Keine Ahnung, ob Cameron Diaz und Jason Segel den bemitleidenswerten Kolleginnen bereits einen Blumengruß als Dankeschön geschickt haben – sicher ist nur, dass die vor einer Woche von einem Hacker aus einer Datencloud gesaugten und veröffentlichten Nacktbilder von Stars wie Jennifer Lawrence die denkbar beste Werbung für den Diaz/Segel-Film „Sex Tape“ sind.
In Jake Kasdans Komödie braucht es freilich noch nicht mal einen finsteren Datendieb, um die nackten Tatsachen unter die Leute zu bringen. Das Ehepaar Annie (Diaz) und Jay (Segel) brockt sich den Schlamassel selber ein: Ein privates Sex-Video, das wieder Pfeffer in den fade gewordenen Ehe-Alltag bringen soll, wandert wegen einer automatischen Synchronisierungs-App auf die Tablets von Bekannten, Verwandten und Arbeitgebern. Als Annie und Jay das Dilemma klar wird, starten sie eine turbulente analoge Rückholaktion des digitalen Schweinkrams, die über einen wertkonservativen Spielzeug-Hersteller bis zu den Servern von Youporn führt.
Das Komödien-Konstrukt erweist sich dabei als ein ähnlich komplizierter Balanceakt wie die Stellungen aus dem Lust-Ratgeber-Klassiker „The Joy of Sex“, die das Ehepaar auf seinem Video nachzuturnen versucht. Auf der einen Seite verhandelt der Film die immer komplizierter werdenden Kommunikationstechniken der Gegenwart und benötigt Apps, Blogs und Clouds als Gleitmittel für die Handlung. Auf der anderen Seite muss er diese abstrakten Begrifflichkeiten für die Leinwand in Aktion umsetzen. Und da knirscht und knackt es, weil man die aufgeregten Bemühungen der Figuren zwar ganz lustig finden kann, sie aber irgendwie nicht versteht. Und diejenigen, die auch nur etwas Ahnung haben, fragen sich: Warum bittet man nicht einfach einen Systemadministrator, das Zeug von den Tablets zu löschen?
Ein für US-Verhältnisse weitaus haarigerer Akt ist es, die Tabu-Themen Sexualität und Nacktheit in einem Mainstream-Film so zu repräsentieren, wie sie dem Gegenstand angemessen sind. Keine Frage: Diaz und Segel zeigen eine angenehme Lockerheit im unbekleideten Umgang miteinander. Aber die Zeit, die Regisseur Kasdan und sein Kameramann damit verbracht haben müssen, jede Einstellung penibel nippel- und geschlechtsteilfrei zu halten, hätte man vielleicht in ein fantasievolleres Drehbuch stecken können. „Sex Tape“ fällt jedenfalls einigermaßen weit hinter der von Judd Apatow etablierten Offenheit im Komödien-Kino oder den Kruditäten von „Bad Teacher“ zurück, der letzten Zusammenarbeit von Kasdan, Diaz und Segel.
Immerhin hat „Sex Tape“ eine unterschwellig baumelnde Botschaft. Sie lautet: Die Unterschiede zwischen Youporn, Apple und der Spielzeug-Industrie sind im konservativen Corporate America möglicherweise gar nicht so groß, wie man immer denkt. Ob Jennifer Lawrence und andere Opfer der neuen digitalen Sex-Techniken darüber lachen können, bleibt fraglich.
Komödie: USA 2014, 94 min., von Jake Kasdan, mit Cameron Diaz, Jason Segel, Rob Lowe
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