20.02.13

Sparkurs

Air Berlin kündigt dort, wo es keinen Betriebsrat gibt

Einen Tag, bevor ein Betriebsrat gewählt wird, gingen in der Berliner Zentrale erste Kündigungen raus. Einige müssen sofort gehen.

Foto: REUTERS

Dicht an dicht: Bei täglich bis zu 300 Flugbewegungen ist es eng auf dem Rollfeld. Karambolagen wie jetzt zwischen zwei Air-Berlin-Jets können nicht ausgeschlossen werden
In Berlin sind etwa ein Drittel der 9000 Air-Berlin-Mitarbeiter beschäftigt

Der Zeitpunkt wirkt wie eine Kampfansage an die Belegschaft. Just einen Tag, bevor an diesem Mittwoch 1400 Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale von Air Berlin zum ersten Mal einen Betriebsrat wählen, gingen die ersten Kündigungen raus. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus dem Unternehmen. Ganze Abteilungen mit 15 bis 20 Mitarbeitern wurden demnach bereits aufgelöst.

Ausgesprochen wurden die Kündigungen zum 30. April 2013. Doch einige Mitarbeiter, heißt es, mussten umgehend ihren Schreibtisch räumen.

"Bis Anfang nächster Woche werden wohl weitere Kündigungen rausgehen", sagt einer aus dem Unternehmen. Erst dann, nämlich am 27. Februar, wird sich bei der "Air Berlin plc & Co. Luftverkehrs KG" – so der offizielle Name der Betriebseinheit – der Betriebsrat die Arbeit aufnehmen. Ein Betriebsrat erschwert für eine Firma die Prozedur des Stellenabbaus. In diesem Fall kann die Interessenvertretung wohl nur noch wenig ausrichten.

Bei "Air Berlin plc & Co. Luftverkehrs KG" werden Bodendienstleistungen wie zum Beispiel Flugstreckenplanungen erbracht. Aber auch zentrale Konzernbereiche wie die Personalabteilungen werden wohl von Kündigungen betroffen sein.

Dass Air Berlin Stellen streichen wird, ist schon länger bekannt. Rund 900 Arbeitsplätze sollen bei dem Unternehmen, das mit rund 800 Millionen Euro verschuldet ist, wegfallen. Der Personalabbau – interne Bezeichnung "Lean & Smart" – gehörte zum Sparprogramm namens "Turbine 2013". Damit fällt etwa jeder zehnte der rund 9000 Arbeitsplätze weg. Nun wird dort begonnen, wo es noch keinen Betriebsrat gibt: in der Berliner Unternehmenszentrale.

Rund 3000 Mitarbeiter in Berlin

Im Detail plante das Unternehmen bisher wie folgt: 350 Mitarbeiter im Bereich Verwaltung und Boden sollen gehen, 160 bei der Technik und 360 beim fliegenden Personal, also Piloten und Flugbegleiter. Macht unter dem Strich 870 Stellen. Betriebsbedingte Kündigungen aus anderen Air-Berlin-Gesellschaften, die teilweise schon jahrelang einen Betriebsrat haben, sind bisher nicht bekannt.

In Berlin sind etwa ein Drittel der 9000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen wollte sich im Detail nicht äußern. Eine Sprecherin verschickt ein vorformuliertes Statement. Man könne betriebsbedingte Kündigungen "nicht ausschließen", man sei daher im "konstruktiven Dialog" und das alles habe "höchste Priorität". Zum Personalabbau heißt es darin, Air Berlin arbeite " hier eng mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen zusammen".

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