An diesem Wochenende startet die Fußball-Bundesliga. Zum Auftaktspiel von Hertha BSC gegen Werder Bremen werden 58.000 Zuschauer im Olympiastadion erwartet. Zuvor wurde in der Sommerpause viel diskutiert: Was kosten Polizei-Einsätze bei Fußballspielen? Wer bezahlt dafür? Vor allem die Initiative des Bundeslandes Bremen, das Veranstalter zur Kasse bitten will, und der Modellversuch zur Reduzierung von Beamten in Nordrhein-Westfalen sorgen für Aufsehen.

An Berlin und seinen Profiklubs Hertha und dem 1. FC Union scheint die Debatte aber vorbeizugehen. Vielleicht, weil die Zahlen der vergangenen Saison, die der Morgenpost vorliegen, überhaupt nicht aufregen. In Berlin geht die Zahl an Vorfällen beim Profifußball zurück. Und das trotz steigender Zuschauerzahlen.

Ganz konnte Innensenator Frank Henkel (CDU) den Vorstoß seines NRW-Kollegen Ralf Jäger (SPD) nicht ignorieren, während der ersten vier Bundesliga-Runden bei Partien ohne Krawall-Historie auf den Einsatz der Bereitschaftspolizei größtenteils zu verzichten. Dabei wurde er grundsätzlich: „In Berlin gibt es keine entsprechenden Pläne. Die Polizei prüft stets einen angemessenen Kräfte-Einsatz bei Fußballspielen. Dazu braucht es kein Modellprojekt.“ Schon heute seien Hertha und Union in ihren Stadien für die Sicherheit größtenteils selbst verantwortlich, der öffentliche Raum sei Angelegenheit der Polizei.

Bei Hertha-Spielen sinkt die Zahl der Polizisten

Damit hat Henkel in der Debatte, die sich von der Sicherheit in den Stadien hin zur Sicherheit bei der An- und Abreise verlagert hat, klar positioniert. Weder Zweitligist Union noch Bundesligist Hertha müssen befürchten, für die Kosten der Polizei aufkommen zu müssen. Die Zahl der eingesetzten Beamten in Berlin ist in der vergangenen Spielzeit 2013/14 im Vergleich zur Vorsaison 2012/13 bei Union leicht gestiegen. Im Schnitt waren pro Partie 301 Polizisten im Einsatz (Vorsaison 293). Bei Hertha sank die Zahl je Spiel von 325 auf 302 Beamte.

Dass in Köpenick fast genauso viel Polizisten im Einsatz waren wie beim Stadtrivalen, obwohl Union weniger als die Hälfte der Fans empfängt, erklärt sich durch die Lage des Stadions. Die Wege der Fans zur Arena in Köpenick führen durch ein Wohngebiet, die Trennung von den gegnerischen Anhängern bei der Anreise ist nur mit hohem Personal-Aufwand zu gewährleisten.

Vorige Saison ohne Ausschreitungen

Schon jetzt haben die Klubs direkte Kosten. Für die Sicherheit im Stadion sorgt ein eigener Ordnungsdienst. Bei Union sind bei normalen Ligaspielen 300, bei Risikospielen 400 Ordner im Einsatz. Die Kosten betrugen dafür in der Voraison 486.000 Euro. Das sind etwas weniger als fünf Prozent des Vereinsetats. Hertha beschäftigt im Olympiastadion pro Bundesliga-Partie 700 bis 750 eigene Ordner. Über die Kosten möchte der Bundesligist nichts sagen, sie dürften bei ungefähr einer Million Euro pro Spielzeit liegen.

Die Zahl der Zuschauer steigt, es sinkt jedoch die Zahl der Vorfälle. Erstmals seit vielen Spielzeiten hat die Polizei in Berlin in der vergangenen Saison nicht einen Fall von Ausschreitungen beim Fußball registriert. 2012/13 waren es zwei und 2011/12 fünf. Die angezeigten Straftaten sanken bei Hertha von 214 (2012/13) auf 171. Bei Union ging diese Zahl zurück von 121 auf 119. Die Polizei zählt dabei vor allem veranstaltungstypische Vorfälle wie Körperverletzungen, Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruch und Missbrauch von Pyrotechnik.

Die Zahl der Verletzten bei Hertha betrug im vergangenen Spieljahr sieben (drei Polizisten, zwei Störer, zwei Unbeteiligte), bei den Köpenickern sechs (4/0/2). Die Zahl der verletzten Störer kann höher sein, da diese sich häufig nicht bei der Polizei melden und dadurch aus der Statistik herausfallen. Der Wert dieser von der Berliner Polizei herausgegebenen Zahlen wird im Verhältnis zur Besucherzahl der 34 Erst- und Zweitligapartien sichtbar. Zusammen zählten Hertha und Union 1.220.226 Zuschauer.

Polizei bewertet die Zusammenarbeit mit Hertha und Union als positiv

„Eine sinkende Zahl an Straftaten bestätigt unser Vorgehen und Maßnahmen“, sagte Thomas E. Herrich, Mitglied der Geschäftsführung von Hertha. „Seit Jahren beschreiten wir kontinuierlich den Weg des Dialoges und der Kommunikation mit unseren Fans und den Sicherheitskräften.“ Auch die Berliner Polizei sieht die Zusammenarbeit mit den beiden Profiklubs bei der Vorbereitung der Spiele „durchweg positiv“, wie Pressesprecher Thomas Neuendorf bestätigt.

Fakt ist bei allen positiven Zahlen aber auch, dass die Anzahl der von der Polizei als Kategorie B geführten gewaltbereiten Fans von 1190 (380 Hertha/440 Union/370 BFC Dynamo/0 Tennis Borussia) auf 1250 (449/423/354/24) gestiegen ist. Die Zahl der als Kategorie C und damit als gewaltsuchend bekannten Anhänger wird für die vergangene Saison mit 232 (70/43/117/2) angegeben. In der Saison 2012/13 waren es noch 195 (65/45/85/0). Warum hier ein Anstieg zu verzeichnen ist, lässt sich nicht eindeutig erklären.

Risikospiele in der Regionalliga

Insgesamt hat Berlin bei 34 Profispielen pro Saison nicht die Belastung, die ein Bundesland wie Nordrhein-Westfalen (231 Partien) stemmen muss. Positiv auf die Sicherheit wirkt sich vor allem die sonst so beklagte isolierte Stellung Berlins auf der Landkarte der Deutschen Fußball-Liga aus. Eine Anreise verfeindeter Fanlager mit der S-Bahn wie beim Ruhrderby Schalke gegen Dortmund ist nicht denkbar. Hertha ist der einzige Klub im Osten Deutschlands in der Bundesliga. Bei Union fehlen durch Abstiege ab dieser Saison regionale Rivalen wie Dynamo Dresden oder Energie Cottbus. Lediglich die Regionalliga könnte nach dem Aufstieg vom BFC Dynamo mit Risikopartien gegen Babelsberg, Magdeburg oder die U23 von Union in dieser Spielzeit im Fokus stehen.

Fazit: Weder die Fallzahlen noch die Statements der Verantwortlichen in Berlin eignen sich für eine krawallige Diskussion über Sicherheit beim Fußball.