Seine Geduld ist bemerkenswert. Wie selbstverständlich nimmt Sebastian Polter für ein Erinnerungsfoto einen Fan in den Arm und strahlt in Spanien mit der Sonne um die Wette. Gleich darauf hat er den nächsten Anhänger des 1. FC Union neben sich. Und der übernächste wartet schon. „Ich bin von Hause aus ein ruhiger Mensch. Mich freut es, so empfangen zu werden“, sagt Polter.
Schon am Mittwoch, dem Tag seiner Ankunft im Trainingslager des Fußball-Zweitligisten, wurde der Stürmer umlagert, ob im Flugzeug, am Flughafen oder im Teamhotel. Was Polter von diesem Personenkult hält? „Kommt drauf an, wie man das aufnimmt. Ich unterhalte mich mit jedem gern, sehe das gelassen.“ Und doch hat sich etwas verändert bei dem Profi, der 2015 von Union wegging, um seinen Traum vom Fußball in England zu leben, und nun nach 18 Monaten beim Zweitligisten Queens Park Rangers an die Alte Försterei zurückkehrt. „Ich bin in meiner Persönlichkeit noch mehr gereift“, sagt Polter, spricht sogar von „weiser geworden“. Klingt ungewöhnlich für einen 25-Jährigen.
Jetzt ist er den Kindern wieder näher
Keine Frage, England hat ihn verändert. „Die Aufs und Abs waren bei Queens Park zu extrem“, erzählt Polter, „ich möchte kontinuierlich auf einer Basis arbeiten.“ Was nicht heißen soll, dass sein Traum, die Premier League, abgehakt ist, „ich habe ihn nur zur Seite gelegt“. Viel mehr will er diesen Traum „bei Union weiterleben“.
Zu den Köpenickern zurückzukehren, sei „zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Schritt für mich“, erklärt er. Auch weil er dann seinen Kindern wieder näher ist, die in Wolfsburg bei seiner Frau leben, von der er sich im Januar vergangenen Jahres getrennt hat.
„Manchmal gibt es im Leben einen Ort, an dem man zum richtigen Zeitpunkt sein muss. Das Umfeld muss stimmen, da weiß ich, was ich bei Union habe“, sagt Polter. Beim Strandlauf am Donnerstagvormittag ist Polter gleich wieder mittendrin im Team, als wäre er nie weg gewesen. Beim Torschusstraining am Nachmittag ist er hochkonzentriert.
Trainer Keller sieht Polter als gesetzt im Angriff
„Ich weiß, dass es bei Union ein Mannschaftsgefüge gibt und ich mich zunächst hinten anstellen muss“, sagt Polter. Auch wenn natürlich klar ist, dass der 1,6-Millionen-Euro-Mann (Vertrag bis 2020) bei Trainer Jens Keller schon einen kleinen Bonus haben wird.
„Es ist nicht so, dass ein Spieler ohne Training bei mir spielen kann. Er weiß schon, dass er auch Gas geben muss“, macht der Coach zwar deutlich, aber: „Wir gehen mal davon aus, dass er vorn gesetzt ist. Er ist ein Top-Spieler in der Zweiten Liga und passt genau in unser System.“
Schon als er 2014 von Mainz 05 ausgeliehen wurde, „hatte der Klub die richtigen Wege eingeleitet, um sein Ziel zu erreichen“, so Polter. Er nennt das Ziel ganz im Union-Duktus „Top 20“, nicht Bundesliga. Dafür will er sich „zerreißen, auf dem Platz und auch außerhalb. Weil ich es zu schätzen weiß, dass sich Union wirtschaftlich so sehr für mich gestreckt hat“, sagt Polter. Der Glaube an einen Aufstieg sei bei Union in den vergangenen Monaten noch größer geworden. Durch seine Rückkehr sicher noch einmal ein wenig mehr.


