Auf seine Weise handelt „Soy Nero“, der neue Film des ira- nischen Regisseurs Rafi Pitts, vom vielleicht fragwürdigsten aller Themen im vergangenen, fragwürdigsten aller US-Prä-sidentschaftswahlkämpfe, nämlich der Mauer, die Donald Trump an der südlichen Grenze der USA bauen will.
Dem Mexikaner Nero (Johnny Ortiz) gelingt es nach mehreren Versuchen, die kritisierten Grenzanlagen zu überwinden, die der Film mit Kugelhagel als regelrechte Kriegszone zeigt. Trampend macht sich Nero dann nach Los Angeles auf, was das Drehbuch nutzt, um Nero mit ein paar „typischen“ Amerikanern zu konfrontieren, die trotz der betont langsamen Inszenierung als konstruierte Klischees daherkommen. Denselben Ein- druck von Künstlichkeit trotz gewolltem Realismus hinterlässt auch die Episode, die Ne- ro bei seinem Halbruder Jesus in L.A. zeigt. Jesus bewohnt eine prächtige Villa, die so we- nig zu ihm passt, dass man die nächste Wendung lang voraussieht. Dann aber springt der Film in ein Nahost-Kriegsgebiet, wo Nero sich als Soldat eine Green Card zu erdienen erhofft. Auch hier setzt Pitts im Stil vorgeblicher Improvisation und Natürlichkeit wieder allerlei Klischees in Szene, wie das zweier Afro-Amerikaner, die sich über Rapmusik streiten. Atmosphärisch nicht ohne Meriten, aber leichtsinnig ungenau, was reale Details betrifft, wird „Soy Nero“ seinem Anliegen, den Umgang der USA mit Immigranten im Allgemeinen und „Green Card Soldiers“ im Besonderen anzuklagen, an keiner Stelle gerecht.
Barbara Schweizerhof

