Neuer Investor

Für Bundesligist Hertha BSC brechen goldene Zeiten an

Wie sieht Herthas Zukunft aus? Der Einstieg des 60-Millionen-Investors KKR in den Verein wirft zahlreiche Fragen auf. Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten.

Foto: Florian Schuh / dpa

Die Nachricht vom Novum in der Bundesliga-Geschichte stieß auf große Resonanz. Hertha BSC hat mit der Private-Equity-Firma Kohlberg Kraven Roberts & Co (KKR) aus New York einen strategischen Partner gewonnen. Der Investor überwies 61,2 Millionen Euro an Hertha. Dieses Geld will der Hauptstadt-Klub dafür nutzen, die chronisch klammen Finanzen auf gesündere Füße zu stellen. Durch verschiedene Maßnahmen kann Hertha seine Ausgaben nun um acht, neun Millionen Euro pro Saison reduzieren.

Im Gegenzug hat KKR für 18 Millionen Euro 9,7 Prozent der Anteile an Hertha-Aktien erhalten. Dieses Paket kann der Finanzinvestor auf ein Drittel aufstocken. Das Engagement des Finanzriesen bei Hertha ist auf (mindestens) sieben Jahre angelegt. Die "Deutschen Wirtschaftsnachrichten kritisierten: "Schuldenfalle: Finanzinvestor KKR übernimmt Kontrolle bei Hertha BSC". Die meisten Medien jedoch begrüßten den Schritt. "Und plötzlich sind Herthas Schulden weg" schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

So einen Deal hat die Liga noch nicht gesehen, deshalb bleiben diverse Fragen. Die Morgenpost beantwortet sie.

Was sagen die Fans?

Bei Hertha BSC gingen mehr als 200 E-Mails zum neuen strategischen Partner ein. Vier, fünf waren extrem negativ. Rund die Hälfte der Nutzer beglückwünschte den Klub zu seinem Schritt. Die anderen Nutzer stellten kritische Fragen. Vor allem bewegt die Fans, ob Hertha weiter Herr im eigenen Verein bleibt. Auch bei Immerhertha, dem Blog der Morgenpost, war das Interesse riesig. Es gab mehr als 500 Kommentare.

Was sagt die DFL?

Die Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert und Andreas Rettig, sind derzeit im Ausland unterwegs. Ein DFL-Sprecher sagte der Morgenpost: "Wir bestätigen, dass wir von Hertha umfänglich und transparent informiert wurden. Mit Blick auf das Lizenzierungsverfahren äußert sich die DFL grundsätzlich nicht zu Belangen einzelner Klubs." Auf den Fluren der DFL ist zu hören, dass der Liga-Verband den Deal mit dem Investor als Erfolg für Hertha bewertet. Mit dem neuen Vertrag hätten weder Hertha noch die KKR gegen eines der DFL-Statuten verstoßen.

Hat Hertha ein Darlehen aufgenommen?

Nein. Die 61,2 Millionen Euro, die Hertha erhalten hat, setzen sich aus drei Elementen zusammen: Für rund 18 Millionen Euro hat KKR knapp zehn Prozent der Anteile der Hertha-Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) erworben. Dann hat Hertha einen Unterschriftsbonus für künftig zu erzielende Gewinne erhalten (sieben Millionen). Die verbleibenden gut 36 Millionen hat der Bundesligist erhalten im Vorgriff für künftige Lizenzgebühren. "Hertha BSC hat kein Darlehen aufgenommen", sagte Ingo Schiller, der Finanzchef von Hertha BSC. "Alle Maßnahmen, die wir mit KKR beschlossen haben, dienen dazu, die Eigenkapital-Seite von Hertha zu stärken." Dieser Unterschied ist wichtig. Hätte Hertha ein Darlehen aufgenommen, wären diese als Verbindlichkeiten aufgetaucht. Aber ein wesentlicher Grund für Hertha, den Deal einzugehen, ist die Möglichkeit, Schulden los zu werden. "Wir haben nun eine deutlich positive Eigenkapitalausstattung und auf Jahre Planungssicherheit", sagte Schiller.

Muss Hertha die 36 Millionen zurückzahlen?

Vielleicht. Im Moment, da KKR 9,7 Prozent Anteile hat, ist der Investor beteiligt, wenn jene Lizenzgebühren an Hertha überwiesen werden, für die der Bundesligist jetzt Geld erhalten hat. Dieser Automatismus endet jedoch zu dem Zeitpunkt, an dem KKR von der Option Gebrauch macht, seinen Anteil auf 33,3 Prozent zu erhöhen (s. nächste Frage).

Was ist mit den 33 Prozent?

Wenn KKR beschließt, auf ein Drittel der Klub-Anteile aufzustocken, fließt kein neues Geld für Hertha. Dann entsprechen die 36 Millionen, die KKR Hertha aktuell überwiesen hat, jenen zusätzlichen Prozenten, die die KKR künftig erwirbt. Der Reiz für Hertha: Stockt KKR auf, muss Hertha nicht weiter Geld zurückzahlen. Der Reiz für KKR: Grundlage der Vereinbarung ist der aktuelle Unternehmenswert von Hertha (220 Millionen). Angenommen, KKR vollzieht die Erhöhung seiner Anteile in drei Jahren, und der Unternehmenswert von Hertha ist gestiegen, bekommt KKR die neuen Anteile zu einem relativ günstigen Wert.

Ist KKR der neue Herrscher?

Klar hat ein Geldgeber, der über 60 Millionen investiert, Einfluss. So wird ein Vertreter der KKR im fünfköpfigen Aufsichtsrat der Hertha-KGaA sitzen. Zudem will KKR die Finanzstrukturen auf neue Beine stellen. Da gäbe es bei Hertha einiges zu tun. Finanzchef Schiller versteht das nicht als Drohung. "Wir hoffen, dass wir von dem riesigen Knowhow von KKR und deren internationalen Kontakten profitieren können." Grundsätzlich sei die Konstruktion so, dass Hertha das operative Geschäft bestimmt.

Hat der Investor ein Vetorecht?

Das Aktien-Recht sieht kein Veto-Recht vor. Was es gibt, sind Gesetze zum Schutz von Minderheits-Aktionären. Da kann KKR, wenn es denn 33 Prozent halten sollte, Einfluss nehmen. Diese Möglichkeiten beziehen sich jedoch nur auf Änderungen am Gesellschaftervertrag der KGaA. Schiller: "Wie in der Vergangenheit werden Einkäufe oder Verkäufen, Verpflichtungen oder Entlassungen im Präsidium beschlossen."

Wird sich KKR äußern?

Bisher gibt es nur ein schriftliches Statement, Überschrift: "Hertha und KKR beginnen eine strategische Partnerschaft". Dort wird Europa-Chef Johannes P. Huth mit netten Worten über Hertha zitiert. Persönlich werde sich kein KKR-Vertreter äußern, das mache das Unternehmen grundsätzlich nicht, heißt es. Nun haben Private-Equity-Unternehmen einen schwierigen Ruf in Deutschland (Stichwort Heuschrecken). Wer Vorbehalte abbauen will, ist gut beraten, zumindest hin- und wieder Gesicht zu zeigen, etwa durch den KKR-Vertreter im Aufsichtsrat der Hertha-KGaA. Der wird aber erst noch benannt.

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