Britta Lorenz, 48, ist seit vielen Jahren als Managerin für die Füchse-Handballerinnen verantwortlich. Am Wochenende konnte der Erstliga-Aufsteiger mit einem Sieg gegen den SVG Celle (26:22) vorzeitig den Klassenerhalt sichern. Aber trotz Bundesliga-Handball und der Qualifikation für das Final Four um den deutschen Vereinspokal muss Lorenz noch immer um jeden Sponsor kämpfen.

Berliner Morgenpost: Im Februar gab es Gerüchte, die Spreefüxxe würden in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Die weitere Teilnahme an der Bundesliga stehe auf der Kippe. Wie schlimm steht es wirklich um die Füchse-Frauen, Frau Lorenz?

Britta Lorenz: Meine Aussage wurde da ein bisschen aus dem Kontext gerissen. Ich habe lediglich gesagt, dass wir eine breitere Basis an Sponsoren benötigen. Daraus wurde dann, dass wir uns vielleicht aus der Bundesliga zurückziehen müssen. Der Etat für die laufende und für die kommende Saison ist definitiv gesichert. Allerdings sehe ich uns derzeit finanziell nicht in der Lage, für den Europapokal der Pokalsieger zu melden.

Für den die Spreefüxxe nach derzeitigem Stand qualifiziert wären, weil die anderen Teilnehmer des Final Fours am 15./16. Mai – Thüringer HC, Buxtehuder SV und VfL Oldenburg – entweder in der Champions League oder im EHF-Pokal antreten.

Genau. Nach aktueller Lage der Dinge können wir uns eine Teilnahme aber nicht leisten, was wirklich schade wäre für die Mannschaft. Sie hätte es sich verdient. Außerdem fungiert ein Team auch immer als Aushängeschild einer Stadt, wenn man im europäischen Wettbewerb spielt. Es wäre doch sehr schade, wenn gerade Berlin auf der internationalen Landkarte des Frauenhandballs fehlen würde, während Buxtehude, Erfurt und Metzingen vertreten sind. Uns fehlen rund 150.000 Euro, um im Europapokal zu starten. Wir können auch nicht einfach mal auf gut Glück melden und später wieder zurückziehen – das würde dann richtig teuer, das gäbe eine happige Strafe. Bis zum Pokal-Final-Four muss klar sein, ob wir uns das leisten können. Sonst melden wir nicht.

Haben sich seit Februar neue potentielle Sponsoren bei Ihnen gemeldet?

Nein, nicht einer. Nennen Sie mich naiv, aber ich wundere mich darüber, dass sich so wenige bei uns engagieren. Die Spreefüxxe bieten doch eine tolle Story. Sie haben es innerhalb von drei Jahren aus der dritten in die erste Liga geschafft und stehen jetzt als Aufsteiger im Pokalhalbfinale. Es wäre schön, wenn regionale Firmen mehr Verantwortung für den Frauensport nehmen würden. Immerhin ist meistens 50 Prozent ihrer Zielgruppe weiblich und trifft ganz oft auch die Kaufentscheidung.

Der Etat der Spreefüxxe ist der kleinste der Bundesliga und beträgt noch nicht einmal ein Zehntel dessen, was den Füchse-Männern zur Verfügung steht. Finden Sie das ungerecht?

Definitiv. In den Männersport fließt so viel Geld, aber für die Frauen soll kein Cent mehr übrig sein? Das könnte man schon fast als Diskriminierung bezeichnen. Dabei lässt sich im Frauensport schon mit kleinen Beträgen sehr viel erreichen. In Skandinavien und Osteuropa hat man diese Nische erkannt. Die dortigen Klubs gehören zu den Besten des Kontinents. Bei den Männern geht ein Sponsoring von 5000 Euro unter. Bei den Frauen bekommt man dafür sogar einen Platz auf den Ärmeln der Trikots.

Sie sehen das als generelles Problem?

Ja. Die Volleyballerinnen des Köpenicker SC müssen zum Beispiel auch jeden Cent zweimal umdrehen. Der Frauensport fällt in Berlin zunehmend hinten runter. Wir lieben diese Stadt, aber manchmal wünsche ich mir doch, wir wären ein Dorfverein in einem Ort, wo der Frauenhandball mehr geschätzt wird und alle dahinter stehen.

Auch die Zuschauerzahlen der Spreefüxxe können nicht mit denen ihrer männlichen Kollegen mithalten. Die großen Profiklubs der Stadt haben sich zur Sportmetropole Berlin zusammengeschlossen, um sich besser zu vermarkten. Wäre das nicht auch eine Option für die Füchse-Frauen?

Keine Chance! Die Anforderungen, zum Beispiel beim Umsatz, sind so hoch, dass Frauenteams eigentlich keine Chance haben, der Initiative beizutreten.

Zum Sportlichen: Nach dem Sieg gegen Celle am vergangenen Wochenende haben die Berliner Handballerinnen den Klassenerhalt sicher. Wie fällt Ihr vorläufiges Fazit der ersten Bundesligasaison aus?

Ich bin sehr zufrieden. Wir sind noch einmal einen Schritt weiter als in der Hinrunde, wo wir gegen die Topteams zwar gut mitgehalten, uns gegen die Kleinen oft schwer getan haben. Das Hauptziel Klassenerhalt haben wir jetzt erreicht. In den verbleibenden Partien jetzt geht es noch um die individuelle Weiterentwicklung der Spielerinnen und des Teams.

Wirken sich die begrenzten finanziellen Mittel auch auf die Personalplanung aus? Droht der Abgang von Leistungsträgern, etwa von Top-Torjägerin Daniela Gustin?

Sie wurde von mehreren Bundesligisten umworben, speziell nach ihren 17 Toren gegen Bietigheim. Trotzdem hat sie sich entschieden zu bleiben. Das spricht für die gute Stimmung innerhalb der Mannschaft. Auch die anderen Spielerinnen werden ihre Verträge verlängern. Sie verzichten bei uns zum Teil auf viel Geld. Das kann ich ihnen gar nicht hoch genug anrechnen.

Wo muss das Team verstärkt werden?

Es ist kein Geheimnis, dass ich mit der Situation auf Linksaußen in dieser Saison nicht glücklich war, zumal wir dort über einen längeren Zeitraum zwei Verletzte hatten.

Bleibt der Trainer?

Ja, Lars Melzer wird das Team auch in der kommenden Saison betreuen. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Er hat wirklich jede Spielerin noch ein bisschen besser gemacht.