Nach massiven Hitzeproblemen in ICE-Zügen will die Bahn ähnliche Vorfälle verhindern. Bei der Wartung über Nacht würden die Klimaanlagen mit einem extra Blick genauer überprüft, sagte ein Bahnsprecher am Montag in Berlin. Damit solle sichergestellt werden, dass kein Zug mit gestörter Kühlung auf die Gleise rolle. Zudem seien Zugbegleiter nochmals sensibilisiert worden, auf Unregelmäßigkeiten zu achten. An Bord mitgenommen würden auch mehr Getränke, mit denen sich Reisende erfrischen können. Angesichts der Hitze gebe es weiter Probleme mit der Kühlung in einzelnen Wagen. Komplette Ausfälle wie am Wochenende seien aber zunächst nicht bekanntgeworden, hieß es.
Unterdesse wurde bekannt, dass die Hitze-Probleme in Zügen der Deutschen Bahn gehen offenbar über die drei Fälle vom Sonnabend hinaus gehen. Am Sonntag soll auch in einem Intercity von Hamburg in Richtung Ruhrgebiet die Klimaanlage ausgefallen sein. Das berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur (dpa) berichtete zudem von einem weiteren IC von Passau nach Hamburg, in dem am Sonntag in mehreren Wagen die Klimaanlage versagt hatte.
Die Deutsche Bahn hatte von insgesamt drei ICE von Berlin Richtung Köln gesprochen, die am Wochenende wegen Überhitzung aufgrund defekter Klimaanlagen gestoppt werden mussten. In einem ICE soll es Augenzeugen zufolge zwischen 40 und 50 Grad heiß gewesen sein. Etliche Schüler brachen zusammen und lagen dehydriert in den Gängen.
Schüler aus Krankenhaus entlassen
Neun Schüler, die einen Hitzeschock erlitten hatten, haben inzwischen das Krankenhaus wieder verlassen. Die vier Jugendlichen, die von Rettungskräften ins Klinikum Bielefeld transportiert worden waren, seien am Sonntag wieder entlassen worden, sagte ein Sprecher des Krankenhauses am Montag. Auch das evangelische Krankenhaus, das fünf junge Frauen aufgenommen hatte, gab Entwarnung: Eine der Schülerinnen sei bereits am Samstagabend abgeholt worden. Die anderen hätten die Klinik am Sonntag verlassen.
ICE-Baureihe muss überholt werden
Zahlreiche Fahrgäste zeigten am Wochenende Unverständnis für die Vorfälle: „In welchem Wartungszustand sind eigentlich die Wagen der DB?“, sagte ein Reisender am Sonntag und berichtete, dass auch am Donnerstag im ICE 502 zwischen Karlsruhe und Köln in einigen Wagen die Klimaanlage ausgefallen sei.
Der Fahrgastverband Pro Bahn hält die gehäuften Defekte von Klimaanlagen in ICEs für ein hausgemachtes Problem. „Es waren alles Züge des Typs ICE II. Das sind Züge, die jetzt 15 Jahre alt sind“, sagte Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Verbandes, am Montag. Eine Generalüberholung der Züge sei dringend nötig. „Die kommen jetzt auch in die Revision, vielleicht hätten sie doch etwas früher rein gemusst.“
Fatal sei nach wie vor der Umgang der Bahn mit Problemen. „Was die Bahn noch immer nicht gelernt hat, ist, mit Krisen umzugehen“, kritisierte Naumann. „Wenn es kritisch wird, muss man einen Zug auch mal anhalten und nicht nur, wenn er nicht weiterfahren kann, sondern auch, wenn im Inneren Dinge des Komforts nicht mehr stimmen.“ In den konkreten Fällen vom Wochenende hätte man die Reisenden aussteigen lassen müssen. „Das geht nicht anders.“
Erste Reaktionen der Bahn gebe es bereits. Es sei etwa dafür gesorgt worden, dass mehr Getränke an Bord sind, die verteilt werden können. „Das ist schon mal ein richtiger Schritt“, so Naumann
dpa/mim



