Die Bad Bank des verstaatlichten Immobilienfinanzierers HRE hat 2011 knapp zehn Milliarden Euro Verlust gemacht und bekommt dieses Geld vom staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin wieder. Das Auffanginstitut FMS Wertmanagement, in das die Altlasten der Hypo Real Estate (HRE) ausgelagert wurden, wies für das erste volle Geschäftsjahr ein Minus von 9,97 Milliarden Euro aus. Davon werden 9,9 Milliarden vom SoFFin ausgeglichen. Vorstandssprecher Christian Bluhm sagte am Dienstag in München, wenn die Eurokrise gelöst werde, „kann die FMS 2012 unter Umständen ein ausgeglichenes Geschäftsergebnis erzielen. Wenn nicht, werden die Lasten bestehen bleiben. Der Ausgang dieser Eurokrise ist für uns absolut matchentscheidend.“
Wie viel Geld sein Institut künftig noch vom SoFFin brauchen werde, lasse sich nicht seriös beziffern. Im Portfolio gebe es Laufzeiten bis 2070, erläuterte Bluhm, der zugleich auch Finanz- und Risikochef ist. In den schuldengeplagten Ländern Italien und Spanien sei die FMS mit rund 30 Milliarden beziehungsweise über zehn Milliarden Euro engagiert.
Vom Dilemma samt Schuldenschnitt in Griechenland ist die Bad Bank besonders betroffen, weil sie in der deutschen Finanzbranche am stärksten dort engagiert ist. Allein die Risikovorsorge aus dem Griechenland-Engagement der FMS belief sich im vergangenen Jahr auf 8,9 Milliarden Euro. Gegen eine solche Größenordnung, die auf einen einzelnen Schuldner entfalle, „kann man im Grunde genommen gar nicht ankämpfen“, sagte Bluhm.
Insgesamt summierten sich die Wertberichtigungen und die Risikovorsorge auf 10,2 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte des Portfolios entfalle auf Finanzierungen im öffentlichen Sektor, führte Bluhm aus. „Das bedeutet, dass unser Portfolio anfällig für Schnupfen ist.“ Die Eurokrise sorge weiter für Belastungen. „Wir sehen, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist.“
Das Portfolio bringe auch Erträge, mit denen die Aufwendungen locker gedeckt würden, sagte der Vorstandssprecher. Die Erträge aus Zins- und Provisionsergebnis beliefen sich auf 611 Millionen Euro. Bessere Refinanzierungsmöglichkeiten hätten den volumenbedingten Rückgang der Zinserträge weitgehend kompensiert, hieß es.
Die FMS Wertmanagement wurde im Jahr 2010 gegründet, um Risikopapiere der HRE zu übernehmen und sie weiterzuverkaufen. Die verstaatlichte HRE ist unterdessen nach der Auslagerung fauler Wertpapiere und Kredite wieder in den schwarzen Zahlen. Die Immobilienbank musste mit Staatshilfen von zeitweise rund 150 Milliarden Euro gerettet werden und wurde zur größten Pleite-Bank in Deutschland.
Ex-HRE-Chef Funke weist weiter jede Schuld zurück
Der Ex-Chef der Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, weist weiter jede Schuld am Beinahe-Zusammenbruch der seit 2009 verstaatlichten Immobilienbank zurück. Es seien nicht seine Fehler gewesen, die die Schieflage der Bank ausgelöst hätten. „Eine Rufschädigung auf Basis falscher Anschuldigungen ist automatisch eine Situation, mit der man sich definitiv nicht einverstanden erklären kann und ich mich auch nicht einverstanden erkläre“, sagte Funke im Interview mit dem ZDF-Magazin „Frontal 21“. Die Altlasten der HRE kosten den Steuerzahler weiter Milliarden. Die „Bad Bank“ der HRE schrieb 2011 ein Verlust von knapp zehn Milliarden Euro. Vor allem wegen Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen.
Auch das große Engagement der HRE in Griechenland sei kein Fehler gewesen. „Aus der damaligen Sicht waren die Länder der Eurozone krisensicher“, sagte Funke dem Sender. „Ich glaube, dass eine Staatspleite Griechenlands aus damaligen Sicht nicht vorhersehbar war.“ Im Gegenteil, so etwas sei „unvorstellbar gewesen“. Darüber hinaus habe die HRE stets Risiken benannt, wie jede andere Bank das auch gemacht habe. „In allen Veröffentlichungen haben wir jeweils immer darauf hingewiesen, dass entweder keine Marktverwerfungen zusätzlich kommen dürfen oder auf sonstige Risikofaktoren hingewiesen“, sagte der auf Mallorca lebende Ex-Vorstandschef.
Funke hat sich bereits häufiger in Interviews gegen Vorwürfe gewehrt und sich als „Sündenbock“ bezeichnet. Die HRE sei aus seiner Sicht auch nicht vom Staat gerettet worden. „Nein, sie ist zerstört worden“, sagte Funke. Der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) habe mit seinen Äußerungen über eine mögliche Abwicklung der HRE dem Institut den Rest gegeben. „Für eine Bank ist Reputation einfach alles.“ Das war keine Rettung, „das war das Ende der Bank.“ Auch deshalb haben eben anderen auch Steinbrück angezeigt.
Reuters/dpa/nbo

