Vor gerade einmal einem Jahr hat Christine Hohmann-Dennhardt als Vorstand für Integrität und Recht im VW-Konzern begonnen. Nun ist überraschend schon wieder Schluss. Die 66-jährige, ehemalige Verfassungsrichterin verlässt den Konzern zum 31. Januar, wie VW meldete – einvernehmlich. „Die Volkswagen AG und Frau Hohmann-Dennhardt trennen sich aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über Verantwortlichkeiten und die künftigen operativen Arbeitsstrukturen in ihrem Ressort.“ Das klingt nach Zoff.
Dabei ging es offenbar weniger um die inhaltliche Ausrichtung, als um Kompetenzen und Zuständigkeiten. Nach Informationen dieser Zeitung gab es wiederholt Unstimmigkeiten zwischen Hohmann-Dennhardt und dem Leiter der ihrem Ressort unterstellten Rechtsabteilung, Manfred Döss.
Der Jurist gilt als ein zentraler Architekt des Vergleichs, den VW gerade erst mit den USA zum Abgas-Betrug geschlossen hat. Der Autobauer hatte offenbar mehr Initiative von Hohmann-Dennhardt in den Verhandlungen zum Vergleich erwartet. Allerdings fehlte ihr wohl die Erfahrung für derlei Gespräche. Deshalb gab es Streit um die künftige Aufgabenverteilung in ihrem Ressort – zumal der von Döss mitgestaltete Vergleich bei VW als großer Erfolg gewertet wird.
Hohmann-Dennhardt drängte seit ihrem Antritt vor einem Jahr in Wolfsburg nie in die Öffentlichkeit, sondern blieb stets im Hintergrund. Dafür hatte sie auf einer Betriebsversammlung im Werk Wolfsburg einen längeren Auftritt, der als bisher einmalig gilt. Wie unsere Zeitung erfuhr, hat sie ihr Programm vor der Belegschaft nicht nur in einer Rede, sondern auch in einem sich anschließenden Film vorgestellt, der in ein Theaterstück übergangenen ist, das von den Film-Schauspielern in der Werkshalle aufgeführt wurde.
VW-Chef Matthias Müller hatte Hohmann-Dennhardt vom Konkurrenten Daimler abgeworben, um den Kulturwandel beim Autobauer zu begleiten und zu verhindern, dass sich ein Fall wie der Abgas-Betrug wiederholen kann. Nachfolgerin wird Hiltrud Werner, die seit Januar 2016 die Konzernrevision leitet. Müller hatte sie nach Bekanntwerden des Betrugs vom Zulieferer ZF nach Wolfsburg geholt. Zuvor war sie bereits Chefin der Revision bei MAN und BMW.

