Von Nord nach Süd in einer großen Kurve führt der Weg durch die Gartenstadt Neu-Tempelhof und damit auch direkt in den Mittelpunkt des „Fliegerviertels“. Ausgangspunkt ist der Platz der Luftbrücke mit dem gleichnamigen Denkmal. Besser bekannt als die „Hungerharke“, erinnert es an die Versorgung der Stadt durch die alliierten Schutzmächte während der Blockade durch die Sowjetunion von Juni 1948 bis Mai 1949.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes beginnt eine der Hauptachsen durch die Gartenstadt: die Manfred-von-Richthofen-Straße. Der Namensgeber der Straße, Spitzname „Der Rote Baron“, war ein berühmter Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. In der ersten Querstraße rechts, im Schulenburgring Nummer 2, erinnert eine Gedenktafel an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin. In dem Altbau befand sich der Gefechtsstand des Befehlshabers der 8. sowjetischen Gardearmee. Dort unterzeichnete General Weidling am 2. Mai 1945 als Befehlshaber des Verteidigungsbereiches Berlin den Befehl, sofort die Kampfhandlungen einzustellen.

Zurück auf der Manfred-von-Richthofen-Straße führt diese in einem weiten Bogen vorbei an zum Teil mit Stuck verzierten Altbauten. Kleine Türmchen, Erkerfenster und große Balkone lassen ahnen, wie viele und große Zimmer die einzelnen Wohnungen bieten. Erbaut wurden die Häuser in einer Zeit, als noch das Dienstpersonal einen eigenen Aufgang hatte und in einer Kammer der Wohnung lebten. Da Dienstpersonal heute nicht mehr so häufig anzutreffen ist, ist es von Vorteil, dass viele Geschäfte für den täglichen Einkauf entlang der Straße zu Fuß erreichbar sind.

Spätestens ab dem Wolff- und dem Schreiberring ist der innere Kreis des „Fliegerviertels“ erreicht. Die Straßen westlich des Flughafens wurden nach Kampffliegern des Ersten Weltkrieges benannt. Es ist die größte von mehreren gemeinnützigen Wohnsiedlungen der 20er-Jahre in Tempelhof. Das „Herz“ der Siedlung ist der Adolf-Scheidt-Platz. Der 1931 von Ernst Seeger entworfene „Storchenbrunnen“ wies auf den Kinderreichtum in der Siedlung hin.

Der Spaziergang endet mit dem Verlassen der Gartenstadt an einem viergeschossigen Portalgebäude am Tempelhofer Damm. Ursprünglich befand sich ein Türmchen auf diesem Bau, von wo aus der Ausblick auf den Flughafen und über die Gartenstadt möglich war. Rechts abgebogen auf den „Te-Damm“ sind es nur wenige Gehminuten bis zum S-Bahnhof Tempelhof.

ag