im Hof vor der Leinwand parkt.

Im Innenhof der Stadtbibliothek von Spandau werden bis zum 30. August zeitgenössische Streifen wie „Zweiohrküken“ und zeitlose wie „Boxhagener Platz“ gezeigt. Bei schlechtem Wetter verlegt der Veranstalter die Vorführung ins Kulturhaus. Weiter östlich bietet das Freiluftkino Kreuzberg Exotisches und lokale Dokumentationen wie „24 Stunden Schlesisches Tor/Der Adel vom Görli“ am 18. August im Innenhof des Künstlerhauses Bethanien.

Das größte Freiluftkino Berlins im Volkspark Friedrichshain bietet 1500 Plätze, 300 davon direkt vor der Leinwand auf Bänken mit Rückenlehne und Tisch, den Rest auf der großen Liegewiese. Picknick und Hund dürfen mitgebracht werden zu Woody Allens „Whatever works“ am 10. August, zum Kinderfest „MondLichtFest“ am 21. August oder zu den „Inglorious Basterds“ am 19. September.

Open Air nicht nur für Kinofans

Berlin bietet Open Air – aber nicht nur Kino. Die East-Side-Gallery, mit 1,3 Kilometern die längste Open-Air-Galerie der Welt, wurde im vergangenen Jahr saniert. 87 der ursprünglich 118 Künstler malten ihre Werke erneut an die Mauer. Im Amphitheater im Monbijoupark hüpfen die Darsteller des Hexenkessel Hoftheaters in „Romeo und Julia“ dienstags bis sonnabends boulevardesk in den Schauspieltod.

Auf dem Badeschiff in Treptow rocken Johanna Zeul am 4. August und Cannibal Koffer am 11. August die Bademeute. Auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof legen Peaches, Soulmax und Housemeister beim Berlin Festival (10. bis 11. September) auf.

Die Waldbühne zeigt „Klassik unter Sternen“ mit der Pianistin Hélène Grimaud (14. August). Der Abend beginnt mit Wagners Rienzi-Ouvertüre. Für den Streicher-Klangteppich sorgen das City of Birmingham Symphony Orchestra. Ebenfalls in der Waldbühne zu hören: Leonhard Cohen (18. August), einer der ungewöhnlichsten Musiker der Popgeschichte, der nach 15 Jahren Pause erneut die Bühne betreten hat. Das Programm der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg beim 9. Open-Air-Klassik-Sommer vom 18. bis 22. August reicht von Wagner, Strauss über Sibelius bis hin zum belgischen Mädchenchor Scala und Bernsteins „Westside Story“, präsentiert von den Berliner Symphonikern, dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und Nikolai Lehchenko und abendlich gekrönt von einem imposanten Feuerwerk.

Klassik in der Natur

Mitten in die Natur ruft der Schlosspark Diedersdorf am 3. und 4. September: Mit „Klassik im Wald“ sorgt das Berliner Kammerorchester unter der Leitung von Roland Mell und mit Werken von Mozart, Vivaldi, Bizet, Pucchini, Donizetti und Verdi für klassische Töne (Sopran: Jule Rosalie; Tenor: Raul Alonso) vor traumhafter Kulisse, Fontänenfeuerwerk inklusive. Schloss Diedersdorf in Großbeeren entwickelte sich nach der Übernahme vor 20 Jahren zum beliebten Ausflugsziel – ein besonderer Ort für Kultur Open Air.

Wie der Ehrenhof vor dem Schloss Charlottenburg. Normalerweise wird dieser nicht vermietet, selbst der Weihnachtsmarkt baut die Buden vor dem Tor auf. Noch bis zum 6. August können Filme wie „Die Eleganz der Madame Michél“, „A Single Man“ oder „Der Ghostwriter“ genossen werden. Auf einer acht mal 16 Meter großen Leinwand, von den Kuppeln des Museums Berggruen umrahmt.