Hertha-Trainer

Dardai gibt Posten als Ungarns Nationaltrainer auf

Hertha-Trainer Pal Dardai

Foto: dpa

Hertha-Trainer Pal Dardai

Pal Dardai kümmert sich künftig nur noch um das Training von Hertha BSC. Der ungarische Fußballverband ist darüber nicht glücklich.

Berlin. Pal Dardais Konzentration gilt ab sofort allein Hertha BSC. Nach einem Gespräch mit Michael Preetz, dem Geschäftsführer Sport des Fußball-Bundesligisten, wurde diese Entscheidung bekanntgegeben. Dardai gibt seinen Posten als Nationaltrainer von Ungarn auf und fokussiert sich auf seinen Job als Trainer bei Hertha. "Die Tätigkeit von Pal Dardai als verantwortlicher Cheftrainer erfordert den kompletten Einsatz. Pal Dardai wird sich in Zukunft ausschließlich auf seine Arbeit bei Hertha BSC konzentrieren", sagte Preetz.

Man liegt nicht falsch, wenn man vermutet, dass Dardai die Doppelfunktion gern noch bis zur Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 innegehabt hätte. Ungarn liegt in der Gruppe F auf Rang drei hinter Rumänien und Nordirland und hat bis Ende Oktober noch vier Spiele zu bestreiten. Andererseits hat die Hertha-Vereinsführung dem 39-Jährigen klar gemacht, dass er gerade zum ersten Mal als verantwortlicher Cheftrainer eine Mannschaft auf eine Saison vorbereite. Trotz 18 Jahren Erfahrung als Fußball-Profi ist Dardai im Trainer-Geschäft Berufsanfänger.

Kluger Schachzug von Preetz

In einer Pressemitteilung wird Dardai wie folgt zitiert: "Ich akzeptiere und respektiere diese Entscheidung von Hertha BSC! Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht. Ich möchte mit meinem Team in der kommenden Saison eine gute Rolle spielen – dafür brauche ich alle Energie." Die Morgenpost hatte bereits im März berichtet, dass Hertha in dem Vertrag mit dem ungarischen Fußballverband MLSZ über eine Option verfügt. Diese berechtigt den Bundesligisten zu entscheiden, ob Dardai die Doppelfunktion aufgeben muss. Von dieser Klausel hat Michael Preetz nun Gebrauch gemacht.

In Ungarn kam die Nachricht nicht gut an. Der Ungarische Fußball-Verband MLSZ bezweifelte in einer Stellungnahme, ob Herthas Vorgehen juristisch legal sei. Präsident Sandor Csanyi sagte: "Der Ungarische Fussballverband respektiert die Entscheidung von Hertha, die aber nach dem vorher unterschriebenen Vertrag rechtlich, und nach der Erfahrung der letzten acht Monaten fachlich, schwierig zu begründen ist."​

Andererseits wird zugutegehalten, dass er von Hertha im vergangenen Herbst die Erlaubnis bekommen hatte, als Interims-Nationalcoach einzuspringen. Anfang Dezember 2014 war der Vertrag in einen regulären als Nationaltrainer umgewandelt worden, der eigentlich Gültigkeit hat bis zum Ende der EM-Qualifikation im November 2015. Allerdings hatte Preetz vorausschauend eine Klausel verhandelt, die Hertha das Recht einräumt, Dardai aus dem Nationaltrainer-Verhältnis herauszulösen, falls er im Sommer 2015 Cheftrainer bei Hertha sein würde.

Den MLSZ-Verantwortlichen in Budapest erschien das ein überschaubares Risiko: Schließlich trainierte Dardai Ende vergangenen Jahres Herthas U15. Doch seit dem 6. Februar hat sich die Lage geändert. An jenem Tag übernahm Dardai als Nachfolger von Jos Luhukay den damals abstiegsgefährdeten Bundesligisten.

Nach erfolgreichem Klassenerhalt erhielt Dardai einen Zwölf-Monats-Vertrag als Cheftrainer in Berlin. Er hat aber nie ein Hehl daraus gemacht, dass in dieser Frage zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Nach dem Gespräch mit Manager Preetz sagte Dardai nun: "Jeder in meiner Heimat weiß, wie sehr ich mein Land liebe. Ich bin sicher, dass das Team den letzten Schritt auch ohne mich gehen wird."

Der neue Nationaltrainer in Ungarn ist bei Hertha ein alter Bekannter. Bernd Storck übernimmt das Team, das am 4. September gegen Tabellenführer Rumänen spielen wird. Der einstige Cotrainer von Jürgen Röber bei Hertha (1996–2002) ist derzeit Sportdirektor und U21-Nationaltrainer in Ungarn.

Für Hertha ist diese Entscheidung eine gute. Eine Doppelfunktion, die sich selbst erfahrene Trainer-Kollegen im Fußball-Geschäft nur selten zumuten, hätte im Fall von Schwierigkeiten in Berlin zu permanenten Diskussionen geführt.

Klarheit beim Hauptsponsor

In einer anderen wichtigen Frage gibt es ebenfalls Planungssicherheit: in der des Hauptsponsors. Seit vergangenem Freitag hat Stefan Meurer, der Geschäftsführer von Herthas Exklusivpartner X-Tip, ein offizielles Schreiben des Bundesligisten vorliegen. X-Tip, ein Unternehmen aus der Wettbranche mit Sitz in Frankfurt/Main, hat nun zwei Wochen Zeit, bis Freitag, den 31. Juli, zu überlegen, ob es das Brustsponsoring der Berliner übernehmen will. Das hat der Klub mit dem Branchenkonkurrenten "Bet-at-home.com" (mit Sitzen in Düsseldorf, Graz, Malta und Gibraltar) verhandelt.

Das Paket für "Bet-at-home.com" sieht einen Drei-Jahres-Vertrag vor, der Hertha pro Saison bis zu sechs Millionen Euro einbringen soll, also bis zu 18 Millionen über die gesamte Vertragslaufzeit. Mit der Angelegenheit befasste Personen beim Bundesligisten gehen nicht davon aus, dass X-Tip von seinem "Matching-Right" Gebrauch machen wird. Egal, wie die Angelegenheit ausgeht: Hertha wird bei der Generalprobe für die Bundesliga-Saison am Sonnabend, dem 1. August, im Jahn-Sportpark gegen CFC Genua erstmals mit dem neuen Hauptsponsor auf dem Trikot auflaufen.

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