Nach Jahren der Zurückhaltung will der irische Billigflieger Ryanair seine Präsenz in Berlin deutlich verstärken. Zwar nimmt die Airline keine neuen Flugziele ins Programm auf, die bestehenden sechs Destinationen werden aber künftig häufiger als bisher angeflogen, kündigte Ryanair-Kommunikationschef Robin Kiely am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des neuen Winter-Flugplans 2014/15 an.
So wird sich ab Ende Oktober etwa die Zahl der Verbindungen von Berlin-Schönefeld nach London-Stansted von neun auf 14 wöchentlich erhöhen. Nach Bergamo bei Mailand heben dann neun statt sieben Maschinen pro Woche ab, und zur Heimatbasis Dublin fliegt Ryanair künftig täglich. Im April wurde das westirische Shannon zwei Mal wöchentlich in den Flugplan aufgenommen, das soll auch im Winter so bleiben.
Die Airline erhofft sich in Schönefeld einen Zuwachs auf 550.000 Passagiere in diesem Jahr. Zum Vergleich: 2013 beförderte Ryanair gerade einmal 440.000 Fluggäste von und nach Berlin und damit weniger als zwei Prozent der mehr als 26 Millionen Passagiere, die 2013 an den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld abgefertigt wurden. Ryanair, in vielen Teilen Europas die Nummer eins unter den Fluggesellschaften, liegt damit in der deutschen Hauptstadt weit abgeschlagen hinter Air Berlin, der Lufthansa Gruppe und dem gleichfalls ab Schönefeld startenden britischen Konkurrenten Easyjet.
Mit dem stärkeren Engagement will Ryanair offenbar von der guten Entwicklung des Berliner Luftverkehrsmarktes mit profitieren. Denn trotz aller Querelen um die Fertigstellung des neuen Hauptstadtflughafens BER wächst der Luftverkehrsmarkt der deutschen Hauptstadt so stark wie kein anderer in Deutschland. Auch im europäischen Vergleich sind Zuwachsraten von durchschnittlich fünf Prozent eher selten.
Neue Service-Angebote von Ryanair
Gerade erst für Mai vermeldete die Flughafen Berlin Brandenburg (FBB) ein neuerliches von 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dabei wurden allein Tegel fast 1,9 Millionen Fluggäste (plus 8,6 Prozent) und in Schönefeld 642.000 Passagiere registriert.
„Berlin ist für uns eine sehr interessante und wichtige Stadt“, sagt Colm O’Shea, der neue Marketing- und Verkaufsmanager von Ryanair für Deutschland. Mit neuen Service-Angeboten und vereinfachten Buchungsmöglichkeiten will O’Shea Terrain zurückgewinnen. Speziell nach Einführung der Luftverkehrssteuer in Deutschland waren die Fluggastzahlen von Ryanair ruckartig nach unten gegangen, von fast zehn Millionen im Jahr 2010 auf gerade noch acht Millionen im Jahr 2011. Bei einer Sonderabgabe ab 7,50 Euro pro Fluggast rechnen sich die Billigtickets, mit denen Ryanair aggressiv um Kunden wirbt, kaum noch – in der Folge wurde das Angebot in Deutschland erst einmal stark ausgedünnt. „Deutsche Konsumenten sind eben sehr preissensibel“, so O’Shea.
Doch nach auch europaweit starken Einbußen will Ryanair zurück in die Erfolgsspur. Dazu beitragen soll ein Imagewechsel. Weg von der Fluggesellschaft, die billige Flugtickets hat, sich aber jedes Gepäckstück und jeden Service mit deftigen Aufschlägen bezahlen lässt. Ein erster Schritt: Jeder Passagier darf ein zweites Handgepäckstück mitnehmen, aufgegebene Koffer kosten aber weiter extra.
Seit März gibt es eine Webseite, die bei der Suche nach besonders billigen Tickets hilft. Das Buchungsverfahren im Internet wurde vereinfacht: nur fünf statt bis zu 17 Klicks sollen für einen Ticketkauf nötig sein. Aktuell startet Ryanair ein Bonus-Programm, das Familien besondere Preisvorteile einräumt. Ab September soll es spezielle Angebote für Business-Kunden geben, wie zum Beispiel ein vollflexibles Ticket.


