Präsident John F. Kennedy machte im Juni 1963 den Berlinern ein großes Geschenk. Mit seinem berühmten Satz „Ick bin ein Berliner“ gab er den Inselbewohnern West-Berlins Hoffnung. Und die Berliner? Die wollten ihren geliebten US-Präsidenten auch nicht ohne Dank abreisen lassen. Also beschenkten sie Kennedy. Aber womit? Eine getippte Liste der „Geschenke für Präsident J. F. Kennedy“ gibt Auskunft.

Da wäre etwa das „selbstgebastelte Telefon“ von Erna Gebhardt aus der Charlottenburger Niebuhrstraße. Wie bitte, denkt man heute, was für ein sonderbares Geschenk. Nicht, wenn man sich in die damalige politische Lage versetzt – die Kuba-Krise liegt erst neun Monate zurück, diese 15 Tage, die die Welt in Atem hielten.

Eine Eskalation drohte, die in einen Atomkrieg hätte münden können und im letzten Moment abgewendet wurde. Die Lehre daraus: Das rote Telefon wird eingeführt, eine direkte Leitung zwischen Washington und Moskau. Wen wundert es da, dass Erna Gebhardt sich eine extraschnelle Telefonverbindung von West-Berlin nach Washington wünscht.

Und er bekommt Uhr mit drei Zeitzonen geschenkt: Moskau – Berlin – Washington. Eine zweite, eine Spieluhr, die „Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft“ klimpert. Die 9. Klasse einer Oberschule aus Tegel baut die Berliner Luftbrücke als Modell nach, als zusammengeklebten Dank für eine große militärische Leistung. Und Ariola nimmt eine zackige Platte mit dem „Kennedy-Marsch“ auf. Zu guter Letzt stellt der BVG-Schaffner Harry Ziolkowski „ein kleines Buch mit Zeitungsausschnitten und Bemerkungen über Berlin“ zusammen. Det macht Lunte!

Schnaps und Bier

Und damit es auch sonst fröhlich zugeht, wird dem guten Kennedy eine Menge zum Picheln nach Amerika mitgegeben. Ein Karton mit 25 Bärenflaschen „Berliner Luft“. Das ist ein Kräuterlikör. „Wilhelm Zeige & Sohn“ schenkt ein Kartönchen Magenbitter: „Wenn zwei sich gut vertragen, sind’s Zeige und Dein Magen“. Sechs Trinkbecher mit Berlin-Wappen werden fein verpackt. Bier gibt es auch, allerdings kommt das aus Bayern. Hans-Jochen Vogel, damals Münchner Oberbürgermeister, lässt Münchner Kindl und fünf Maßkrüge nach West-Berlin transportieren. Dazu noch das Weißbierglas von Franz Moosbauer aus der Nassauischen Straße in Wilmersdorf. Warum bloß so viel Alkohol?

Weil der Amerikaner gerne trinkt, das weiß man auch in Deutschland. Im Schöneberger Rathaus, wo ab sieben Uhr früh die US-Journalisten während des Präsidenten-Besuches beköstigt werden, liegen nicht nur belegte Brote bereit. „Die amerikanischen Journalisten pflegen Whiskey zu trinken“, steht in den „Anweisungen für den Ratskeller“ – und das schon mittags. Darauf sollten „die für die Betreuung abgestellten 10 Mädchen vom Kranzler“ vorbereitet sein.

Zu rauchen bekommt Kennedy übrigens nichts. Dafür aber eine Schnupftabakdose mit dem Vermerk der Einsenderin: Die sei eine Gabe einer Königin an ihren königlichen Gemahl gewesen. Was fällt sonst noch auf? Es wird fleißig gestickt. Zwei Bilder mit „Sinnsprüchen“ erhält der US-Präsident, zwei kleine Schwäne hat eine Dame aus der Bleibtreustraße aus Garn hergestellt, und eine 90-jährige Berlinerin hat ein Taschentuch für Kennedy bestickt.

Jaqueline Kennedy wird auch eingearbeitet. Ein Mann – Wilhelm Büscher – reicht eine Seidenstickerei ein, die die Präsidenten-Gattin porträtiert. Margarete Grambow aus Charlottenburg häkelt Topflappen für Frau Kennedy.

Jaqueline Kennedy ist beim Besuch ihres Mannes in Berlin gar nicht dabei. In ihrem schwangeren Zustand bliebt sie lieber mit den beiden Kindern in den USA. Berlin hat auch daran gedacht. Ein Paar selbst gemachte Babyschuhe für das Ungeborene finden sich unter den Geschenken.

Doch Patrick Bouvier Kennedy, eine Frühgeburt, überlebt nur zwei Tage – am 7. August wird er geboren, am 9. August stirbt er. Es ist der Beginn der tragischen zweiten Hälfte des Jahres 1963 für die Familie Kennedy – mit der Ermordung von Präsident Kennedy im November als schrecklichem Höhepunkt.

Das kleine Hufeisen von Elisabeth Werner aus der Westfälischen Straße – es hat die Kennedys nicht schützen können.

>>>Interaktive Analyse der Berlin-Rede von John F. Kennedy<<

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Dank an das Berliner Landesarchiv.