Fußball

Herthas verrückter Transferkrimi um Stürmer Lasogga

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Die Berliner wollen Stürmer Lasogga nach Hamburg ausleihen und im Gegenzug den offensiven Mittelfeldspieler Skjelbred vom HSV holen. Doch das muss schnell gehen. Das Transferfenster schließt am Montag.

Der Fußball ist ein eigentümliches Geschäft. Gerade kurz vor Ende der Transferperiode. Auch Michael Preetz weiß das. "Wir planen nichts, aber alles ist möglich", sagte der Hertha-Manager gestern am frühen Nachmittag. Am Abend wurde es konkret. Der Berliner Angreifer Pierre-Michel Lasogga (21) soll für ein Jahr nach Hamburg verliehen werden. Im Gegenzug soll Per Ciljan Skjelbred (26) vom HSV für eine Saison an die Spree kommen.

Der enttäuschend in die Saison gestartete HSV, zuletzt 0:1 bei Hertha unterlegen, sucht händeringend eine Verstärkung im Angriff. Dort spielt mit Artjoms Rudnevs zwar ein guter Stürmer. Doch die Analyse der sportlichen Leitung der Hamburger sieht in dem Letten vor allem einen zweiten Angreifer. Für das von vielen Bundesligisten bevorzugte Spiel mit einer Spitze fehlt ein Stoßstürmer. Einer wie Lasogga.

Kreuzer schwärmt von Lasogga

Manager Oliver Kreuzer und Trainer Thorsten Fink schwärmen für den Hertha-Spieler. "Lasogga ist auf dem Markt. Er ist interessant für uns und ein Mann, der dorthin geht, wo es weh tut. Er ist unerschrocken, spielt extrem körperbetont und ist kopfballstark", wird der Sportchef im HSV-Blog des Hamburger Abendblatts zitiert.

Die Hanseaten können damit von der unbefriedigenden Situation des Angreifers bei Hertha profitieren. Das sieht auch Kreuzer so, der angibt: "Er steht im Moment in Berlin etwas hintenan, weil Ramos gesetzt ist, dahinter steht Sandro Wagner." Seit seiner schweren Kreuzbandverletzung vor über einem Jahr ist der bullige Angreifer nicht recht auf die Beine gekommen. Als er im Januar wieder ins Training einstieg, bremste Trainer Jos Luhukay den Drang von Lasogga. Er sah keine Notwendigkeit, seine erfolgreiche Mannschaft in der Zweiten Liga wegen zurückkehrender Spieler zu verändern.

Ab und zu ein Teilzeiteinsatz. Mehr war trotz aller Mühe des Angreifers nicht drin. Die meiste Zeit musste er auf der Ersatzbank verbringen. Beobachter bei Hertha schätzen die Beziehung zwischen dem überaus ehrgeizigen Stürmer und dem akribisch arbeitenden Luhukay als schwierig ein.

Für Hertha ergibt ein Leihgeschäft mit dem bis 2015 gebundenen Angreifer Sinn. Nach der langen Verletzung und einer aus Lasoggas Sicht nicht glücklich verlaufenen zweiten Saisonhälfte, braucht er unbedingt Spielpraxis. Sollte der 21-Jährige noch länger auf der Bank sitzen, würde sein Transferwert in den Keller rauschen. Noch im Winter hatte der VfB Stuttgart vier Millionen Euro Ablösesumme für einen Kauf geboten.

Das Interesse des HSV stößt bei Hertha entsprechend auf offene Ohren. Doch die in finanziellen Zwängen steckenden Hanseaten können nur ein Leihgeschäft finanzieren. Als Hertha Interesse für den rechten Außenbahnspieler Per Ciljan Skjelbred äußert, schlägt der HSV einen Tausch auf Leihbasis vor. Der norwegische Nationalspieler ist ebenso wie Lasogga noch zwei Jahre an seinen Verein gebunden. Hertha winkt jedoch ab. Da Lasogga einen höheren Marktwert hat als der Norweger, soll der HSV eine Leihgebühr zahlen. Hamburgs Manager Oliver Kreuzer willigt ein. Es wird eine Summe in geschätzter Höhe von 500.000 Euro vereinbart. Eine Kaufoption für Lasogga räumen die Berliner dem HSV nicht ein.

Skjelbred könnte auf Rechtsaußen eine Position bei Hertha besetzen, auf der zwar keine akuten Probleme herrschen, es aber durchaus Handlungsbedarf gibt. Momentan spielt dort der gelernte Stürmer Sami Allagui. Marcel Ndjeng, der diese Position in der vergangenen Saison häufig einnahm, ist zur Zeit verletzt. Geht Lassoga und kommt Skjelbred, könnte Allagui auch wieder in die Hierarchie der Angreifer einbrechen. Die grundsätzliche Einigung mit dem HSV sieht lediglich die Gehaltsübernahme für den Norweger durch Hertha vor.

Mama Lasogga kehrt um

Eigentlich sind sich alle einig. Doch der Teufel steckt im Detail. So waren gestern Abend Lasoggas Mutter Kerstin, die ihren Sohn bei Verhandlungen vertritt, und HSV-Sportchef Oliver Kreuzer in Hamburg verabredet. Auf der Autobahn Richtung Hansestadt erreichte Mama Lasogga ein Anruf. Der HSV-Sportchef wollte per Telefon noch einmal an bereits geklärten Vertragsdetails schrauben. Der übliche Poker. Eigentlich. Doch der ehemalige Drittliga-Manager übersah wohl, dass er mit Kerstin Lasogga nicht den üblichen Berater in der Leitung hatte, sondern eine Mutter, die für ihren Sohn das Beste möchte. Die war überhaupt nicht amüsiert. Auf einmal war die Leitung tot. Und Mama Lasogga nicht mehr zu erreichen. Das Date in Hamburg, so sah es jedenfalls aus, fiel ins Wasser. Es steht zu vermuten, dass sie ihr Telefon ausgestellt hat und wieder zurück ins heimische Gladbeck gefahren ist.

Trotz dieser Irritation kann der Deal noch stattfinden. Das Transferfenster schließt am 2. September.

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