Es ist eines dieser Spiele, vor dem schon alles gesagt ist. Im Pokal ist alles möglich, er hat seine eigenen Gesetze, wir haben sowieso nichts zu verlieren – und dergleichen mehr.
Wieder mal heißt es heute: David gegen Goliath. Arminia Bielefeld, noch Dritte und bald wieder Zweite Liga, trifft auf den VfL Wolfsburg, noch Bundesliga, bald auch Champions League (20.30 Uhr, ARD).
Mit dem Gehalt von Kevin de Bruyne könnten sie der Bielefelder Alm mal wieder eine Tribüne bauen, aber dieses Thema sollte niemand berühren, der einem Arminen-Fan gegenübersteht. Wegen ihrer Tribünen steht die Alm bekanntlich auf einem Schuldenberg.
Ein Satz fällt vor diesem Spiel eher nicht: „Die Chancen stehen 50:50!“ Dabei lehrt uns die Historie genau das. Sechs Mal standen Drittligisten im Halbfinale des Pokals – drei Mal zogen sie ins Finale ein.
Wir gedenken der frechen Hertha-Bubis, die 1993 im Wohnzimmer der Profis eine Party feierten. Leider ohne Happyend, Leverkusen gewann 1:0 gegen den Berliner Verbandsligisten und wurde der am heftigsten ausgepfiffene Pokalsieger aller Zeiten.
Hertha-Bubis und Union als Vorbild
Dann war da Energie Cottbus, das 1997 erst dem VfB Stuttgart unterlag. Und schließlich der 1. FC Union, der es fertig brachte, von der ersten Runde bis zum Finale die Hauptstadt nicht verlassen zu müssen.
Fünf Spiele in Köpenick, dann kurz rüber gehupft ins Olympiastadion. Dort war Schalke 2001 eine Nummer zu groß. Dem gegenüber stehen die tapferen Verlierer im Halbfinale: Kickers Offenbach (1990), Eintracht Trier (1998) und der FC St. Pauli (2006).
Heute also Arminia Bielefeld. Irgendwo stand zu lesen, es sei der Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Eine waghalsige These, zumal auch die Tiefpunkte der Arminia über höchsten Unterhaltungswert verfügen.
Einer davon ereignete sich 1970, als Arminia erstmals ans Bundesliga-Tor klopfte. Damals wurden noch Aufstiegsrunden ausgetragen, und vor dem letzten Spiel gegen Tennis Borussia bekam Arminia Wind davon, dass Konkurrent Karlsruher SC den Berlinern eine Siegprämie über 30.000 DM gezahlt habe. Nicht verboten, nur unmoralisch.
Arminia bot daraufhin konspirativ dem TeBe-Trainer 40.000 DM – auf dass er sie gewinnen lasse. Der schlug ein. Deponiert wurde das Geld auf einem Klo im Olympiastadion. Wer immer es da gefunden hat, die Mannschaft von TeBe wusste von nichts und spielte auf Sieg.
Arminia stieg trotzdem auf, und als es gegen Saisonende 70/71 knapp wurde, griffen sie wieder in die Vereinskasse. In großem Stil wurden Siege gekauft, sie hatten ja nun Übung darin, und fertig war der Bundesliga-Skandal.
Als man 4:0 bei den Bayern gewann
Weitere Meilensteine folgten ab 1979. Beim FC Bayern gewannen die Bielefelder 4:0 – bis heute der höchste Sieg eines Aufsteigers in München. Trotzdem stiegen sie direkt wieder ab.
1980 schossen sie sich mit 120 Rekord-Toren wieder zurück, das 11:0 gegen Arminia Hannover ist der höchste Zweitliga-Sieg aller Zeiten. 1981 waren sie nach der Vorrunde Letzter und blieben doch drin, auch das ein Rekord, der 20 Jahre hielt.
Ähnlich historisch das Kunststück 1982 in Dortmund. Zur Pause stand es 1:1, am Ende 1:11. Zehn Gegentore in einer Halbzeit, das hat noch keiner geschafft.
Einzigartig wie der Rekord des Markus Schuler, der in 182 Bundesliga-Spielen nie traf, oder die Entlassung von Trainer Michael Frontzeck einen Spieltag vor Ende der Saison 2008/09. Es war die bisher letzte in der Bundesliga.
Auch aus der Zweiten Liga verabschiedete sich Bielefeld im Vorjahr schier sensationell: Nach einem 3:1-Sieg in Darmstadt in der Relegation gab es ein 2:4. So etwas daheim noch zu verspielen, das kann auch nicht jeder. Ob sie wohl Pokal-Finale können?




