Dienstreisen des 1. FC Union zu einem Zweitliga-Aufsteiger gaben in den vergangenen Jahren nicht wirklich Anlass zur Freude. Seit November 2011 (5:2 in Rostock) sprangen für die Köpenicker in zehn Begegnungen gerade einmal zwei Unentschieden heraus. Nun ging es zu den Würzburger Kickers, die seit fast einem Jahr vor heimischer Kulisse nicht mehr verloren hatten. Doch unter Trainer Jens Keller scheinen die Geister der Vergangenheit endgültig vertrieben. Union gewann 1:0 (0:0) – wenn auch sehr glücklich – und liegt nach dem sechsten Spieltag auf Relegationsrang drei.
Keller schickte am Mittwoch die gleiche Elf ins Rennen, die am vergangenen Freitag in Unterzahl ein 2:1 bei 1860 München erkämpft hatte – mit einer Ausnahme: Felix Kroos hatte die Reise nach Unterfranken nicht mit angetreten. Der Union-Kapitän laboriert an Muskelbeschwerden im Oberschenkel und absolvierte an der Alten Försterei ein individuelles Training. Eroll Zejnullahu ersetzte ihn.
Hedlund feiert sein Debüt in der Zweiten Liga
„Er ist ganz dich dran“, hatte Keller immer wieder auf die Fragen geantwortet, ob und wann der kosovarische Nationalspieler wieder in die Startelf zurückkehren würde. In Würzburg mühte sich der Mittelfeldspieler in der ersten Halbzeit. Ihm war anzumerken, dass er in dieser Saison erst wenig Spielpraxis hat sammeln können. Viele Aktionen wirkten zu ungestüm, so wie sein Befreiungsschlag in der siebten Minute, der zu einem Querschläger mutierte und dem Würzburger Tobias Schröck somit die erste Chance der Partie ermöglichte.
Doch auch wenn sein Seitfallzieher das Union-Tor verfehlte, die Kickers dominierten das Duell vor der Pause weitgehend. Nejmeddin Daghfous prüfte Jakob Busk aus 25 Metern mit einem Flatterball, den der Union-Keeper nach vorn prallen ließ – zum Glück ohne Folgen (11.). Acht Minuten vor der Pause fehlte dem Würzburger Elia Soriano die Treffsicherheit. Wie so viele Aktionen der Gastgeber wurde auch die größte Torchance in Halbzeit eins über die linke Seite vorbereitet.
Nur selten kam Union vor das Tor von Robert Wulnikowski. In der 27. Minute fing der ehemalige Keeper der Köpenicker einen Steilpass von Damir Kreilach auf Steven Skrzybski, der Kroos als Kapitän vertrat, locker ab. Sieben Minuten später hatte Wulnikowski jedoch Glück, dass Kreilach nach einer Ecke von Christopher Trimmel den Ball nur an die Latte köpfte.
Keine Frage, es musste etwas geschehen bei den in Weiß spielenden Unionern, sollte der dritte Sieg in Folge gelingen. So brachte Keller nach dem Seitenwechsel den etwas defensiver orientierten Dennis Daube für den unsicheren Zejnullahu, um dem Zentrum mehr Stabilität zu verleihen. Unions Fehlerquote blieb dennoch zu hoch für eine Mannschaft, die sich im Vorderfeld der Liga etablieren will.
Schwächen in der Offensive
Den Ton gaben weiter die Würzburger an. Nicht einmal zwei Minuten waren vor 10.148 Zuschauern wieder gespielt, da mussten nicht nur die gut 500 mitgereisten Union-Fans kräftig durchatmen. Linksverteidiger Kristian Pedersen leistete sich einen hanebüchenen Rückpass, der Rico Benatelli die Riesenchance zur Führung ermöglichte – der Angreifer schloss zu überhastet ab, Keeper Busk war zur Stelle. Nach 63 Minuten verzog Daghfous von der Strafraumgrenze, eine Minute später verpasste Marco Königs eine Daghfous-Hereingabe im Fünfmeterraum – die Einschläge kamen näher.
Union brauchte dringend Belebung in der Offensive, Simon Hedlund sollte sie bringen. In der 70. Minute kam der Schwede, Unions teuerster Einkauf (850.000 Euro), für den wirkungslosen Kenny Prince Redondo und damit zu seinem Zweitliga-Debüt. Wenige Minuten später prüfte der Flügelspieler Kickers-Schlussmann Wulnikowski (74.). Es sah jedoch nicht so aus, als sollte Union noch irgendetwas bewegen können.
Dann kam der Auftritt von Collin Quaner: In halbrechter Position hatte der Stürmer plötzlich ein wenig Platz, den er nutze. Mit der Pike schoss er den Ball an den linken Innenpfosten, von wo das Spielgerät ins Tor sprang (84.). Quaners sechstes Saisontor war eines aus dem Nichts. Und eines, nach dem die Union-Fans sich von ihrer schlechten Seite zeigten: Sie zündeten Pyrotechnik und warfen sie auf den Rasen. Kein schöner Anblick an einem am Ende schönen Abend für Union.





