Die gesetzlichen Krankenkassen müssen sich keine Sorgen machen, durch die seit Jahresanfang höheren Zusatzbeiträge besonders viele Mitglieder zu verlieren. Der Grund: Die meisten gesetzlich Versicherten kennen den Beitrag ihrer Krankenkasse nicht. Auch sind sie generell wenig wechselbereit.
Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) unter 2000 gesetzlich Versicherten. Stattgefunden hat die Befragung schon im Sommer des vergangenen Jahres. Die Mitteilungen über die Beitragserhöhung wurden im Dezember verschickt.
Das bemerkenswerteste Ergebnis der Umfrage: Die meisten gesetzlich Versicherten wissen nicht, welchen Beitrag sie an ihre Krankenkasse zahlen. Mehr als 60 Prozent hatten keine Ahnung, wie hoch der allgemeine Beitragssatz ist. Fast 95 Prozent wussten nicht, welchen Zusatzbeitrag ihre Kasse verlangt. Nur 17 Prozent wussten, dass sie einen Zusatzbeitrag zahlen. Ein Drittel glaubt auch, dass der Zusatzbeitrag zur Hälfte von den Arbeitgebern finanziert wird – dabei zahlen die Mitglieder diesen Teil seit Jahren schon allein.
Grund für dieses Desinteresse ist laut AOK-Institut der Umstand, dass der Kassenbeitrag automatisch vom Gehalt bzw. von der Rente abgezogen wird. Die Beitragszahler seien „nicht mehr aktive Selbstzahler“ wie im Jahr 2010, als sie ihrer Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag in Höhe von acht Euro überweisen mussten. Damals wechselten Hunderttausende Mitglieder zu billigeren Krankenkassen. Zwei Kassen waren nicht mehr zahlungsfähig und mussten vom Bundesversicherungsamt geschlossen werden. Die Kassen setzten anschließend alles daran, den Zusatzbeitrag automatisch einzuziehen. Jetzt wollen Kassenversicherte nur wechseln, wenn sie bessere Leistungen bekommen oder durch den Wechsel mehr als 20 Euro im Monat sparen. Die aktuellen Beitragserhöhungen liegen aber deutlich unter dieser Marke.
Die Kassen freuen sich, dass der Preiswettbewerb entschärft ist
Nach Angaben des AOK-Instituts achten die meisten Mitglieder bei der Wahl ihrer Krankenkasse vor allem auf das Leistungsangebot. In der Umfrage nennen nur 3,4 Prozent der GKV-Mitglieder den Preis einer Kasse allein als entscheidenden Faktor für einen Kassenwechsel. Die vergleichsweise geringe Bedeutung der Beitragshöhe zeigt sich auch in der Wahrnehmung der Preisunterschiede zwischen den Kassen: Vier von fünf Mitgliedern wissen nicht, dass der Krankenkassenbeitrag Anfang 2015 neu geregelt wurde. „Es spricht vieles dafür, dass es der Politik mit der Neuregelung 2015 gelungen ist, den Preiswettbewerb der Krankenkassen deutlich zu entschärfen und damit die Voraussetzungen für mehr Qualitätswettbewerb zu schaffen“, kommentiert Klaus Jacobs, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, die Ergebnisse der Untersuchung.
BM

