Jens Keller verharrte für Sekunden an der Seitenlinie, seine Fäuste in die Höhe gestreckt. Nur langsam wich die Anspannung aus seinem Gesicht und machte der Erleichterung Platz. Dem Trainer des 1. FC Union ging es ähnlich wie seinen Spielern, denen die Anstrengung der gerade beendeten 120 Pokalminuten beim MSV Duisburg deutlich anzusehen waren.

Es war kein gutes Erstrundenspiel, das der Berliner Fußball-Zweitligist abgeliefert hatte. Dafür stimmte das Ergebnis: Union gewinnt mit 2:1 (1:1, 0:0) beim Zweitliga-Absteiger, der totale Fehlstart nach nur einem Punkt in den ersten beiden Liga-Spielen konnte damit abgewendet werden.

„Das war ein intensives Spiel, in dem kein Klassenunterschied zu sehen war. Natürlich ist es etwas glücklich, wenn man in der Verlängerung gewinnt, aber das nehmen wir gerne mit. Das Weiterkommen war das Einzige, was heute für uns gezählt hat“, sagte Keller.

Puncec spielte für Schönheim

Schnell wurde vor 14.209 Zuschauern klar, dass es für Union nur ein Ziel geben konnte: das Weiterkommen. Siebenmal waren die Köpenicker schließlich in den vergangenen neun Pokalwettbewerben gleich im ersten Spiel gescheitert, das sollte sich auf keinen Fall wiederholen.

Und auf dem Platz entwickelte sich jenes schwere Spiel, das Coach Keller („Duisburg hat eine Zweitliga-Mannschaft“) vorhergesagt hatte. Schon nach nicht einmal zwei Minuten musste Union-Torwart Jakob Busk gegen Kingsley Onuegbu eingreifen, ebenso nach 28 Minuten. Zwischendurch entschärfte der Däne noch einen Freistoß von Fabian Schnellhardt (12.). Nein, Union agierte nicht wie der klassenhöhere Klub.

Dabei hatte Keller bis auf eine Position nicht umstellen müssen. Lediglich in der Innenverteidigung ersetzte Roberto Puncec den mit Rückenproblemen nicht einsatzbereiten Fabian Schönheim. Doch die Duisburger agierten leidenschaftlicher, auch nach der Pause.

Überraschende Führung der Gäste

Umso überraschender fiel die Führung für Union. Nach einer Flanke von Christopher Trimmel legte Damir Kreilach den Ball mustergültig per Kopf in die Mitte, wo Collin Quaner keine Mühe hatte, aus fünf Metern zu vollenden (62.).

Doch hatte Union nicht auch in der vergangenen Pokalsaison durch einen Quaner-Treffer bei Viktoria Köln geführt, um dann doch noch zu scheitern? Der Ausgleich durch Duisburgs Stanislav Iljuchenko, der erst Puncec narrte, bevor er einschoss, ließ wieder einmal Schlimmes befürchten (67.).

Doch mit den Einwechslungen von Sören Brandy, der kurz vor Ende der regulären Spielzeit noch mit einem Kopfball scheiterte, für Quaner (73.) sowie Eroll Zejnullahu und Christopher Quiring für Kapitän Felix Kroos und Kenny Prince Redondo gab es etwas frischen Wind. Die Belohnung war das Siegtor durch Schnellhardts Eigentor nach Schuss von Steven Skrzybski (95.).

BM