Die Erleichterung war Thomas Tuchel anzumerken. Der neue Trainer von Borussia Dortmund hat am Donnerstagabend einen erfolgreichen Einstand gefeiert – in seinem ersten Pflichtspiel an neuer Wirkungsstätte gelang seinem Team in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League ein 1:0 (1:0) beim Wolfsberger AC. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und vor allem mit der Energie, mit der wir aufgetreten sind“, sagte der 41 Jahre alte Fußballlehrer.
Vor 30.250 Zuschauern im ausverkauften Wörthersee Stadion von Klagenfurt kam der Fußball-Bundesligist dank des Treffers von Jonas Hofmann (14. Minute) zu einem insgesamt verdienten Sieg, musste in einer hektischen Schlussphase aber bange Minuten überstehen. „Wir haben das Ergebnis mit viel Leidenschaft, aber auch mit dem nötigen Glück verteidigt“, gab Tuchel zu.
Hofmann wird zum Matchwinner
Am Resultat gab es wenig zu mäkeln. Ein Tor in der Fremde geschossen, und – noch wichtiger – keins kassiert. Damit geht der Favorit mit den besten Aussichten auf die Playoffs in das Rückspiel in einer Woche vor heimischer Kulisse. „Da“, sagte Tuchel, „werden wir voll auf Sieg spielen.“
Der Einbruch in der Schlussphase gab jedoch allen Beteiligten zu denken. „Es ist noch einmal verdammt knapp geworden. Wir können von Glück sprechen, dass wir nicht noch den Ausgleich kassiert haben“, klagte Nationalspieler Ilkay Gündogan.
Nach insgesamt sieben Testspielen mit starker personeller Fluktuation fiel dem Nachfolger von Jürgen Klopp die Auswahl seiner Stammelf schwer. Im Tor setzte er auf Roman Bürki. Der Zugang aus Freiburg erhielt den Vorzug vor Roman Weidenfeller, der laut Tuchel allerdings im zweiten Duell mit Wolfsberg zum Einsatz kommen soll. Im Mittelfeld schenkte der Fußball-Lehrer Zugang Julian Weigl und Rückkehrer Jonas Hofmann das Vertrauen. Leidtragende waren Gonzalo Castro und Shinji Kagawa.
Die mutige Aufstellung von Tuchel machte sich bezahlt. Ausgerechnet Hofmann, für viele die größte Überraschung in der Startelf, sorgte für die ersehnte frühe Führung. Nach Zuspiel von Henrich Mchitarjan hatte der aus Mainz zurückgekehrte Mittelfeldspieler keine Mühe, den Ball aus sieben Meter ins Tor zu schießen. Hofmann gab sich bescheiden: „Ich hoffe, dass ich das Vertrauen des Trainers rechtfertigen konnte“, sagte der Matchwinner. „Das 1:0 ist eine gute Ausgangsposition.“ Dass die „Beine am Ende immer schwerer wurden“, war aber auch ihm nicht entgangen.
Der Führungstreffer gab den bereits zuvor drückend überlegenen Dortmundern zusätzliche Sicherheit. Allerdings schlugen sie aus dem großen Plus beim Ballbesitz zu wenig Kapital. Einzig Mchitarjan war bei einem Schuss von der Außenposition (29.) dem 2:0 nahe. „Wir haben es versäumt, die Tore zum richtigen Zeitpunkt zu schießen“, bemängelte Sportdirektor Michael Zorc.
Zu den positiven Aspekten der ersten Halbzeit gehörte, dass die BVB-Defensive sattelfest wirkte. Alle Konter der Österreicher verpufften wirkungslos. Bürki erhielt zunächst kaum eine Gelegenheit, sich auszuzeichnen.
Auch nach Wiederanpfiff dominierte zunächst die Borussia. So bot sich in der 50. Minute für Hofman die Chance auf seinen zweiten Treffer. Der agile Rechtsaußen scheiterte aber mit einem Schuss aus zehn Metern an Wolfsberg-Keeper Alexander Kofler. Mit zunehmender Spielzeit verlor der BVB jedoch mehr und mehr seinen Rhythmus. Das ermutigte die Wolfsberger zu einer offensiveren Gangart. Nur mit viel Glück blieb dem Gast der Ausgleich erspart, als Thomas Zündel (62.) den Ball freistehend aus kurzer Distanz über das Tor schoss. Eine Chance, die den Auftakt zu einer druckvollen Schlussoffensive der Österreicher gab. Angetrieben von den heimischen Fans, drängten sie auf den Ausgleich. Für Wolfsberg, zum ersten Mal überhaupt auf europäischer Bühne vertreten, wäre ein Punktgewinn gegen Dortmund eine Sensation gewesen. Tatsächlich schien sie in den letzten Minuten zum Greifen nah.
Großkreutz sorgt für Unruhe
Wieder und wieder stand BVB-Keeper Bürki im Mittelpunkt und musste in höchster Not retten. Am Ende brachten die Dortmunder den Sieg mit vereinten Kräften über die Zeit.
Für Unruhe im Verein sorgte unterdessen Kevin Großkreutz. Der 27-Jährige äußerte in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung seine Unzufriedenheit darüber, dass die BVB-Verantwortlichen seit Wochen nicht mehr mit ihm gesprochen hätten. Zorc zeigte sich irritiert. „Wir stehen immer in Kontakt, und wenn er Bedarf hat zu reden, stehen wir zur Verfügung.“ Derzeit wird über einen Abgang der Dortmunder Identifikationsfigur spekuliert. Seine Einsatzchancen dürfte der Weltmeister durch sein öffentliches Vorpreschen nicht eben gesteigert haben.

