1. Mai

Anzeige - Polizisten schlagen Polizisten

Während der Mai-Demonstration in Berlin-Kreuzberg sollen zwei Polizisten in Zivil von uniformierten Kollegen mit Reizgas besprüht und geschlagen worden sein. Sie erstatteten Anzeige.

Acht der 75 während des 1. Mai verletzten Polizisten könnten durch eigene Kollegen zu Schaden gekommen sein. Das gab die Behörde am Dienstag bekannt. Demnach sollen zwei Angehörige einer Einsatzhundertschaft, die in Zivil unterwegs gewesen waren, Anzeigen wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt erstattet haben. Sie seien durch Reizgas und Faustschläge verletzt worden. Die genauen Hintergründe zu den Zwischenfällen sollen nun ermittelt werden.

Der Vorwurf: Die Betroffenen sollen am 1.Mai gegen 22.45 Uhr am Kottbusser Tor in Kreuzberg von noch nicht identifizierten Bereitschaftspolizisten angegriffen und unter anderem durch Faustschläge verletzt worden sein. Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich um junge Polizisten, die noch wenig Erfahrung mit solchen Einsätzen hätten. Einem Polizeiführer zufolge könnte es zu Missverständnissen unter Kollegen gekommen sein, die einander nicht kennen. „Am Kottbusser Tor waren Einheiten der Bundespolizei eingesetzt, die den Platz bis zur Räumung gegen Mitternacht besetzt hatten. Diese Einheiten kennen natürlich nicht alle Gesichter der zivilen Einheiten. Hätte ein Trupp aus Berlin dort gestanden, wäre es wahrscheinlich nicht zu diesem Versehen gekommen.“

Das Vorgehen der mutmaßlich Betroffenen sorgt für Diskussionen innerhalb der Einheiten. „Im Eifer des Gefechts kann es leider passieren, dass Nicht-Uniformierte von Einsatzkräften nicht erkannt werden und es dadurch zu Zugriffen kommt“, so ein Bereitschaftspolizist. „Eigentlich wurde so etwas früher mit einem Handschlag und einer Kiste Bier geregelt.“ Dennoch müsse der Zwischenfall aufgeklärt werden. „Normalerweise müssten sich die Zivilkollegen zu erkennen gegeben haben, nachdem sie in die Aktion verwickelt worden waren.“ Insgesamt acht Berliner sollen betroffen sein, bislang ist nach Informationen der Berliner Morgenpost aber noch keiner der Betroffenen gehört worden. Somit konnte die Herkunft der Uniformierten noch nicht ermittelt werden, obwohl das sehr schnell gehen müsste. Denn alle Einheiten haben an Helm und Kleidung Kennungen, die sie identifizierbar machen.

Dass der Vorgang zu einer offiziellen Sache wird, wird bei der Berliner Polizei kontrovers diskutiert. „Das hat nichts mit Korpsgeist zu tun, aber es liegt im Bereich des Berufsrisikos eines in Zivil eingesetzten Beamten, bei Großlagen wie dem 1.Mai und anderen Demonstrationen nicht erkannt und manchmal auch überwältigt zu werden“, sagte ein Bereitschaftspolizist.

Die Verantwortlichen von Polizei und Senatsinnenverwaltung haben die Bilanz des 1.Mai mit großer Zufriedenheit präsentiert. Genau 100 Polizisten waren in der Walpurgisnacht und am 1.Mai verletzt worden – das ist immerhin die niedrigste Zahl seit Jahren. Die Polizei ist sich nach einer Auswertung sicher, die „Szene geknackt zu haben“.

Hintergründe, Bilder und Videos rund um den 1. Mai finden Sie in unserem Mai-Special