Bundesliga Nach Kritik an Israel - Hertha BSC verwarnt Änis Ben-Hatira

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Der Fußball-Profi solidarisiert sich mit der palästinensischen Bevölkerung. Bei Instagram trägt Ben-Hatira ein Hertha-Trikot. Hertha: „Wir haben Änis über mögliche Konsequenzen aufgeklärt“.

Jeder Arbeitgeber wünscht sich eigenständige und mündige Arbeitnehmer – solange es im Rahmen bleibt. Schwierig wird es, wenn die Grenzen überschritten werden. So geschehen bei Änis Ben-Hatira, Profi von Hertha BSC. Ben-Hatira gab im sozialen Netzwerk Instagram ein politische Stellungnahme zum Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen ab. Unter dem Namen von Ben-Hatira ist zu lesen: "Auch als Fußballer ist man ein Mensch und hat seine eigene Meinung. Als Mensch Anis Ben-Hatira beschäftigt mich die Entwicklungen von Palästina sehr ... Warum greift die Welt hier nicht ein? Das größte Gefängnis der Welt heißt Palästina. Hier werden unzählige Zivilisten getötet, darunter viele Frauen und Kinder."

Weiter heißt es: "Natürlich bin ich kein Antisemit. Ich habe nichts gegen die Juden und ihre Religion, jeder soll daran glauben, woran er will. Ich bin auch gegen jede Art von Gewalt!" Diese Äußerungen sind zwar einseitig, aber bei großzügiger Auslegung der Meinungsfreiheit als Klub vielleicht hinzunehmen. Doch die Schlussfolgerung im Text hat Hertha nicht mehr hingenommen. Da schrieb Ben-Hatira: "Ich habe was gegen das Regime von Israel, dass seit 66 Jahren ganz offen die Palästinenser unterdrückt, ermordet und deren Land besetzt."

Hertha kritisiert seinen Mittelfeldspieler

Damit wird unverhohlen das Existenzrecht von Israel, 1948 gegründet, in Frage gestellt. Auf Anfrage sagte der Bundesligist der Morgenpost: "Hertha BSC äußert sich in der Öffentlichkeit grundsätzlich nicht zu politischen Angelegenheiten." Allerdings ist der Klub nicht einverstanden mit seinem Profi: "Wir haben Änis Ben-Hatira eindeutig darauf hingewiesen, dass seine Aussagen in der Öffentlichkeit einer besonderen Wahrnehmung unterliegen und ihn über mögliche Konsequenzen aufgeklärt." Das darf der Profi als letzte Verwarnung verstehen.

Ben-Hatira, 26 Jahre alt und gebürtiger Berliner, ist tunesischer Nationalspieler. Grundsätzlich weiß er nun, dass es sein Arbeitgeber nicht goutiert, wenn er im Hertha-Trikot politische Erklärungen im Internet abgibt. Schon gar nicht mit einer solchen Botschaft.

Gute Verbindungen zur jüdischen Gemeinde

Hertha unterhält seit vielen Jahren gute Verbindungen zur jüdischen Gemeinde. Der Verein arbeitet etwa im "Berliner Ratschlag für Demokratie" mit Lala Süsskind zusammen, der ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, ist regelmäßiger Gast im Olympiastadion.

Hertha erwartet, dass Ben-Hatira versteht: Deutschland hat sich nach dem millionenfach Mord an Juden im Dritten Reich in außerordentlicher Weise für Israel verpflichtet.

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