Box-Weltmeister Wladimir Klitschko trauert um seinen Trainer Emanuel Steward. Der 68-Jährige ist am Donnerstag an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Das bestätigten am Donnerstagabend das Klitschko-Management und Stewards Schwester Diane Steward-Jones der Tageszeitung Detroit Free Press: „Er ist von uns gegangen. Er hatte keine Schmerzen, wir haben für ihn gesungen, die Ärzte waren dabei. Er hatte seine geliebten Mitmenschen um sich.“

Stewards Lebensgefährtin Anita Ruiz erklärte, ihr Freund sei in Folge von Komplikationen bei einer Divertikulose-Operation gestorben. Bei einer Divertikulose liegt eine Veränderung des Dickdarms in Form von Ausstülpungen der Darmwand zu Grunde. Bereits im September hatte sich der Coach des Schwergewichts-Champions einer längeren Operation unterziehen müssen.

Wladimir Klitschko erfuhr im Trainingslager in Going/Österreich vom Tod seines Trainers. „Das Boxen hat einen gewaltigen Verlust zu beklagen. Ich hatte das Privileg, fast ein Jahrzehnt mit dieser Legende zu arbeiten. Ich werde ihn sehr vermissen, am meisten unsere Freundschaft“, sagte Klitschko. Bereits am Donnerstagnachmittag waren erste unbestätigte Meldungen über den Tod kursiert.

Emanuel Steward - als Trainer eine Koryphäe

Steward war als Trainer eine Koryphäe. Der ehemalige Amateur-Boxer betreute seit 1971 professionelle Faustkämpfer. Zu seinen Schützlingen gehörten die Schwergewichtschampions Evander Holyfield aus den USA und der Brite Lennox Lewis. Zuvor hatte er den Amerikaner Thomas Hearns, der in fünf verschiedenen Gewichtsklassen Weltmeister wurde, zu Titelehren geführt. Zwischenzeitlich war er auch für die mehrfachen Champions „Prince“ Naseem Hamed (Großbritannien), Óscar de la Hoya (USA) und Julio César Chávez (Mexiko) zuständig.

Klitschko verpflichtete Steward im Frühjahr 2004, nachdem er gegen den Südafrikaner Corrie Sanders und den Amerikaner Lamon Brewster überraschende Niederlagen hatte hinnehmen müssen. Sein bisheriger Coach Fritz Sdunek kümmerte sich fortan ausschließlich um Wladimirs Bruder Vitali Klitschko. „Er hat mir den Erfolg zurückgebracht“, sagte Wladimir Klitschko über Steward, nachdem er unter dessen Leitung 2006 den verlorenen WM-Titel mit einem Sieg gegen Chris Byrd (USA) zurückerobert hatte.

Seither waren die beiden ein Team. „Ich werde die gemeinsame Zeit vermissen, die langen Gespräche über das Boxen, die Welt und das Leben. Vor allem aber werde ich unsere Freundschaft vermissen“, schrieb der jüngere Klitschko-Brüder in einer Mitteilung.

Trainer Banks unterstützt Klitschko gegen Wach

Der jüngere der beiden Klitschko-Brüder hatte bereits auf die Erkrankung von Steward reagiert und für seinen anstehenden Schwergewichts-Titelkampf am 10. November in Hamburg gegen den Polen Mariusz Wach einen Interimscoach engagiert. Der 30 Jahre alte Johnathon Banks wird den Ukrainer in der Ringecke unterstützen.

Trotz seines jungen Alters verfügt Johnathon Banks in Wladimir Klitschkos Augen über die notwendigen Fähigkeiten. Beide kennen sich seit Jahren aus dem Training, Banks war auch schon Sparringspartner des Weltmeisters der großen Verbände WBA, WBO und IBF.

sid/dpa/bee