Die Stimmung ist gedrückt, die Beschäftigten bei Kaiser’s Tengelmann wissen nicht, wie es weitergeht. Das ist auch im Supermarkt auf dem Wittenbergplatz nicht anders. Rund 40 Mitarbeiter bangen dort um ihre Zukunft. „Das ist ein ganz schwieriges Thema. Wir wissen noch nichts, außer das, was in den Medien gebracht wird“, sagte Adrian Kerl, einer der Marktleiter in diesem Schöneberger Geschäft. Der 26-Jährige hofft, dass bei einem Verkauf des Ladens zumindest einige Mitarbeiter übernommen werden. Besonders die älteren hätten Sorge. Für Beschäftigte im Einzelhandel würden sie gut bezahlt, man könne vom Lohn gut leben.

Geht es nach der Gewerkschaft Verdi, soll das auch so bleiben. Allerdings hat, wie berichtet, der Inhaber von Kaiser’s Tengelmann, Karl-Erivan Haub, am Donnerstagabend die Zerschlagung der Supermarktkette angekündigt. Die Gespräche über die Zukunft der Kette in Form eines Paketverkaufs an Edeka seien gescheitert, hatte Rewe-Chef Alain Caparros erklärt. Die Konzerne Rewe, Markant und Norma müssten überzeugt werden und ihre Klage gegen den Verkauf zurückziehen, damit Edeka die Filialen von Kaiser’s doch noch übernehmen kann.

Einzelverkauf der Geschäfte als schlechteste Lösung

Erika Ritter, Verdi-Landesfachbereichsleiterin Handel, hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das noch klappen könnte und doch noch die Ministererlaubnis für den Verkauf an Edeka zum Zuge kommt. „Eine Zerschlagung ist nämlich keine gute Lösung, vor allem für die Beschäftigten. Wir lehnen einen Einzelverkauf der Geschäfte als schlechteste aller Lösungen ab“, sagte sie der Berliner Morgenpost.

Die Verabredung, bis zum kommenden Dienstag eine Einigung zu erzielen, ist laut Ritter „einseitig gebrochen worden“. Aber die Verdi-Spitze, die Eigentümer von Kaiser’s Tengelmann, Edeka als Kaufinteressent sowie Rewe, Markant und Norma seien weiterhin in Gesprächen, so Ritter weiter. Und solange gesprochen werde, gebe es Hoffnung. Hoffnung, dass bei einem Verkauf im Rahmen der Ministererlaubnis auch die erst am 5. August 2016 abgeschlossenen guten Tarifverträge für die Beschäftigten mit übernommen werden könnten.

Rund 6000 Beschäftigte sind in Berlin betroffen

Im Großraum Berlin sind nach Auskunft der Geschäftsleitung der Kaiser’s Tengelmann GmbH 122 Filialen betroffen – davon fünf in Brandenburg. Rund 6000 Beschäftigte – inklusive die im Kaiser’s-Lager in Mariendorf – sind betroffen. Wie dem Beschluss des Bundeskartellamtes zur Ablehnung des Verkaufs der Kaiser’s Filialen an Edeka zu entnehmen ist, würde ein Zusammenschluss „insbesondere im Westteil und im Zentrum der Stadt zu Konstellationen“ führen, „die eine erhebliche Behinderung effektiven Wettbewerbs erwarten“ ließen. Lediglich in vier der zwölf Bezirke führe der Zusammenschluss nicht zu wettbewerblich problematischen Gesamtkonstellationen.

Den meisten Kunden von Kaiser’s auf dem Wittenbergplatz ist das egal. Sie freuen sich über den Laden gleich vor der Haustür. „Er ist sehr praktisch, deshalb wäre es schade, wenn er wegkäme“, sagte Dennis Klinke aus Moers, der am Freitag ganz in der Nähe im Hotel an der Bayreuther Straße wohnte. Auch die Markthändler vom Wittenbergplatz schätzen den Laden. „Fast alle von uns gehen dort morgens einkaufen. Filtertüten, Kaffee, Milch, Getränke. Es wäre sehr schade, wenn dieses gute Sortiment entfallen würde.

Unsere Kunden und wir profitieren gegenseitig voneinander“, sagte Manuela Rüger, die an ihrem Stand französisches weißes Nougat verkauft. Für die Mitarbeiter sei die Nachricht sicherlich „schockierend und entsetzlich“. Die Angestellten dort seien „sehr nett und werden hoffentlich weiter beschäftigt“, wünschte sich eine Kundin. Auch die Menschen aus dem Altenheim an der Passauer Straße sorgten sich, dass das Angebot entfallen könnte.

„Ein Sozialplan ersetzt keinen Arbeitsplatz“

Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) sieht auch keinen Ausweg aus der Situation: „Ich bedaure sehr, dass die Gespräche zur Rettung von Kaiser’s Tengelmann offenbar gescheitert sind. Als Wirtschaftsverwaltung hatten wir uns für die Erlaubnis durch den Bundeswirtschaftsminister eingesetzt, um die jetzt anstehende Zerschlagung zu verhindern und Arbeitsplätze zu sichern. Mit dem nun konkret drohenden Arbeitsplatzverlust lastet ein unermesslicher Druck auf den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie deren Familien. Jetzt geht es um sozialverträgliche Lösungen. Aber ein Sozialplan ersetzt nun einmal keinen Arbeitsplatz.“

Christian Wiesenhütter, stellvertretender Geschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), macht den Betroffenen Hoffnung. „Für Berlin ist das keine gute Nachricht, denn Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Das Unternehmen hat aber viele gute Standorte, die neue Eigentümer übernehmen und damit wiederum neue Beschäftigungsverhältnisse schaffen können. Zudem sucht der Berliner Handel immer nach geeignetem Personal. Die Chancen stehen gut, dass viele bisherige Mitarbeiter von Kaiser’s weiterhin im Einzelhandel tätig sein werden.“