- Das Kabinenpersonal der Lufthansa gehört im Vergleich zur europäischen Konkurrenz zu den Besserverdienern. Das liegt unter anderem daran, dass noch viele Vereinbarungen im Gehaltstarifvertrag aus der Zeit stammen, in der die deutsche Airline dem Staat gehörte. Erst seit Ende der 90er-Jahre ist Europas größter Staatsbetrieb vollständig in privater Hand. So gibt es zum Beispiel immer noch 17 Gehaltsstufen für die Stewardessen und Stewards. Die Chefs der Kabinencrew, sogenannte Purser, können weitere Gehaltsstufen erklimmen. Die Grundvergütung beträgt für Berufsanfänger seit 2009 rund 1533 Euro und endet bei 4353 Euro für einen Purser, der sehr lange dabei ist. Um die ersten drei Gehaltsstufen 1A bis 1C zu erklimmen, brauchen die Flugbegleiter sechs Jahre. Danach steigen die Gehälter dann pro Stufe um rund 110 Euro. Dazu kommen dann Zulagen, die von Airline zu Airline verschieden sind.

Lufthansa-Berufsanfänger erhalten zum Beispiel eine Schichtzulage in Höhe von 16,3 Prozent, Urlaubsgeld in Höhe von 1023 Euro und "Abwesenheitsgeld" in Höhe von 42 Euro pro Tag bei kontinentalen Flügen und 48 Euro pro Tag bei interkontinentalen Flügen plus Nachtschicht- und Überstundenzulagen. Auf Langstrecken gibt es dann noch einen Spesensatz, der sich nach der Flugzeit richtet. Außerdem gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, mit Familie und Freunden mittels stark vergünstigter Lufthansa-Tickets durch die Welt zu fliegen. Insgesamt verdient ein Flugbegleiter in Vollzeit mit fünf Jahren Betriebszugehörigkeit im Schnitt mit allen Extras rund 40.000 Euro.

Bei der Lufthansa müssen die Kabinenmitarbeiter bislang 70 sogenannte Blockstunden ableisten. Das ist die Zeit zwischen dem Zeitpunkt, an dem das Flugzeug an der Brücke ab- und wieder anlegt. Dazu kommen dann Transportzeiten am Boden, Briefings und Vorbereitungen der Kabine für den Empfang der Fluggäste. Zum Vergleich: Bei der Lufthansa-Tochter Swiss müssen 90 Blockstunden in Vollzeit absolviert werden. Bei der Ferienfluggesellschaft Condor, die früher auch zum Lufthansa-Konzern gehörte, bekommen Berufsanfänger für 67,5 Blockstunden ein Grundgehalt von 1.249 Euro. Mit Spesen, Bordverkaufsprovisionen oder Mehrflugstunden verdienen dann viele 2.300 Euro.

Emirates bieten höhere Zulagen

Beim immer stärker werdenden Lufthansa-Rivalen Emirates sind viele Flugbegleiter zwischen 80 und 100 Blockstunden im Monat im Einsatz. Dafür wird aber zum Beispiel kostenlos eine Wohnung gestellt. Die Airline sucht aktuell 4500 neue Flugbegleiter, die älter als 21 Jahre sind, zu einem Grundgehalt von knapp 850 Euro. Jede Stunde wird dann noch einmal mit umgerechnet 11,50 Euro bezahlt.

Ein Berufsanfänger, der viel unterwegs ist, verdient in den Emiraten also schnell rund 2000 Euro plus Zulagen - steuerfrei. Allerdings ist bei der Lufthansa die Altersversorgung vergleichsweise noch sehr komfortabel und sicher. So haben sich alle großen US-Gesellschaften nach den Anschlägen des 11. September 2001 durch das Verfahren des Gläubigerschutzes saniert und sich dabei auch hoher Pensionsansprüche entledigt. Diese wurden teilweise vom Staat übernommen oder einfach gestrichen. Die Lufthanseaten gehen derzeit mit 55 Jahren in den Ruhestand und zahlen in dieser Zeit zusammen mit dem Arbeitgeber Beiträge in einem Topf ein, um die Zeit bis zur staatlichen Altersversorgung zu überbrücken.

Offiziell gestreikt wird von den Lufthansa-Flugbegleitern derzeit nur für mehr Geld. Denn nur der sogenannte Gehaltstarifvertrag aus dem Jahr 2009 ist gekündigt. Die Lufthansa-Tarifverhandler haben deshalb nach drei Nullrunden bis 2015 rund 3,5 Prozent mehr Gehalt angeboten und dafür unter anderem Zugeständnisse bei der Arbeitszeit gefordert. Ufo hatte fünf Prozent gefordert.

Eigentlich geht es aber um viel mehr. Die Gewerkschaft fürchtet unter anderem, dass die Lufthansa rund 2000 Mitarbeiter in eine neue Gesellschaft auslagern will, die die dezentralen Europastrecken bedient. In diesem Geschäftsfeld hat die Airline in den vergangenen Jahren bereits mehrere Hundert Millionen Euro verloren. Genaue Zahlen gibt es nicht. Die Lufthansa will es erklärtermaßen schaffen, diese Gesellschaft auf dem Kostenniveau der Billigtochter Germanwings zu betreiben, die im Vergleich zur Lufthansa Classic Strecken in Deutschland und Europa um rund 40 Prozent günstiger fliegt. Bei Germanwings arbeiten derzeit 800 Flugbegleiter.

Um die Verluste in der Muttergesellschaft zu stoppen, hat Passagevorstand Carsten Spohr im vergangenen Frühjahr nach langen ergebnislosen Verhandlungen mit Ufo beschlossen, für die Strecken ab Berlin von einer Personalvermittlungsgesellschaft neues Personal suchen und einstellen zu lassen, das nur für Lufthansa fliegen. Diese neuen Mitarbeiter verdienen zwar anfangs das gleiche Geld wie ihre Kollegen bei der Lufthansa Classic, brauchen aber dann viel länger, um weitere Gehaltsstufen zu erklimmen. Das Endgehalt liegt bei etwa 2505 Euro.

Die Airline will keine Kündigungen

In der letzen Verhandlung vor dem Streik hatte die Lufthansa dann angeboten, zumindest für die Laufzeit des Tarifvertrages auf weitere sogenannte Fremdbereederung, Zeitverträge und betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Dafür sollte die sogenannte Mehrflugauslösegrenze auf 72 Stunden angehoben - ab dieser Grenze werden Überstundenzuschläge gezahlt - und der Urlaub um zwei auf 40 Tage gesenkt werden. Insgesamt sollte zudem in den oberen Gehaltsklassen weniger und in den unteren mehr gezahlt werden. Aber darauf wollten sich die Ufo-Verhandler nicht einlassen. Bei der Tochter Austrian Airlines wurde bereits der gesamte Flugbetrieb auf die günstigere Tochtergesellschaft Tyrolian übertragen.