Die Erwartungen, die mit seiner Verpflichtung einhergingen, waren schon nicht gering. Es kommt schließlich nicht so oft vor, dass der 1. FC Union einen US-Nationalspieler holt. Zumal Bobby Wood eben auch jene Lücke schließen sollte, die Sebastian Polter hinterlassen hat. Polter, der inzwischen beim englischen Zweitligisten Queens Park Rangers auf Torejagd geht, schoss in der vergangenen Spielzeit 14 Tore. Öfter hat kein Union-Stürmer im deutschen Profifußball in einer Saison getroffen. Eine hohe Hürde, die der 22-Jährige da vor sich hat. Und angesichts des bisherigen Saisonverlaufs (ein Punkt aus zwei Spielen, Pokal-Aus bei Viktoria Köln) wartet man im Lager des Berliner Fußball-Zweitligisten sehnlichst darauf, dass bei dem Stürmer endlich der Knoten platzt.

Drei Wochen Rückstand

Die Partie der Köpenicker am Sonntag gegen den 1. FC Kaiserslautern (13.30 Uhr, Alte Försterei, hier im Liveticker) markiert einen Punkt, an dem Wood den Leistungsstand erreicht haben sollte, der Norbert Düwel vorschwebt. In den vergangenen Partien verwies der Trainer stets auf die späte Verpflichtung des gebürtigen Hawaiianers. Immer wieder hieß es: „Bobby Wood ist noch nicht in der Lage, das abzurufen, was er sich wünscht und wir von ihm erwarten. Schließlich fehlen ihm drei Wochen Grundlagentraining.“

Erst als Union sich im Trainingslager im österreichischen Bad Kleinkirchheim, also mitten in der Vorbereitung befand, konnte der Transfer des Angreifers vom Ligakonkurrenten 1860 München perfekt gemacht werden. Es folgten viele Trainingseinheiten, in denen Wood allein laufen musste. Im Grunde genommen begann das Einstudieren von Spielsituationen mit seinen neuen Mitspielern erst, als es für Union bereits um die ersten Punkte ging.

Trotzdem auf dem Platz

Dass Düwel dennoch gleich im ersten Spiel gegen Düsseldorf (1:1) von Beginn an auf Wood setzte, hatte zwei Gründe. Zum einen sollte dem wohl teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte – kolportiert wird eine Ablösesumme im höheren sechsstelligen Bereich – gleich vermittelt werden, wie stark der Coach auf ihn setzt. Zum anderen wollte Düwel dem Amerikaner unter Wettkampfbedingungen die Möglichkeit geben, das Defizit aufzuholen.

Dafür wich er sogar von seiner Maxime ab, nur Spieler einzusetzen, die zu einhundert Prozent fit sind. Die Erklärung Düwels bestätigt, wie groß die Erwartungen an den Profi tatsächlich sind: „Seine Qualität kann uns im Spiel trotzdem helfen.“ Und obwohl er in den Vorwochen noch Nachholbedarf hatte, „kann es für einzelne Momente ausreichen“, erklärte Düwel, um den Unterschied auszumachen. Wirklich aufgegangen ist die Rechnung nicht.

Genervt in Köln

Was fehlt, um einen Schritt nach vorn zu machen, ist ein Erfolgserlebnis. Wie sehr den eher introvertierten Wood seine Torflaute selbst nervt, zeigte sich jüngst beim Pokalspiel in Köln, als er aus fünf Metern Torwart Nico Pellatz anschoss. Seinen Frust bekam der Rasen zu spüren. Dass er noch nicht getroffen hat, „das blockiert ihn mit Sicherheit, aber er ist ein Spieler, der sich durch so was nicht verrückt machen lässt, der sein Ding weiter durchzieht“, sagt Düwel, der auch ohne Tor mit dem Angreifer zufrieden war. „Er hat sehr gut gegen den Ball gearbeitet, viele Bälle festgemacht, viele Zweikämpfe gewonnen.“ Der Trainingsrückstand ist nun fast kompensiert. „Es ist nur eine Frage der Zeit, dass er trifft. Er hat einfach die Qualität, eine Menge Tore für uns zu schießen, wichtige Tore“, so Trainer Norbert Düwel. Gegen Kaiserslautern hat Union die schon dringend nötig.