05.01.13

Lieferservice

Strafbefehle im Berliner Pizza-Krieg erlassen

Der Lieferdienst-Markt im Internet ist heiß umkämpft. Lieferheld soll 2010 die Datenbank seines Konkurrenten pizza.de angezapft haben.

Von René Gribnitz und Peter Oldenburger
Foto: picture-alliance / dpa / Stockfo
Lieferdienste im Internet: Der deutsche Markt gilt als der umkämpfteste in Europa
Lieferdienste im Internet: Der deutsche Markt gilt als der umkämpfteste in Europa

Gegen das Management des Berliner Lieferdienstportals lieferheld.de hat die Berliner Staatsanwaltschaft Strafbefehle erlassen. Das Unternehmen soll 2010 einen Teil der Datenbank des Konkurrenten pizza.de kopiert haben.

Die Führungskräfte haben die Strafbefehle akzeptiert. "Wir können bestätigen, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Strafbefehl mit Geldauflage eingestellt wurde, ohne in eine Gerichtsverhandlung zu gehen", sagte eine Unternehmenssprecherin. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte den Vorgang ebenfalls.

Damit erlebt der sogenannte Pizza-Krieg einen Höhepunkt. Die vier großen Anbieter pizza.de, lieferheld.de, lieferando.de (ebenfalls aus Berlin) und lieferservice.de kämpfen um die Vorherrschaft in dem noch jungen, aber schnell wachsenden Markt.

Deutschland gilt dabei als das umkämpfteste Schlachtfeld in Europa. Die Unternehmen setzen darauf, dass immer mehr Menschen Essen im Netz statt per Telefon ordern. Die Portale listen Lieferdienste in der Umgebung auf, bei denen Nutzer online bestellen können. Der Betreiber erhält dafür eine Kommission.

Abmahnungsduell tobt

Bei ihrem Kampf um Marktanteile greifen die Anbieter auch zu juristischen Mitteln: So überziehen sich Lieferheld und Lieferando in Deutschland gegenseitig mit Abmahnungen. Im April vergangenen Jahres ermittelte die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Lieferheld wegen des Verdachts auf Computersabotage: Das Unternehmen soll die Systeme des Rivalen Lieferando im Internet attackiert haben, was Lieferheld bestreitet. "Lieferheld ist selbst wiederholt Ziel von Attacken geworden", sagte die Sprecherin.

Die Staatsanwaltschaft prüft auf Ersuchen Lieferandos, die zwischenzeitlich auf Eis gelegten Ermittlungen wieder aufzunehmen. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Strafbefehle beziehen sich auf die Zeit der Aufbauphase des Unternehmens. Dabei soll Lieferheld, so die Staatsanwaltschaft, "gemeinschaftlich gewerbsmäßig ohne Einwilligung der Datenbankinhaberin nicht unwesentliche Teile einer Datenbank wiederholt und systematisch vervielfältigt und öffentlich wiedergegeben zu haben".

Die Lieferheld-Sprecherin bestätigte "einen Vorfall in den ersten Wochen unserer Unternehmensgeschichte". Dabei seien Menüdaten eines Wettbewerbers kopiert worden. "Wir haben 2010 sofort – und zwar bevor uns der Missstand angezeigt wurde – reagiert und ihn ausgeräumt", so die Sprecherin. "Wir halten den Ausgang in dieser Sache für nicht verhältnismäßig, haben uns aber entschlossen, es zu belassen, sodass wir uns auf unser Geschäft konzentrieren können und dieses Thema nun abgeschlossen ist."

Eines der bestfinanzierten Start-ups Berlins

Lieferheld ist mit einem Kapital von rund 80 Millionen Euro eines der bestfinanzierten Start-ups Berlins. Die Firma beschäftigt nach eigenen Angaben 400 Mitarbeiter, die Mehrheit davon im Hauptquartier in der Mohrenstraße. Das Unternehmen befindet sich auf einem aggressiven Wachstumskurs, hatte vor einem Jahr in Großbritannien den Anbieter Hungry House übernommen und damit den Platzhirsch und derzeitigen Weltmarktführer Just Eat auf eigenem Territorium angegriffen.

In Deutschland will Lieferheld es spätestens in diesem Jahr zum Markführer bringt und den bisherigen Platzhirsch pizza.de, der sich vor allem auf Deutschland konzentriert, überholen. Nach Schätzungen des Online-Magazins "Gründerszene" hat die international als "Delivery Hero" auftretende Gruppe in diesem Jahr weltweit rund 250 Millionen Euro umsetzen. Ein Drittel der Erlöse kommt aus Deutschland.

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