Der positive Trend der vergangenen Jahre hat sich fortgesetzt: Die Aufrufe, am 1. Mai Randale zu machen, verfingen auch in diesem Jahr kaum. 32 Polizisten wurden verletzt, das sind 32 zu viel. Sie trugen aber nur leichte Blessuren davon. Im Vergleich zu früheren Jahren kann man also von einem weitgehend friedlichen 1. Mai sprechen.
Den größten Anteil daran haben die Kreuzberger, vor allem die Organisatoren des Myfestes, die ihren Kiez längst nicht mehr Steine schmeißenden Chaoten überlassen, sondern ihn erfolgreich für sich reklamierten. So soll es sein. Auch die Polizei hat alles richtig gemacht. Wie in den vergangenen Jahren hielten sich die Beamten zurück – und nahmen Krawallbrüdern somit die Angriffsfläche.
Die Strategie der Deeskalation ist also aufgegangen. Doch sie war gewagt – und muss überprüft werden. Denn um des lieben Friedens willen nahmen Politik und Polizei diverse Rechtsbrüche in Kauf. Sie ließen die Teilnehmer der 18-Uhr-Demonstration gewähren – trotz fehlender Anmeldung. Sie genehmigten das Myfest als politische Versammlung – obwohl es eher ein Musik-Happening war. Sie sahen und hörten zu, als im Görlitzer Park ohrenbetäubender Techno dröhnte – obwohl auch dafür keine Genehmigung vorlag.
Der 1. Mai soll friedlich und fröhlich sein
Das alles ist ganz sympathisch, Kreuzberg ist nicht Zehlendorf, und die Festbesucher fanden die vorübergehende „Anarchie“ ohnehin gut. Wenn Menschen Spaß haben und alles friedlich bleibt, sollte der Staat auch nicht allzu spießig sein. Zur Regel sollten ritualisierte Rechtsbrüche aber dennoch nicht werden. Denn einige Jahre mag ein solches Laissez-Faire gut gehen – bis es nicht mehr gut geht.
Diesen Zeitpunkt sollten weder der Staat noch die Organisatoren des Myfestes abwarten, sondern sich überlegen, wie der 1. Mai auch ohne ritualisierten Rechtsbruch friedlich und fröhlich sein kann – und vielleicht ja auch wieder politischer.
So schön erlebten die meisten Berliner den 1. Mai






























