DokumentationUSA 2016
93 Min., von Ralf Pleger
Musik, Kunst, Glamour. Sie wollte der Welt so viel geben. Ihr Gesang, dachte sie, mache die Menschen glücklich. Hat er auch. Aber nicht, weil sie so gut war, sondern weil sie nicht einen einzigen Ton traf.
Florence Foster Jenkins ist ein Phänomen. Obwohl sie miserabel sang, war ihr Konzert in der New Yorker Carnegie Hall ausverkauft. Dass sie nur wenige Wochen später, im November 1944, starb, weil sie die schlechten Kritiken nicht verkraftet habe, das trägt zum Mythos bei. Dem hat sich Ralf Pleger nun in der Dokumentation „The Florence Foster Jenkins Story“ genähert.
Die arbeitet mit Originalaufnahmen und nachgespielten Szenen aus Fosters Leben. Das sieht man sie dann in einem Meer aus pinken Plastikblüten stehen, das rote Satinkleid spannt, auf ihrem Kopf thront ein gigantischer Schmetterling, und vor ihr, da räkeln sich nackte Schönlinge. Jenkins quietscht, sie mauzt, sie treibt ihre Stimme in unschöne Höhen. In Plegers Film übernimmt die amerikanische Mezzosopranistin Joyce DiDonato ihre Rolle. Sie habe hart an ihrer Stimme arbeiten müssen, um so schlecht zu singen wie Jenkins, sagt DiDonato. Ihr gelingt es gut, diese exzentrische Diva darzustellen. Ihre erste Kinorolle spielt sie schmerzhaft optimistisch, selbstbewusst und, klar, schrullig.
Wer war sie, diese „Königin der Dissonanzen“? Ihre Großcousinen werden dazu befragt, Historiker, Journalisten, Zeitzeugen, Musikwissenschaftler. „Ich finde es großartig, dass sie der Musikwelt einen Witz aufgesetzt hat“, sagt einer. Selbst wenn sie selbst das nicht als Witz erkannte. Der deutsche Filmemacher Pleger, der auch das Drehbuch schrieb, fühlt dem zwar nach – so wie er es bereits in seinen Musikfilmen „Wagnerwahn“ und „Die Akte Tschaikowsky“ getan hat. Er versucht, ihre Tragik zu verstehen. Ganz gelingt ihm das nicht. Der Mythos bleibt erhalten. Vielleicht bis in zwei Wochen. Dann wird Meryl Streep als Operndiva Jenkins im Kino zu sehen sein.
Elisa von Hof

