Das bunte Meisterkonfetti auf dem von Bier und Sekt verklebten Parkett wurde schon langsam weggewischt, da setzte sich Basketball-Star Bradley Wanamaker noch einmal in die Bamberger Fankurve. Ein klein wenig Hoffnung konnte er den Fans dann doch machen. „Ich sage nicht, dass ich gehe“, erklärte der umworbene Kapitän der Brose Baskets Bamberg Minuten nach dem Gewinn der achten Meisterschaft. Ein richtiges Treuebekenntnis sieht aber anders aus.
Wanamaker (26) ist der Kopf der alten und neuen deutschen Nummer eins. Der US-Spielmacher fühlt sich wohl in Bamberg. „Es gibt kaum einen Grund, etwas zu verändern“, so Wanamaker. Dennoch grübelt der wertvollste Spieler (MVP) der Basketball-Bundesliga über seine Zukunft.
Natürlich sind andere Klubs am Point Guard interessiert, der am Sonntag durch den entscheidenden 92:65-Sieg gegen Ratiopharm Ulm zum zweiten Mal in seinen zwei Jahren in Bamberg den Meistertitel holte. „Als Spieler willst du immer das nächste Level erreichen“, sagte Wanamaker. Aber das wollen die Bamberger ja auch.
Deshalb ist es nicht auszuschließen, dass die erfolgreiche Zusammenarbeit weitergeht. Die Champions sind auch noch nicht satt. Nach einer Bundesliga-Saison mit nur drei Niederlagen, keine davon im Play-off, soll der nächste Schritt folgen: In der Königsklasse Euroleague muss das Ziel diesmal Viertelfinale heißen. Zuletzt wurde es nur knapp verpasst.
„Wir haben ein Niveau erreicht, das sehr schwer zu toppen sein wird“, sagte Michael Stoschek, Aufsichtsratsvorsitzender des Klubs und Gesellschafter des Hauptsponsors, schon vor der Entscheidung: „Ich bin als Perfektionist nie zufrieden. An der Saison gibt es aber nichts zu kritisieren.“ Der Serienmeister, der künftig nur noch Brose Bamberg heißen wird, sei „die wertvollste Marke im deutschen Basketball“. Im internationalen Vergleich kann der Bundesligist aber weiter finanziell nicht mit den Spitzenklubs aus Russland, Spanien, Griechenland oder der Türkei mithalten.
Trotz dieses Nachteils sieht Erfolgscoach Andrea Trinchieri, der trotz Angeboten aus dem Ausland in Bamberg bleiben will, viel Potenzial in seinem Team. „Ohne arrogant zu klingen: Ich glaube, wir spielen mit den besten Basketball in Europa“, tönte der Italiener. Dem widersprach Ulms Thorsten Leibenath nicht. „Die Ballbewegung ist traumhaft, das macht wirklich Spaß zuzuschauen – wenn man der unterlegene Trainer ist, dann leider nicht ganz so viel“, sagte er.
Trainer Trinchieri kann seinen Sohn nicht überzeugen
Der Italiener hob Bamberg in zwei Jahren auf ein ganz neues Level, dank des achten Meistertitels zogen die Brose Baskets mit dem ehemaligen Branchenführer Alba Berlin gleich. Vom Auftreten seiner Mannschaft in der gerade zu Ende gegangenen Saison war Trinchieri restlos begeistert. „Wir waren zehn Monate zusammen. Sie haben versucht, jedes Spiel zu gewinnen“, sagte der Italiener: „Jeden Tag hat ein anderer das Team gepusht. Ich möchte mich bei meinen Spielern bedanken.“
Nur eines gelang Trinchieri nicht, wie er in der Nacht via Twitter berichtete. „Nach dem Spiel gehe ich zu meinem Sohn, acht Jahre alt, und sage: Los, komm doch mit mir auf das Podium“, schrieb der Coach. „Und er: Papa, aber ich will doch nicht berühmt werden!!!“
dpa/sid

