Es ist nicht zu überhören: Jens Keller ist angeschlagen. Das hat freilich etwas mit der nasskalten Witterung der vergangenen Tage zu tun und weniger mit den Resultaten, mit denen sich seine Mannschaft in die letzte Länderspielpause des Jahres verabschiedet hatte. Dass der 1. FC Union trotz der jüngsten Niederlagen gegen Düsseldorf und in Kaiserslautern (beide 0:1) immer noch in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen der Zweiten Liga liegt, spricht für die bislang gute Serie, die die Köpenicker spielen.

Mit der Partie gegen den VfB Stuttgart am Sonntag in der mit 22.012 Zuschauern ausverkauften Alten Försterei beginnen für Union jedoch die Wochen der Wahrheit: Es geht gegen das Spitzentrio der Liga, nach Stuttgart warten Tabellenführer Eintracht Braunschweig (5. Dezember) und die Reise zum 1. FC Heidenheim (9. Dezember), dazwischen steht noch das Gastspiel beim heimstarken SV Sandhausen (27. November) an.

Spiele, in denen Union zeigen muss, dass die zwei Niederlagen auch wirklich komplett abgehakt sind. Dass der Erfolg gegen ein Spitzenteam wie zuvor Hannover 96 (2:1) keine Eintagsfliege gewesen ist. Dass Union tatsächlich ein Anwärter für den Bundesliga-Aufstieg ist.

Keller verspürt keinen Druck

Keller, der in Stuttgart geboren ist und beim VfB seine ersten Erfahrungen als Profispieler und Trainer gesammelt hat, versucht vor allem, das zu tun, was er immer tut: Ruhe ausstrahlen. Am 13. Spieltag „ist noch keiner aufgestiegen“, sagte der 45-Jährige, „wir verspüren keinen Druck.“ Doch am 13. Spieltag wurden auch schon Abstände vergrößert, die sich dann in den restlichen zwei Saisondritteln nicht mehr aufholen ließen.

Entsprechend nordet Keller seine Spieler ein: „Stuttgart ist ein Topteam der Liga, das mit hohem Tempo spielt. Und sie haben einen Stürmer, der auch hier nicht unbekannt ist.“ Gemeint ist Simon Terodde, von 2011 bis 2014 bei Union und derzeit mit sieben Treffern Stuttgarts bester Torschütze.

In jedem Fall wurde in den vergangenen zwei Wochen hart gearbeitet in Köpenick. „In Kaiserslautern hatten wir zu wenig Läufe in die Tiefe“, hat Keller ausgemacht. Gegen den keineswegs sattelfesten Bundesliga-Absteiger VfB (14 Gegentore) kann genau dies ein Erfolgsrezept sein. Verletzungsbedingt fehlen werden die Mittelfeldspieler Michael Parensen (Mittelfußbruch) und Christopher Quiring (Oberschenkelverletzung). Rechtsverteidiger Christopher Trimmel hat „in dieser Woche voll mittrainiert“, sagte Keller, und ist nach seiner Schulterverletzung wieder einsatzbereit.