Trauerfeier

Fritz Teufel hat sie fast alle noch einmal vereint

Weggefährten und Ex-Terroristen kamen zur Trauerfeier für den Ex-Kommunarden Fritz Teufel. Michael Sokolowski , ein früherer Mitbewohner, sah dort viele Idealisten und Gescheiterte.

Er kannte Fritz Teufel nicht. „Zumindest nicht so, wie die meisten hier“, sagt Michael Sokolowski und zeigt auf die Menschenmenge, die sich am Donnerstag vor der Kapelle auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte drängt. „Dafür habe ich mit ihm zusammengewohnt.“ 250, 300 Menschen stehen vor der Kappelle, mindestens. Sie sind gekommen, um Abschied zu nehmen von Fritz Teufel, dem Mitbegründer der Kommune I und ehemaligen Mitglied der terroristischen Organisation Bewegung 2. Juni, der am 6. Juli mit 67 Jahren starb.

Rainer Langhans steht da und Dieter Kunzelmann, mit denen Teufel 1967 die Kommune I gegründet hatte. Michael Baumann, genannt „Bommi“, Buchautor und früher Mitglied der Bewegung 2. Juni. Die Ex-Terroristen Inge Viett und Ralf Reinders. Drei, vier Meter weiter spricht Hans-Christian Ströbele, der Grünen-Politiker und ehemalige Anwalt von Fritz Teufel, in Mikrofone und Kameralinsen, die ihm entgegengehalten werden. Er sagt: „Fritz Teufel war in erster Linie ein Mandant für mich. Dadurch, dass ich ihn als Anwalt verteidigt habe, habe ich häufig mit ihm gesprochen, oft stundenlang.“

Nein, nein, sagt Sokolowski, so gut habe er Teufel eben nicht gekannt. Deshalb wolle er sich auch nicht so weit nach vorne drängen, in die Kapelle hinein. Dorthin, wo die engen Freunde und Verwandten auf Holzbänken sitzen. Vor dem hellen Holzsarg mit den Sonnenblumen darauf, neben dem zwei Schwarz-Weiß-Fotos von Fritz Teufel stehen. Auf dem linken: Teufel in jungen Jahren, mit damals noch dichtem Bart und Nickelbrille. Er sieht ein wenig aus wie John Lennon. Auf dem rechten Bild: Teufel so, wie man ihn von den wenigen letzten Bildern kennt – sehr hager, mit Mütze und dünner Brille.

Eine Woche habe er mal in der Wohnung von Fritz Teufel gewohnt, sagt Sokolowski und zieht an seiner Zigarre, ein Stummel nur noch, die er zwischen seinen Fahrradhandschuhen trägt. 1967 war das. „Ich war zu Besuch hier in Berlin“, sagt Sokolowski. Erst später sei er dann nach Berlin gezogen, um hier zu studieren. Sokolowski, schwarzes T-Shirt, Bürstenschnitt, sagt, dass er „damals schon in Ordnung gewesen sei, der Fritz“.

Warum er eigentlich zur Beerdigung gekommen sei? „Aus Solidarität, irgendwie“, sagt Sokolowski. „Die Sache an sich, für die die Leute hier eingetreten sind, das fand ich damals auch gut. Aber das ist lange her. Man verändert sich. Doch wenn ich mich hier so umsehe – manche auch nicht. Viele Gescheiterte.“ Aus der Kapelle dringt Musik, Bob Dylan, „He was a friend of mine“, er war ein Freund von mir. Ein Mann hält ein Schild hoch. „Wo sind Leute, die die Welt verändern?“ steht darauf geschrieben. Nur wenige Minuten zuvor hatte Reinders, der Ex-Terrorist, einen Blumenkranz in die Kapelle getragen, „als letzten Gruß von den Genossinnen und Genossen des 2. Juni“.

„Eines muss man vielen hier lassen“, sagt Sokolowski, während er sein rotes Mountainbike zum Friedhofausgang schiebt. „Ihre Ideale haben die hier auch noch nach all den ganzen Jahren nicht aufgegeben. Aber wofür eigentlich?“

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