Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, hat dem früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) vorgeworfen, die Vergangenheit erneut zu verfälschen. „Stolpe hatte mich damals, nachdem ich ihn in Interviews wegen der Zusammenarbeit mit dem MfS in deutlichen Worten kritisiert hatte, in einem Vier-Augen-Gespräch aufgefordert, solche öffentlichen Aussagen künftig zu unterlassen. Er berief sich dabei auf die Loyalität, die ich ihm als Kabinettsmitglied schulde“, sagte Birthler am Dienstag.

Die frühere DDR-Bürgerrechtlerin und damalige Bildungsministerin im Kabinett Stolpes war im Herbst 1992 aus Protest gegen Stolpes frühere Kontakte zum DDR-Ministerium für Staatssicherheit zurückgetreten. Sie habe die Äußerungen Stolpes noch so genau in Erinnerung, weil sie zunächst schweren Herzens zugestimmt habe, sagte Birthler. Sie habe dann aber gemerkt, dass sie nicht schweigen könne. „So blieb mir nur noch der Rücktritt. Ich hatte keine Wahl, ansonsten wäre ich jedes Mal rot geworden, wenn ich über Ehrlichkeit in der Politik spreche.“

Stolpe hatte der „Märkischen Oderzeitung“ gesagt, er habe von Birthler keinesfalls Schweigen verlangt.

dpa/hed