21.07.13

Ligastart

Union-Präsident Zingler - "Wir wollen in die Bundesliga"

Vor dem Auftaktspiel der Köpenicker in der Zweiten Liga gegen den VfL Bochum spricht Klubchef Dirk Zingler über die Aufstiegsträume, die Trainerfrage und seine Pläne mit dem Verein.

Foto: pa/dpa

Klubchef: Seit 2004 ist Dirk Zingler Präsident des 1. FC Union. Unter seiner Ägide entwickelte sich der Verein vom Viertligisten zum Aufstiegskandidaten in die Bundesliga
Klubchef: Seit 2004 ist Dirk Zingler Präsident des 1. FC Union. Unter seiner Ägide entwickelte sich der Verein vom Viertligisten zum Aufstiegskandidaten in die Bundesliga

Mit der Saison 2013/14 geht Dirk Zingler in sein zehntes Jahr als Präsident des 1. FC Union. Vor dem Saisonstart des Zweitligisten gegen den VfL Bochum (Sonntag, 15.30 Uhr, Alte Försterei) sprach Morgenpost-Redakteur Michael Färber mit dem 48-Jährigen über die Entwicklung des Zweitligisten.

Berliner Morgenpost: Was machen Sie am 11. Mai 2014, Herr Zingler?

Dirk Zingler: Das ist der letzte Spieltag der Saison...

So ist es...

Da werde ich mir sicher ein Fußballspiel meines Lieblingsvereins anschauen.

Die gute Vorbereitung, gute Testspielergebnisse, das Stadion ist fertig, die Euphorie ist groß – viele rechnen an diesem Tag mit dem Aufstieg in die Bundesliga...

Erst am letzten Spieltag? (lacht). Scherz beiseite: Die Euphorie bleibt uns ja nicht verborgen, aber sie überrascht uns auch nicht. Es ist ja auch Bestätigung und Anerkennung für die Entwicklung in den vergangenen Jahren. Dass es uns wirklich gelingt, uns von Jahr zu Jahr nicht nur auf dem Papier, sondern auch mit den Ergebnissen weiterzuentwickeln. Aber am Ende müssen wir das bestätigen. Wie das ausgehen wird, wissen wir nicht. Vielleicht werden wir uns zum Saisonziel erst im Herbst äußern, wenn wir sehen, wie alles funktioniert.

Mit der Verpflichtung von Profis wie Mario Eggimann und Benjamin Köhler, die über sehr viel Erfahrung in der Bundesliga verfügen, ist Union von der Linie abgewichen, auf entwicklungsfähige Talente zu setzen. Der Etat für die Saison liegt erstmals über 20 Millionen Euro. Das klingt doch ganz klar nach: Aufstieg jetzt!

Nein, es klingt danach, dass Union seinen Weg fortsetzt. Wir haben jedes Jahr unseren Etat erhöhen können und haben jetzt durch die neue Haupttribüne natürlich einen höheren Sprung. Diese neue Wirtschaftlichkeit ermöglicht es uns auch, Spieler zu holen, die bereits bewiesen haben, dass sie guten Fußball spielen. Das ist für mich nur eine logische Fortsetzung der Entwicklung der vergangenen Jahre. Wir haben ja immer gesagt, dass Mehrerträge durch die Haupttribüne auch in den Sport fließen.

Viele aus der Liga handeln Union als Geheimfavoriten. Ist Ihnen das recht?

Ich denke relativ wenig darüber nach. Letzten Endes ist es ja nicht beeinflussbar. Wir haben uns auch in den vergangenen Jahren kaum Gedanken darüber gemacht, wie andere uns beurteilen. Und das machen wir von Jahr zu Jahr weniger, je gefestigter wir werden.

Wie viel Bundesliga steckt schon in Union?

Ich stelle mir die Frage: Wie viel Fußball steckt in Union? Wir lieben diesen Sport durch die Art, wie wir ihn präsentieren und leben im Verein. Dazu gehört am Ende natürlich auch, erfolgreich zu sein. Die Frage ist, ob Erfolg im Fußball ausschließlich Aufstiege und Meisterschaften bedeutet. Ich glaube, dass wir ein gutes Beispiel dafür sind, wie man Menschen begeistern kann.

Kommt da nicht automatisch irgendwann der Punkt, wo es heißt: Jetzt muss aber ein Aufstieg oder eine Meisterschaft her?

Wir sind natürlich keine Träumer und wissen, dass die Ansprüche der Menschen steigen, die uns seit vielen Jahren besuchen. Für uns gehört sportlicher Erfolg zu unserer Marke. Alles, was wir tun, zielt darauf ab, den Sport weiter zu entwickeln. Wir wollen in die Bundesliga, keine Frage, wir wären eine schlechte Klubführung, wenn wir diesen Wunsch nicht hätten. Aber das Tempo, die Art und Weise sind unser Thema. Das Wann steht bei uns nicht an erster Stelle.

Apropos Menschen begeistern: Inwiefern ist denn die neue Haupttribüne schon in Ihrem Alltag angekommen?

Für Dirk Thieme (Vorstand der Stadion AG, d.Red.) und mich, die diesen Bau von Etage zu Etage begleitet haben, ist die Wahrnehmung sicher noch eine andere als für jene 20.000 Menschen, die an den Tagen der offenen Türen die Tribüne besichtigt haben. Doch sie haben dieses Haus sofort in ihr Herz geschlossen. Das Strahlen dieser Menschen hat uns sehr berührt. Und es war sicher auch ein wenig Belohnung für uns.

Sie sagten, in diesem Bau steckt so viel Union drin. Das müssen Sie erklären...

Dieses Haus ist von Unionern geplant und gebaut worden. Das Stadion gehört uns, wir konnten jedes Detail so umsetzen, wie wir es wollten.

Das Stadion gehört Union? Ein Teil der Finanzierung des 15-Millionen-Euro-Baus wurde über Kredite von der DKB finanziert. Wann sind diese denn abbezahlt?

Union und die Stadiongesellschaft haben in den Vorjahren über 25 Millionen Euro investiert. Wir haben eine Fremdkapitalquote von rund 30 Prozent, das ist ein sensationeller Wert. Diese Belastung ist von uns jederzeit zu tragen, ob in der Zweiten oder der Dritten Liga. Vermutlich ist die Alte Försterei neben der Allianz Arena in München das am gesündesten finanzierte Stadion Deutschlands.

Das beantwortet aber nicht die Frage, wann die Kredite abbezahlt sind...

Das sind Interna, die wir nicht veröffentlichen. Aber Sie können davon ausgehen, dass sie schneller abbezahlt sind als in anderen Stadien.

Vip-Logen, Business-Seats, roter Teppich und eine Riesenshow zur Tribünen-Einweihung, Mehreinnahmen in Millionen-Höhe – ist das noch der 1. FC Union, wie ihn viele alteingesessene Fans lieben gelernt haben?

Ja, und zwar ein moderner, selbstbewusster und gut aufgestellter 1. FC Union. Die Bestätigung habe ich auch durch jene 20.000 Tribünenbesucher erfahren, die sofort gesagt haben: Das ist unser Stadion. Natürlich ist es auch für mich gewöhnungsbedürftig, als alter Unioner, der seit knapp 40 Jahren hierher geht, mit dem Fahrstuhl durch die Alte Försterei zu fahren.

Was entgegnen Sie dann all jenen, die Union, von Ihnen gern als mittelständisches Unternehmen in der Unterhaltungsbranche bezeichnet, zu viel Kommerz vorwerfen?

Diesen Vorwurf lasse ich nicht gelten. Ich kann nur sagen: Kommt hierher, schaut euch Fußball im Stadion an der Alten Försterei an, geht danach ins Olympiastadion und bewertet dann noch mal neu.

In der Riege der über 200 Sponsoren befindet sich ein Sportwettenanbieter als neuester Top-Sponsor des Klubs. Wie passt das zum Image eines Vereins, der so gern einen anderen Weg geht als viele andere Klubs?

Dieser Sportwettenanbieter ist ein traditionsreiches Unternehmen, das 1946 gegründet worden ist. Das passt zu uns.

Neben dem wirtschaftlichen ging der sportliche Aufschwung Hand in Hand. Wie viel Planung war dabei, wie viel Zufall?

Planung im Fußball, das haben wir schnell gelernt, ist sehr schwierig. Man kann nicht zwei, drei Jahre im Voraus planen, weil es um Sport geht. Dieses Produkt ist so fragil, da reicht ein Pfostenschuss, und alles ist dahin. Wichtig ist, dass man fleißig und ehrlich arbeitet, dass man natürlich auch Visionen hat und Dinge vorlebt. Wenn man nah an den Menschen bleibt, die man erreichen will, dann hat man auch Erfolg. Natürlich gehört auch gutes Personal dazu. Wir haben mit Uwe Neuhaus einen Trainer, der inzwischen der dienstälteste im deutschen Profifußball ist. Das konnte ich mir vor ein paar Jahren noch weniger vorstellen als die umfassende Modernisierung unseres Stadions. Dazu gehört auch, in schlechten Zeiten zueinander zu stehen, eine Philosophie zu haben, wie man mit Menschen umgehen will. Wir haben ja nicht geplant, sechs Jahre zusammenzuarbeiten, sondern wir haben festgestellt, dass Erfolg sich einstellt, wenn man vertrauensvoll und unter bestimmten Prinzipien miteinander arbeitet.

Was zeichnet den Trainer denn auch nach sechs Jahren Zusammenarbeit noch aus?

Ihn zeichnet aus, was auch den Verein auszeichnet. Dass wir nicht nach der Taube auf dem Dach greifen, sondern den Spatz in der Hand haben wollen. Wir denken an morgen, nicht an übermorgen. Uwe Neuhaus geht absolut pragmatisch voran, hat eine klare Linie, behandelt seit sechs Jahren die Spieler gleich. Er ähnelt Union.

Dann können Sie eigentlich auch jetzt die Verlängerung des Vertrages mit dem Trainer, der bislang 2014 endet, bekannt geben...

Wir haben uns immer im Herbst vorher zusammensetzt, das werden wir sicherlich auch dieses Jahr tun.

Gibt es denn einen Moment, an dem sich die Wege trennen müssten?

So lange es keine Veränderung in seiner Arbeit und Verhaltensweise gegenüber dem Klub gibt, haben wir keinen Grund, uns von Uwe Neuhaus zu trennen.

Stichwort Kontinuität: Sie haben sich im Mai für vier weitere Jahre zum Klubchef bestellen lassen. Dabei wäre es mit der fertigen Tribüne im Rücken und der Bundesliga vor Augen nahezu der ideale Moment gewesen, um zu sagen: Ich genieße Union nur noch, ohne in der Verantwortung zu stehen. Oder was haben Sie noch vor?

Wir sind ja noch längst nicht fertig. Wir wollen unser Nachwuchsleitungszentrum und das Fanhaus bauen. Und so lange wir alle in der Klubführung weiter so viel Spaß dabei haben, diesen Verein weiter zu entwickeln, werden wir zusammen weitermachen.

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