Der Kreis schließt sich nach beinahe zwei Jahrzehnten. 17 Jahre war Richard Golz jung, als er seine Heimatstadt verließ, um sich dem Hamburger SV anzuschließen. Nun, einen Tag vor seinem 45 Geburtstag, kehrt Golz nach Berlin zurück.
Wie die Morgenpost aus Hamburger Vorstandskreisen erfuhr, wird Golz der neue Torwarttrainer von Hertha BSC. Er wird einen Drei-Jahres-Vertrag unterschreiben und damit die Nachfolge von Christian Fiedler antreten, der trotz eines langfristigen Vertrages vor zwei Wochen von seinen Aufgaben entbunden worden war.
Golz bestätigte der Morgenpost: „Ich freue mich wahnsinnig. Das ist ein Schritt voran. Jetzt bin ich in der Bundesliga, da, wo die Musik spielt.“
Seine ersten Schritte hatte er bei Wacker 04 und beim SC Tegel unternommen. Bundesweit bekannt geworden war Golz als langjähriger Torwart beim Hamburger SV (1985-98) sowie des SC Freiburg (1998-2006). In den vergangenen vier Jahren war Golz Co- und Torwarttrainer der Regionalliga-Mannschaft des HSV.
Außerdem war er zuständig für die Koordination der Torwartarbeit in den jüngeren Jahrgängen. Daher sind Golz bereits einige seiner künftigen Schützlinge bekannt: „Sascha Burchert habe ich des Öfteren gesehen. Wir haben regelmäßig gegen die U23 von Hertha gespielt. Philip Sprint habe ich in einigen Spielen der A-Jugend erlebt.“
Luhukay will ein Team seines Vertrauens
Die Personalie Golz ist in einer Diskussion zwischen Manager Michael Preetz und Trainer Jos Luhukay entstanden. Für die Mission Bundesliga-Klassenerhalt möchte der Trainer auch bei seinen engsten Mitarbeitern ein Team seines Vertrauens um sich scharen. Bisher sind das vor allem seine Cotrainer Markus Gellhaus und Rob Reekers. Für die anderen aus dem Funktionsteam ist es nicht so einfach, in den „inner circle“ aufgenommen zu werden.
Ob es an der Chemie gefehlt hat zwischen Luhukay und Fiedler, hängt davon ab, welchen der beiden Beteiligten man fragt. In jedem Fall wünscht sich der Cheftrainer künftig mehr Zug im Torwarttraining.
Zudem war im Anforderungsprofil vermerkt, dass der Neue eine Persönlichkeit mitbringen möge, um vor allem dem extrovertierten Stammtorwart Thomas Kraft mit mehr Distanz und mehr Bestimmtheit gegenüber zu treten. Kraft ist für seine lautstarken Brüll-Attacken gegen Teamkameraden bekannt. Luhukay möchte, dass es in diesem Bereich künftig konstruktiver zugeht.
Am Nr. 1-Status von Kraft soll sich nichts ändern
Entsprechend war es der Cheftrainer, der den Kontakt zu Golz aufnahm. Luhukay eröffnete ihm den nächsten Schritt in dessen Torwarttrainer-Karriere. Der gebürtige Berliner griff zu: „Das ist eine tolle Möglichkeit, dazu noch in meiner Heimatstadt.“ Angesprochen auf die Flut an jungen, sehr guten Torwarten in Deutschland (genannt seien hier Manuel Neuer, René Adler, Ron-Robert Zieler oder Bernd Leno) muss Golz schmunzeln. „Ich war 30 Jahre, als ich meinen ersten richtigen Torwarttrainer hatte. Früher gab es diesen Job so gar nicht.“
Die jungen Torsteher profitieren davon, dass seit rund zehn Jahren in den Nachwuchszentren neben normalen Trainern auch Experten für die Torwarte im Einsatz sind. „Es ist leichter, einem 15-Jährigen etwas beizubringen, als einem 30-Jährigen“, sagte Golz. Wegen der wesentlich verbesserten Ausbildung seien die jungen Torleute heute viel früher in der Lage, sich sportlich und auch mental im Haifischbecken Profifußball zu behaupten.
In Berlin wird gerade diskutiert, ob die Torwart-Crew des vergangenen Jahres mit Thomas Kraft (24), Burchert (23), Sprint (19) und Junioren-Nationaltorwart Marius Gersbeck (17) voll Bundesliga-tauglich ist. Golz sagt dazu: „Hertha hat ein relativ junges Torwart-Team mit einem Etablierte und einigen Nachwuchskräften dahinter.“ Am Nr. 1-Status von Kraft wird sich auch unter dem neuen Torwarttrainer nichts ändern. Entgegen anderslautenden Meldungen ist nicht geplant, Burchert auszuleihen. Hertha wird mit dem Eigengewächs als Nr. 2 in die kommende Erstliga-Saison gehen.
Problemzone Nachwuchs
Bei Sprint hingegen ist abzusehen, dass sich die Wege trennen. Dem Vernehmen nach war Trainer Luhukay nicht beeindruckt von der Saisonleistung des Keepers, der zumeist in der Regionalliga eingesetzt worden ist.
Mit Blick auf die bekannt schwierige Finanzlage bei Hertha fällt zudem auf, dass viele Konkurrenten sehr gute Torwarte selbst ausgebildet haben. Die letzte Stammkraft beim Hauptstadt-Klub jedoch, die aus dem Verein heraus entwickelt wurde, war Christian Fiedler 1993. Wie zu hören ist, ist der Torwarttrainer-Bereich beim Bundesliga-Aufsteiger chronisch unterbesetzt. Es gibt also einige Arbeit, die auf Golz wartet. Andere Vereine gehen andere Wege. Wer Geld hat, kann sich Erfahrung kaufen. Bayer Leverkusen etwa hat gestern als Nr. 2 Andres Palop verpflichtet. Der ist Spanier, kommt vom FC Sevilla – und ist 39 Jahre alt.





