Gegen die unter Betrugsverdacht stehenden Geschäftsführer der DRK-Kliniken Berlin sind nach dem mutmaßlichen Abrechnungsskandal weitere Vorwürfe bekannt geworden. Sie werden beschuldigt, über einen längeren Zeitraum missliebige Mitarbeiter durch Detektive überwacht und mithilfe von Abhöranlagen und Peilsendern ausspioniert zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat dazu nach Angaben von Justizsprecher Martin Steltner inzwischen Ermittlungen eingeleitet. Steltner sprach in dem Zusammenhang von erheblicher krimineller Energie.
Von der Überwachungsaktion soll unter anderem ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens betroffen sein, der sich wiederholt über fragwürdige Abrechnungspraktiken in der Klinik beschwert hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen derartiger Praktiken inzwischen gegen zwei der drei Geschäftsführer und einen Chefarzt des Klinikunternehmens. Ihnen wird bandenmäßiger Abrechnungsbetrug vorgeworfen. Dabei sollen Untersuchungen von dafür nicht qualifizierten Assistenzärzten durchgeführt und anschließend als Chefarztbehandlungen abgerechnet worden sein.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler soll Nochgeschäftsführer Professor Thomas K. die Detektive beauftragt haben, die Mitarbeiter zu überwachen. In einem Fall wurde diese Maßnahme im Sommer vergangenen Jahres nur durch einen Zufall bekannt. Kinder entdeckten unter dem Pkw eines ehemaligen Klinikmitarbeiters einen verdächtigen Gegenstand. Die Polizei befürchtete einen Sprengsatz, die Untersuchung förderte dann einen Peilsender zutage, über den die Ermittler auf die Spur der Detektei gelangten.
Bislang sind drei Fälle bekannt, in denen Mitarbeiter überwacht wurden. Es könnten nach Einschätzungen der Ermittler aber noch etliche mehr werden. Mitarbeiter der Klinik überziehen sich seit Jahren mit wechselseitigen Vorwürfen, Klagen und Anzeigen. Eine Sprecherin der Klinikgruppe sagte am Freitag, der Unternehmensführung seien die jüngsten Vorwürfe bislang nicht bekannt gewesen, man könne daher auch nichts dazu sagen.
hhn


