Bruno Gervais, Darin Olver, Nicholas Petersen, Julian Talbot, Sven Ziegler, Petri Vehanen, Marcel Noebels, Jonas Müller. So liest sich die Liste derjenigen Spieler, die beim EHC Eisbären gerade verhindert sind. Acht Profis, fast zwei komplette Blöcke. Das war der Stand vor der Partie am Sonntag bei den Nürnberg Ice Tigers. Als das Spiel beendet war, machten auch Micki DuPont und Kai Wissmann schon längst nicht mehr mit. Zwei komplette Blöcke fehlten, mehr als eine halbe Mannschaft.
Angesicht dieser Ausfallliste scheinen die Ergebnisse fast schon zweitrangig zu werden. Am Sonntag setzte es ein 1:6 beim Tabellenzweiten der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Viel zu hadern mit den verbliebenen Spielern wirkt irgendwie nicht ganz fair. Doch ein Freibrief darf die Lage auch nicht sein.
„Von erfahrenen Verteidigern muss ich erwarten können, dass sie cleverer spielen. Da ist mir egal, wie die Situation ist, solche Fehler darf man nicht machen“, sagt Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter der Berliner. Frank Hördler und Constantin Braun hatten mit zwei schlechten Pässen am eigenen Tor zwei Gegentreffer ermöglicht. Die Führung war dahin, die Partie nach der Spieldauerstrafe von Abwehrspieler Wissmann und dem dritten Gegentor gelaufen.
Gleich neun Ausfälle drohen
Wenigstens kann Wissmann am Dienstag gegen die Schwenninger Wild Wings wieder mitspielen (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Vielleicht auch DuPont, aber am Montag war sein rechter Arm noch dick in Eis verpackt. Sein Einsatz ist fraglich. Womöglich also neun Verletzungsausfälle. Eventuell aber auch ein Neuling.
Denn mit Charles Linglet haben die Eisbären einen neuen linken Außenstürmer verpflichtet. Der in Kanada geborene Linglet wechselt vom finnischen Klub Tappara Tampere, wo er seit Dezember 2016 unter Vertrag stand, nach Berlin. Vorher spielte der 34-Jährige bereits für Dinamo Minsk und Nischni Nowgorod. Für die Edmonton Oilers absolvierte er 2009/10 fünf Spiele in der nordamerikanischen Profiliga NHL.
Auch elfte Lizenz soll vergeben werden
Damit wären dann zehn Lizenzen vergeben, einen weiteren Platz hätten die Eisbären noch offen. Bis zum 15. Februar läuft die Transferfrist. „Wir haben mit vielen gesprochen, aber alle wollen möglichst lange warten“, sagt Lee. Zeit jedoch haben die Eisbären nicht. Mit jedem Spiel in Notbesetzung steigt die Gefahr, den zehnten Platz und damit das Pre-Play-off doch noch zu verpassen. „Wir müssen etwas tun, und in unserer Situation wohl auch die letzte Lizenz noch ausgeben“, so Lee.
Heißt, dass dem unmittelbar avisierten Spieler ein weiterer folgen soll. Einer mit NHL-Erfahrung, der aktuell nicht in Europa tätig ist. Das Risiko, dass später bei der Rückkehr einiger Verletzter ein oder zwei Ausländer auf die Tribüne müssten, weil nur neun eingesetzt werden dürfen, will der Geschäftsführer offenbar eingehen.
Vehanen braucht Ruhe
In Anbetracht der ständigen Rückschläge und des sich nicht verringernden Lazaretts sicher ein notwendiger Weg. „Im Augenblick ist es wirklich nur ein absoluter Überlebenskampf“, erzählt Ustorf, „wir müssen versuchen, Spieler zurückzubekommen und die nächsten paar Spiele zu überstehen.“
Besonders schwer wiegt die Knöchelverletzung von Torhüter Vehanen. „Das ist eine Sache, die braucht Ruhe“, so Ustorf. Wenn dem Finnen diese jetzt gegönnt wird, so die Überlegung, könnte er für die heiße Phase der Saison wieder in Topform spielen. Falls die Eisbären mit ihrer Personallage die heiße Phase, also das Pre-Play-off, überhaupt erreichen.


