15.09.12

Euro-Rettung

"Inflation ist ein Preis, den wir für Europa zahlen müssen"

Die Rettung Europas ist mit hohen Kosten verbunden. Deren Konsequenz werde "schlussendlich Inflation sein", sagen die Deutsche-Bank-Chefs.

Foto: DPA
Deutsche Bank-Spitze erwartet Inflation in Europa
Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen, neue Doppelspitze der Deutschen Bank

Die Europäer müssen sich wegen der Euro-Rettung nach Überzeugung des neuen Führungsduos der Deutschen Bank auf Inflation einstellen. "Das ist ein Preis, den wir für Europa werden zahlen müssen", sagte Anshu Jain Morgenpost Online. Langfristig werde sich dies aber lohnen. Jains Kollege Jürgen Fitschen sagte: "Es ist essenziell, dass der Euro gerettet wird:"

Die Europäische Zentralbank (EZB) will Euro-Krisenländern mit dem unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen unter die Arme greifen. Mit dem Programm, das an strenge Bedingungen geknüpft ist, könnte die Zinslast für angeschlagene Euro-Schwergewichte wie Spanien und Italien gedrückt werden. Faktisch würden die Anleihenkäufe durch die Notenpresse finanziert. Kritiker befürchten dadurch eine übermäßige Geldversorgung, die längerfristig die Inflation anheizen könnte. Eine ausufernde Teuerung würde vor allem Sparer treffen, die über nur geringe Sachvermögen verfügen. Im Gegenzug würden Schulden, also auch die Schuldenlast der Staaten, durch eine höhere Inflation schneller entwertet. Erst am Donnerstag hatte die US-Notenbank Fed angekündigt, so lange Milliarden in die US-Wirtschaft pumpen, bis sich der Jobmarkt erholt hat. Auch deswegen sehen Ökonomen eine wachsende Inflationsgefahr.

Jain sagte, die Rettung Europas sei sicherlich mit hohen Kosten verbunden. "Und ich habe eine große Sympathie für die Kritiker der Rettungspolitik." Denn die Konsequenz werde "schlussendlich Inflation sein". Diesen Preis aber werde Europa zahlen müssen. Die Inflationsrate in der Eurozone lag im August bei 2,6 Prozent. Damit verstärkte sich der Preisauftrieb. Der Anstieg war vor allem auf höhere Energiepreise zurückzuführen. Die Teuerung im Euroraum entfernt sich damit vom Zielwert der EZB, die eine Rate von knapp zwei Prozent anstrebt. Im Deutschland kletterte die Jahresteuerung im August von 1,7 Prozent im Vormonat auf 2,1 Prozent.

Fitschen stellte sich ausdrücklich hinter die angekündigten Anleihekäufe der EZB und damit gegen die Vorbehalte der Bundesbank. "Es ist gut, dass die Europäische Zentralbank handelt", sagte er. Auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts sei ein gutes Signal gewesen. Das Gericht in Karlsruhe hatte am Mittwoch den Weg für den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM frei gemacht. Allerdings koppelten die Richter die Genehmigung an Bedingungen. Deutschland dürfe dem "Europäischen Stabilitätsmechanismus" nur beitreten, wenn sichergestellt sei, dass das Haftungsrisiko nicht automatisch über die ausgehandelten 190 Milliarden Euro steige. Bei jeder Änderung müsse der Bundestag gefragt werden. Die Bundesrepublik hatte als einziges Euroland den ESM-Vertrag noch nicht ratifiziert, weil sie auf die Entscheidung des Gerichts warten musste.

Jain und Fitschen stehen seit Juni als Nachfolger des langjährigen Vorstandschefs Josef Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank. Erst am Dienstag hatten sie ihre Strategie erläutert. Die neue Führung will Deutschlands größte Bank mit einem milliardenschweren Sparprogramm fit für die Zukunft machen. Außerdem will das Duo der Bank ein positiveres Image verschaffen. Ein Wandel der Unternehmenskultur sei "unerlässlich".

Auch bei den umstrittenen Bonuszahlungen für das Topmanagement will die Bank auf die Bremse: Vorgesehen sei eine Einmalzahlung nach fünf Jahren anstelle gestaffelter Auszahlungen über drei Jahre hinweg. Fitschen hatte gesagt: "Kollegen, die nur zur Deutschen Bank wollen, um reich zu werden, gehören nicht dazu." Dem neuen Aufsichtsratsmitglied Werner Wenning geht die Boni-Bremse nicht weit genug. Fixe Obergrenzen für variable Gehaltsbestandteile sollten nach seiner Ansicht selbstverständlich sein, sagte Wenning der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Eine konkrete Zahl nannte er nicht, sagte aber: "Kein Manager, auch kein Investmentbanker, muss zweistellige Millionenbeträge verdienen."

Quelle: BMO
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