Die meisten Berliner haben keine Probleme mit Touristen. 88 Prozent fühlen sich nicht gestört durch klackernde Rollkoffer, Busse oder Reisegruppen, wie eine bislang unveröffentlichte Umfrage der Berliner Tourismusorganisation „Visit Berlin“ ergeben hat. Dort, wo sich jedoch das Zentrum des Party-Tourismus herausgebildet hat, sehen die Berliner den Boom des Fremdenverkehrs kritischer: Jeder dritte Bewohner in Friedrichshain und in Kreuzberg fühlt sich durch den Tourismus gestört.

Die Bewohner nahe den Partymeilen beklagen sich häufig beim Bezirksamt über Urin im Hausflur, nächtlichen Lärm und Erbrochenes auf den Gehwegen. Auch deshalb verlangt die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), vom Senat einen Vorstoß für schonenden Stadttourismus. Im Bezirk denkt man darüber nach, wie man die Gäste ansprechen und zu Rücksichtnahme bewegen kann.

Der Senat hat deshalb jetzt ein Konzept zum „Akzeptanzerhalt des Tourismus“ erarbeitet. 300.000 Euro pro Jahr werden aus dem insgesamt 7,5 Millionen Euro betragenden Zuschuss des Senats an „Visit Berlin“ für die Umsetzung abgezweigt. Das Geld fließt in eine Geschäftsstelle dort, die als Ansprechpartner für Bürger, Bezirke und Initiativen fungieren und Projekte zur Akzeptanz entwerfen soll. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) halten das Problem allerdings nicht für besonders dringend. Viele der angesprochenen Punkte seien „Probleme einer wachsenden Großstadt“, heißt es in dem von den beiden Politikern unterzeichneten Konzept. Es spreche vieles dafür, „dass das Thema Akzeptanzerhaltung in Bezug auf den Berlintourismus ein nicht zuletzt medial erzeugtes Problem ist und nicht originär auf den Tourismus zurückgeführt werden kann“.

Hoteliers und Gastronomen nehmen die Sorgen ernster. Erst auf Druck aus der Branche habe der Senat das Geld für das Thema Akzeptanz freigemacht, sagte Willy Weiland, Präsident des Branchenverbandes Dehoga. „Wir müssen etwas tun und präventiv tätig werden.“ Die Dehoga wird sich mit eigenem Geld an einem Vorhaben beteiligen, die Partytouristen spielerisch zu erziehen. Noch in diesem Herbst wollen Gastronomen etwa Künstler und Pantomimen nachts durch Kreuzberg und Friedrichshain schicken, um für gute Stimmung, mehr Ruhe und weniger Stress zu sorgen. Das Konzept stammt ursprünglich aus Paris. „Es soll ein Dialog entstehen, die Leute sollen zur Reflexion gebracht werden“, hofft Weiland. Wenn das Vorhaben Erfolg hat, soll es ausgeweitet werden.