Leiche gefunden

Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ist tot

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BMO/plet/pol/mim/ap (mit dpa)

Bei ihrer Suche Kirsten Heisig hat die Berliner Polizei in der Nähe des Tegeler Forstes eine Frauenleiche gefunden. Wenig später wurde bestätigt, dass es sich um die seit Tagen vermisste Richterin handelt. Alles deutet auf Selbstmord hin.

Die deutschlandweit bekannte Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ist tot. Bei der in einem Waldstück gefundenen Fraueneiche handelt es sich um die seit Tagen vermisste Juristin, bestätigte die Senatsjustizverwaltung.

Einsatzkräfte der Berliner Polizei hatten die Leiche am Sonnabend Gegen 13 Uhr 45 in einem Waldstück am Elchdamm in Berlin-Reinickendorf gefunden. Die Tote wurde in der Nähe des geparkten Autos der vermissten Richterin entdeckt, bestätigte Polizeisprecher Frank Millert Morgenpost Online. Bereits kurz nach dem Fund deuteten die an der toten Frau gefundenen Kleidungsstücke daraufhin, dass es sich um Heisig handeln könnte, wie Millert weiter sagte. Kriminalpolizei, Spurensicherung und Vertreter der Berliner Staatsanwaltschaft waren vor Ort.

Die Leiche konnte nicht sofort geborgen werden, da der Fundort schwer zugänglich war, wie aus Polizeikreisen vor Ort verlautete. Die Tote wurde jedoch mittlerweile in Gerichtsmedizin gebracht, wo sie noch am Sonnabend obduziert werden sollte.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, ergaben die ersten Untersuchungen am Fundort „keine Hinweise auf Fremdverschulden“. Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) geht von einem Selbstmord aus, sagte die Senatorin am Sonnabend.

Erkenntnisse deuteten auf eine private Tragödie hin. So soll die 48-Jährige noch am Montag dieser Woche eine SMS an Angehörige geschickt haben, deren Inhalt auf persönliche und familiäre Probleme hinweist. Die Polizei wollte sich unter Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht äußern.

Hitze erschwerte die Suche

Die Polizei hatte die Suche am Sonnabend nach der Juristin am vierten Tag in Folge fortgesetzt. Seit 8.30 Uhr waren insgesamt fünf Spürhunde im Reinickendorfer Stadtteil Heiligensee im Einsatz. Wegen der großen Hitze können die Tiere immer nur minutenweise eingesetzte werden. Sie kamen am Mittag wieder zum Einsatz.

Gegen 11.20 Uhr stieg ein Hubschrauber der Bundespolizei auf und überflog in geringer Höhe unter anderem ein 15 Hektar großes Feld nördlich der Heiligenseestraße. Der Hubschrauberpilot beendete nach gut einer Stunde den Einsatz. Besatzungsmitglieder schossen aus geringer Flughöhe Fotos, die noch ausgewertet werden müssen. Ein Teilstück eines Feldes, das nicht gut einsehbar war, wurde von Beamten einer in der Nähe stationierten Einsatzhundertschaft in einer Menschenkette durchkämmt. Auch die Suche im Wald wurde fortgesetzt - schließlich mit Erfolg.

Kirsten Heisig wurde seit einem Besuch bei Verwandten in Reinickendorf am Montag nicht mehr gesehen und am Mittwoch von ihrem von ihr getrennt lebenden Ehemann als vermisst gemeldet. Seit Mittwochabend suchte hunderte Polizisten nach ihr. Einen ersten Hinweis hatte die Polizei kurz nach Eingang der Vermisstenmeldung gefunden. Sie fanden das verlassene Auto der Richterin im Ortsteil Heiligensee. In dem Wagen, der verschlossen und ordentlich geparkt war, lagen persönliche Dinge Heisigs, so auch ihr Ausweis. Ein Abschiedsbrief war nicht gefunden worden.

Am Fundort des Autos setzte dann die Suche sofort ein. Immer wieder durchkämmten Polizisten eine Waldstück in der Nähe. Bei der Suche wurden Hubschrauber mit Wärmebildlkameras und Spurhunde eingesetzt. Allerdings erschwerte die Hitze den Einsatz. So waren die eingesetzten Fährtensuchhunde jeweils nur etwa zehn Minuten lang voll belastbar und benötigten anschließend eine längere Pause. Auch der Einsatz von Wärmebildkameras war tagsüber sinnlos.

Entführung von Anfang an ausgeschlossen

Das mysteriöse Verschwinden der Juristin, die als zuverlässig und pflichtbewusst galt, hatte große Besorgnis in Berlin ausgelöst. Bis zuletzt war gehofft worden, die couragierte Frau unversehrt zu finden. Von einer Entführung war die Polizei von Anfang an nicht ausgegangen. Justizsenatorin von der Aue hatte schon kurz nach Bekanntwerden ihres Verschwindens gesagt, dass ein persönlicher Hintergrund nicht auszuschließen sei.

Die Richterin war am Amtsgericht Tiergarten für den Problembezirk Neukölln mit einem hohen Ausländeranteil zuständig. Sie hatte sich bei der Bekämpfung von Jugendkriminalität einen Namen gemacht und maßgeblich das sogenannte Neuköllner Modell entwickelt, nach dem kriminelle Jugendliche bei kleineren Delikten schnell bestraft werden sollen und nicht erst Monate später. „Wenn meine Töchter ihre Zimmer nicht aufräumen, kann ich nicht drei Wochen später Fernsehverbot erteilen - das bringt gar nichts“, hatte sie immer wieder für ihr Modell geworben.

Die beschleunigten Verfahren werden seit Juni berlinweit angewandt. Es können vier Wochen Arrest verhängt werden, es werden Täter-Opfer-Gespräche angeordnet oder gemeinnützige Arbeit. Heisig hatte für ihr Engagement viel Lob eingeheimst, darunter von Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD). Heisig habe eine Menge bewegt. Und sie habe gezeigt, dass es nichts nütze, nur zu meckern und mit dem Finger auf andere zu zeigen.