Berliner Polizei

Elfjähriger Junge hatte Heroin im Mund

Berliner Polizisten haben in Charlottenburg einen Elfjährigen mit Heroin erwischt. Ein ähnlicher Fall hatte vor einem Jahr eine Debatte über die Bekämpfung der Jugendkriminalität in Berlin ausgelöst.

Ein erst elf Jahre altes Heimkind ist mit harten Drogen erwischt worden. Der Junge wurde möglicherweise von bisher nicht bekannten Hintermännern als Dealer oder Kurier eingesetzt.

Das Kind war Polizisten des Abschnitts 24 aufgefallen, die am Freitagabend in Charlottenburg Kontrollen gegen den Rauschgifthandel durchführten. Gegen 18.50 Uhr wurden die Beamten am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz auf den Elfjährigen aufmerksam. Als sie dessen Personalien überprüfen wollten, bemerkten sie, dass er etwas im Mund hat. Es stellte sich heraus, dass es sich um sogenannte Szenekugeln mit Heroin handelte. Der Junge kam widerstandslos der Aufforderung nach, die Drogen herauszugeben. Dabei kamen sechs Kugeln zum Vorschein. Außerdem stellten die Polizisten ein Mobiltelefon und Bargeld sicher.

Es werde nicht ausgeschlossen, dass der Junge als Drogenkurier missbraucht wurde, sagte ein Ermittler. Woher der Junge arabischer Herkunft das Heroin hatte, ist jedoch zunächst unklar geblieben.

Es stellte sich heraus, dass der Elfjährige in einer Einrichtung der Jugendfürsorge im brandenburgischen Fürstenwalde (Oder-Spree) lebt, von dort aber ausgerissen ist. Deshalb wurde er in Berlin zunächst beim Kindernotdienst untergebracht. Allerdings soll er nach Informationen von Morgenpost Online von dort schon wieder geflohen sein. Es gab keine Informationen darüber, warum das Kind in der brandenburgischen Jugendeinrichtung untergebracht war.

Vor fast genau einem Jahr hatte eine Zivilstreife der Polizei einen zwölf Jahre alten Jungen dabei erwischt, wie er 150 Heroinkügelchen in einem Erdloch in einem Park an der Skalitzer Straße in Kreuzberg verstecken wollte. Das Kind hatte zudem 200 Euro Bargeld bei sich.

Als der 12-Jährige entdeckt wurde, wollte er fliehen, wurde aber von den Polizisten daran gehindert. Die Ermittlungen zur Identität des ebenfalls in einem Wohnheim lebenden Kindes gestalteten sich äußerst schwierig. Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass der Junge zu einer Dealerbande gehörte, die nahe dem Kottbusser Tor tätig war.

Immer wieder werden in Berlin Minderjährige als Drogenverkäufer eingesetzt, damit die wahren Hintermänner unerkannt bleiben. Außerdem hat der Einsatz von Kindern einen weiteren Effekt: Minderjährige können erst ab einem Alter von 14 Jahren bestraft werden. Und danach gilt für unter 21-Jährige das Jugendstrafrecht.

Die Neuköllner Jugendrichterin Kirsten Heisig sagte damals, mit dem Fall sei eine „Dimension noch nicht bekannten Ausmaßes“ in der Jugendkriminalität erreicht worden. „Das zeigt“, so Heisig, „dass wir mehr geschlossene Heime brauchen.“

CDU-Fraktions- und Parteivorsitzender Frank Henkel forderte vom Senat eine BundesratsiInitiative zur Herabsetzung der Strafmündigkeit. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Thomas Kleineidam, lehnte dies aber ab: „Zwölfjährige in den Knast zu stecken, hilft nicht weiter.“