Was der 1. FC Union und 1860 miteinander gemein haben? Beides sind Traditionsklubs, beide treffen am Sonntag in der Alten Försterei (13.30 Uhr) aufeinander. Ende. Ansonsten trennen beide Zweitligisten Welten. Nicht in der Tabelle, in der Union von Rang 13 aus und 1860 als Vorletzter in das Duell gehen.
Bei der Einschätzung, die Union-Trainer Sascha Lewandowski von den Münchner Löwen gibt, wird deutlich, wie sehr sich beide Klubs unterscheiden. „Das ist nicht mehr das 1860 aus der Hinrunde. Gegen die hätte ich gern gespielt. Doch jetzt ist das eine völlig veränderte und verstärkte Mannschaft“, sagte Lewandowski. Anders als bei Union hat sich in München in der Winterpause vieles geändert.
Gemeint sind die sechs Winterzugänge, darunter gestandene Profis wie Stürmer Sascha Mölders oder die offensiven Mittelfeldspieler Maximilian Beister und Levent Aycicek. Verpflichtungen, die nur möglich wurden, weil Investor Hasan Ismaik im Winter rund eine Million Euro für Verstärkungen zur Verfügung gestellt hatte. Jener jordanische Geschäftsmann, der seit seinem Einstieg bei 1860 im Sommer 2011 nicht nur mehr als 38 Millionen Euro in den Klub pumpte, sondern seitdem auch die Fäden in der Hand hält.
Münchner liefern den Grund für die 50+1-Regel
Wenn es einen Grund gibt, warum Fußballvereine in Deutschland an der 50+1-Regel festhalten wollen, wonach die Klubs die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften behalten, dann liefern ihn die Münchner. Während Union die Mitglieder als höchstes Gremium betrachtet, führt Ismaik nach Gutsherrenart. Benno Möhlmann, seit Oktober 2015 im Amt, ist bereits der achte Trainer in der Ära Ismaik. Und noch Ende 2015 hatte er mit der Einstellung seiner Zahlungen gedroht.
„Spürbare Veränderungen oder keine Investitionen“, stellte der Jordanier den Klub vor die Wahl. „Hochgesteckte und ambitionierte Ziele“ sollen erreicht werden, forderte Ismaik. Von seinem Selbstverständnis her gehört 1860 immer noch in die Bundesliga. Doch seit Jahren dümpelt man im Zweitliga-Keller herum. Dass Ismaik nicht nur die Deutsche Fußball-Liga (DFL), sondern auch seinen Klub selbst dafür rügt, an der 50+1-Regel festzuhalten, versteht sich von selbst.
Es gibt nicht wenige, die den Münchnern in der vergangenen Saison einen Abstieg gewünscht hätten. Nicht aus purer Boshaftigkeit, sondern weil sie darin die Chance für einen Neustart sahen beim einstigen Deutschen Meister (1966) und Pokalsieger (1942, 1964).
Besinnung auf die Herkunft ist nötig
Die Blaupause, wie es funktionieren kann, liefert der heutige Gegner Union. Als die Köpenicker mit dem Zweitliga-Abstieg 2004 sogar komplett von der Bildfläche zu verschwinden drohten, besann man sich auf die Wurzeln, die den Verein stark gemacht hatten: auf Köpenick und die Alte Försterei.
Ein solcher Weg kann auch 1860 zu neuen Ehren führen. Nicht das Münchner Olympiastadion oder seit 2005 die Allianz Arena haben die Sechziger groß gemacht. Es war der Stadtteil Giesing mit dem altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße. 1860 ist eher der Klub der Münchner, im Gegensatz zum Weltklub FC Bayern. Es braucht eiserne Löwen für eine bessere Zukunft.
Dass sich die Münchner dennoch gegen Union mit aller Macht gegen eine Niederlage stemmen werden, steht außer Zweifel. Alles andere würde der Auffassung von Proififußball widersprechen. „Was immer 1860 auch macht, entscheidend ist, welche Antworten wir haben werden”, sagte Union-Trainer Lewandowski. Die Antwort darauf, wie es mit den Münchnern wieder aufwärts gehen kann, hat Union längst gegeben.





