Sein Handy war im Großeinsatz. „30 oder 40 SMS habe ich bekommen“, erzählt Fabian Schönheim. Allesamt Glückwünsche für den Fußballprofi des 1. FC Union. Für seine starke Leistung beim Spiel in Dresden und natürlich für seine beiden Tore, die das 2:0 gegen Dynamo unter Dach und Fach brachten. Es kommt eben nicht so oft vor, dass man als Innenverteidiger gleich zweimal trifft.

Bei aller Freude „weiß ich das aber einzuschätzen“, erklärte der 25-Jährige, „viele melden sich nur, wenn es mal gut läuft. In den Wochen, wo es schlecht gelaufen ist, waren es deutlich weniger.“ Dass ihm die derzeitige Situation eher gefällt, ist ihm anzusehen. Schönheim wirkt entspannt, oft untermauert er dies mit einem Lächeln. So als wolle er zeigen: Von nun an geht es nur noch bergauf. Will man die vergangenen Wochen des Abwehrspielers zusammenfassen, so sind wohl die Worte „vom Pechvogel zum Matchwinner“ am treffendsten.

War es Glück oder Können, als er den Ball vor dem ersten Treffer über den linken Schuh rutschen ließ und so die beiden Dresdner Verteidiger narrte? „Es wäre jetzt blöd zu sagen, ich wollte das so nicht. Ich wollte den Ball schon annehmen. Dass er dem Verteidiger durch die Beine geht, mir dann vor dem linken Fuß liegt und sie keine Chance mehr haben, an den Ball zu kommen, war natürlich ein bisschen Glück. Ich denke aber, wir hatten in den vergangenen Wochen auch genug Pech“, sagte Schönheim. Und das zweite Tor? „Das war vielleicht noch schwieriger, weil ich noch überlegen konnte, mach ich ihn nun links oder rechts rein“, erinnert er sich. Er entschied sich für die Mitte und damit richtig.

„Ich habe eine starke Frau hinter mir“

Was folgte, war Erleichterung. Oder wie es Schönheim beschrieb: „Ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann.“ Endlich hatte er der Mannschaft entscheidend helfen können. Endlich konnte er seine unglücklichen Auftritte der Wochen zuvor wettmachen. Das saublöde Eigentor Ende September, das kurz vor Schluss den ersten Auswärtssieg in Aue (1:1) verhindert hatte. Die Rote Karte im Ostderby gegen Cottbus (3:1) nur drei Tage später, die den Lausitzern per Elfmeter den zwischenzeitlichen Ausgleich ermöglicht hatte – und ihm eine Zwei-Spiele-Sperre bescherte. Und das kuriose 0:1 gegen Paderborn, bei dem er im ersten Spiel nach seiner Sperre das Tor nicht verhindern konnte.

Dass er diese Reihe von Rückschlägen gemeistert hat, hat einen einfachen Grund. „Ich habe vor allem eine starke Frau hinter mir“, bedankte sich Schönheim bei seiner Verlobten Laura, „die mir immer wieder gesagt hat, glaube an deine eigenen Stärken. Das hat mir ein gutes Gefühl gegeben.“ Auch Trainer Uwe Neuhaus und dessen Assistenten Andre Hofschneider wollte er natürlich nicht vergessen: „Sie haben mir gesagt, dass ich gerade in den Wochen, wo es schlecht gelaufen ist, noch mehr an mir arbeiten muss.“ Seinen Auftritt in Dresden hatte Schönheim übrigens Hofschneider zu verdanken. Der Neuhaus-Assistent hatte sich für den ungewöhnlichen Einsatz im linken Mittelfeld stark gemacht. Schönheim: „Mal schauen, was ich ihm Gutes tun kann.“

Schönheim muss sich bei Union durchsetzen

Er selbst hatte sich mit Extraschichten wieder herangekämpft. Und auch nicht nur mit Blick auf die Startelf oder das Ende seiner Pechsträhne. Schönheim ist lediglich bis Saisonende vom Bundesligisten FSV Mainz 05 ausgeliehen. Zwar „sind alle Details für einen kompletten Wechsel zu uns mit Mainz 05 und für einen Vertrag über weitere zwei Jahre mit Fabian bereits geklärt“, so Nico Schäfer, Unions kaufmännisch-organisatorischer Leiter. Dies kommt aber nur zum Tragen, „wenn Fabian sich bei uns durchsetzt“ (Schäfer).

Derzeit sieht jedenfalls vieles danach aus, dass Schönheim auch nächste Saison das Union-Trikot tragen wird. „Ich fühle mich hier sehr wohl, meine Verlobte auch, und ich darf wieder Fußball spielen über 90 Minuten, jede Woche“, erklärte er. Und was ist mit Mainz und der Bundesliga? „Als Fußballer ist man immer bestrebt, das Bestmögliche herauszuholen. Aber ich glaube, der Weg zurück nach Mainz würde schwierig werden für mich“, glaubt Schönheim: „Natürlich muss man im Leben auch mal den schwierigen Weg gehen, um nach vorn zu kommen. Aber in der jetzigen Situation muss ich sagen: Ich wäre froh, wenn Union die Option ziehen würde.“