Pal Dardai hätte beinahe die Koffer gepackt. Manager Michael Preetz hatte Herthas Chefcoach angeboten, dass sie gemeinsam zum EM-Qualifikations-Playoff nach Oslo fliegen, wo Ungarn am Donnerstag (20.45 Uhr) auf Norwegen trifft. Bis Juli dieses Jahres hatte Dardai das ungarische Nationalteam schließlich noch selbst trainiert, ehe er sein Engagement schweren Herzens auf Berlin beschränkte.

Offenbar eine Entscheidung nach dem Motto „ganz oder gar nicht“. Auf die moralische Unterstützung seiner Landsleute vor Ort wird Dardai jedenfalls verzichten – und das nur, weil Hertha am Donnerstag ein Trainingsspiel gegen die klubeigene U23 absolviert.

Nationaltrainer Bernd Storck steht in der Kritik

„Das ist eine Respektsache gegenüber meiner Mannschaft“, sagt Dardai. Das Spiel werde er daher nur im ungarischen TV verfolgen.

Sein Nachfolger als Nationaltrainer, Bernd Storck, hat die Chance, Ungarn erstmals seit 1986 wieder zu einem großen Turnier zu führen. Allerdings wird der 52-Jährige, von 1996 bis 2002 Herthas Co-Trainer unter Jürgen Röber, kritisch beäugt.

Seine Bilanz: nur ein Sieg in vier Spielen. Bei Fans und Medien gilt er deshalb nicht als derjenige, der das Playoff erreicht, sondern als der, der die direkte Qualifikation verpasst hat.

Andy Möller gibt sein Debüt als Co-Trainer

Unterstützung hat sich Storck in Person von Andy Möller geholt. Der Welt- und Europameister, 48, wird gegen Norwegen seinen Einstand als Co-Trainer geben. „Vielleicht ist das ein kleiner Push für die Spieler“, sagt Möller, „ich kann ihnen erzählen, was es bedeutet, bei einer EM dabei zu sein.“

Adam Szalai von der TSG Hoffenheim scheint sich der Bedeutung allerdings mehr als bewusst. Die beiden Partien gegen Norwegen seien für die Spieler die wichtigsten ihrer Karriere, sagt der Stürmer.

Keine Konsequenzen für Skjelbred und Jarstein

Für Dardai ist das Doppelduell auch deshalb delikat, weil die EM-Teilnahme ausgerechnet von zwei Herthanern zerstört werden könnte. Per Skjelbred ist Norwegens Kapitän, Torwart Rune Jarstein war hingegen zuletzt nur Reservist.

„Das ist kein Problem“, sagt Dardai mit einem breiten Grinsen, „vor dem Spiel ist man Freund, während des Spiels nicht, und nach dem Spiel dann wieder.“ Konsequenzen hätten die Hertha-Profis jedenfalls nicht zu befürchten.

Dass Dardai vielleicht doch noch die Koffer packt, ist übrigens nicht ausgeschlossen. Das Rückspiel findet erst am Sonntag statt. „Und da“ sagt Dardai, „habe ich ja frei.“