Ferienwohnungen

Finanzämter prüfen Steuerhinterziehung bei Airbnb-Vermietern

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Joachim Fahrun
Die Berliner Finanzämter wollen Vermieter von Ferienwohnungen auf Steuerzahlungen in den vergangenen zehn Jahren kontrollieren (Archiv)

Die Berliner Finanzämter wollen Vermieter von Ferienwohnungen auf Steuerzahlungen in den vergangenen zehn Jahren kontrollieren (Archiv)

Foto: Britta Pedersen / picture alliance / dpa

Wer seit 2008 eine Ferienwohnung vermietet hat, dessen Steuerzahlungen werden geprüft. Die Internetportale sollen dafür Daten liefern.

Berlin.  Wer in Berlin in den vergangenen Jahren Ferienwohnungen vermietet hat, muss sich ab sofort darauf einstellen, dass seine Aktivitäten von den Berliner Finanzämtern überprüft werden. Denn der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) ergreift im Konflikt mit den Online-Vermietungsportalen für Ferienunterkünfte neue Maßnahmen.

Bislang ging es vor allem um die Frage, ob die Unterkünfte nicht zu Unrecht dem normalen Wohnungsmarkt entzogen werden. Kollatz wirft nun die Frage auf, ob die Vermieter ihre über AirBnB und andere Internetseiten erwirtschafteten Einkünfte auch ordnungsgemäß versteuert haben. „Wir werden das zehn Jahre rückwirkend aufrollen“, kündigte er an. Deshalb sei es für die Betroffenen besser, ihre Einkünfte anzuzeigen.

Finanzbehörden wollen Daten von AirBnB und Co.

Damit die Steuerprüfer ermitteln können, wem die im Internet angebotene Wohnung gehört, ob sie tatsächlich in der Vergangenheit vermietet wurde, zu welchem Preis und wie lange, möchten Kollatz und seine Finanzministerkollegen der anderen Bundesländer die Daten der Plattformbetreiber haben. Ohne diese Information dürfte es nach Meinung der Finanzpolitiker kaum nachvollziehbar sein, wer wie hohe Einkünfte erzielt hat. Die Zahl der Betroffenen dürfte in die Zehntausende gehen. Allein beim Branchenführer AirBnB sind in Berlin 24.000 Gastgeber registriert.

Das von den Feriengästen eingenommene Geld muss wie andere Einkünfte auch nach dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden. Wer das nicht tut, begehe bewussten Steuerbetrug, so Kollatz. Es könnte also sein, dass besonders erfolgreiche Vermieter, die ihre Einkünfte nicht korrekt angegeben haben, mehr als 40 Prozent der Erlöse an den Fiskus abführen müssen. Bei den Plattformbetreibern beteuert man Kooperationsbereitschaft. AirBnB schickt regelmäßig E-Mails an die registrierten Gastgeber und erinnert sie an die Steuerpflicht. Umstritten zwischen den Behörden und den Unternehmen ist aber, wie weit die Plattformanbieter die Steuerfahnder unterstützen müssen.

Finanzsenator Kollatz geht davon aus, dass sie Einblick in ihre Daten gewähren müssten. AirBnB und die anderen wiederum bieten zwar Kooperationen an, etwa beim Einziehen der auf Übernachtungen erhobenen City Tax, wollen aber nicht alle Informationen über ihre Gastgeber herausgeben. Die Finanzminister sind aber laut Kollatz geneigt, den Druck auf die Plattformen zu verstärken und sie gegebenenfalls wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu verfolgen.

Kollatz findet Kooperation der Anbieter ungenügend

Von der Plattform Wimdu heißt es, man dürfe nicht einen gesamten Geschäftszweig diskreditieren, nur weil Einzelne ihre Steuerpflicht nicht erfüllten. Man komme allen rechtmäßigen Auskunftsersuchen nach. Eine AirBnB-Sprecherin sagte: „Wir haben angeboten, zu kooperieren und eine gemeinsame digitale Schnittstelle zu entwickeln, die es den Behörden ermöglichen würde, die für die Registrierung notwendigen Daten direkt von den Gastgebern zu erhalten.“

Doch Finanzsenator Kollatz genügt das nicht. Der Sozialdemokrat fühlt sich bestärkt durch das erfolgreiche Vorgehen gegen Online-Händler wie Amazon. Über diese Plattform haben lange Zeit ausländische Händler Waren in Deutschland verkauft, ohne Mehrwertsteuer zu entrichten. Seit das Finanzamt Neukölln im Auftrag der deutschen Bundesländer die vor allem chinesischen Anbieter verfolgt, haben sich bereit 3000 Händler bei den Finanzämtern registrieren lassen.

Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, wonach Amazon für nicht gezahlte Mehrwertsteuer haften muss. Auch bei diesem Unternehmen, so der Senator, ging es nur mit Druck. Verweise der Plattformen auf den Datenschutz lässt Kollatz nicht gelten.

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