- Der Start des neuen Flughafens Willy Brandt BER dürfte wohl doch deutlich später stattfinden als Ende August. Nach Air Berlin wollen auch Easyjet und Lufthansa den neuen Flughafen frühestens zum Wechsel auf den Winterflugplan Ende Oktober in Betrieb nehmen. Die größte deutsche Fluggesellschaft geht sogar noch weiter: "Wenn es nach uns geht, kann der Termin auch noch weiter nach hinten gelegt werden", sagte Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr der Berliner Morgenpost. "Wichtig ist jetzt, dass dann bei der Eröffnung alles einwandfrei funktioniert." Zugleich kündigte er Schadenersatzforderungen an.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erwartet von der Geschäftsführung des Flughafens einen ganz klaren Vorschlag für einen verlässlichen Termin: "Der muss dann garantieren, dass wir einen Flughafen ohne Provisorien in Betrieb nehmen, der den Ansprüchen der Hauptstadtregion gerecht wird." Darüber müsse bei der Projektausschusssitzung kommenden Mittwoch diskutiert werden. Spohr, der bei der Lufthansa im Vorstand den Bereich Passage verantwortet, warnt allerdings vor zu großer Hektik bei der Datumsfindung. Es müsse nicht schon zwingend kommende Woche über einen neuen Termin für den Start des BER befunden werden. "Die Blamage ist ohnehin da", sagt Spohr. "Jetzt können wir uns auch die Zeit nehmen und gründlich nach einem realistischen Termin suchen."

Auch Berlins Innensenator Frank Henkel bezeichnete die verschobene Eröffnung als "Desaster". Zwar sei es richtig, den Flughafen nicht in Betrieb gehen zu lassen, solange es Sicherheitsbedenken gebe, sagte der CDU-Landesvorsitzende auf einem Landesparteitag. Dennoch sei die Verschiebung des Termins eine "Riesenblamage für die Stadt" und beschere Berlin einen Imageschaden. Hinzu komme der wirtschaftliche Schaden, sagte er.

Experten der Lufthansa hatten offenbar schon vor Wochen gewarnt, dass der Eröffnungstermin am 3. Juni kaum zu halten sei. So soll laut Spohr unter anderem die IT am Flughafen nicht richtig funktionieren. Zudem gab es deutlich mehr Rückstände beim Bau als bislang bekannt. So wäre offenbar nicht einmal die Lounge der Lufthansa fertig geworden. Spohr begrüßt daher die Verschiebung des Starttermins. Sie bereite viele Probleme, sei aber richtig. "Denn der Zustand des Flughafens hätte am 3. Juni nicht unseren Qualitätsansprüchen genügt", sagte Spohr. Der Flughafengeschäftsführung seien die Bedenken der Lufthansa laut Spohr bekannt gewesen.

Zudem wird die Lufthansa den entstandenen Schaden bei der Flughafengesellschaft geltend machen. "Am Ende wird eine große Rechnung auf die Berliner Flughäfen zukommen", sagte Spohr. "Wir brauchen zum Beispiel zusätzliches Personal, um die Passagiere umzubuchen und in Tegel angemessen zu betreuen." Dort fertigt die Lufthansa täglich bis zu 20.000 Fluggäste ab. "Das alles kostet Geld", sagte Spohr. Eine eigene Versicherung habe man nicht für solche Fälle. "Unsere Versicherung heißt in diesem Fall Berliner Flughafen GmbH."

Die Lufthansa will ihr Streckenangebot in Berlin ab Juni deutlich ausweiten und dann 49 Ziele direkt anfliegen. Dafür muss die Airline fünf weitere Maschinen in Berlin stationieren, und zwar in Tegel. Einen Teil des neuen Angebots an den alten Flughafen nach Schönefeld zu verlegen kommt für die Airline nicht infrage. Für die Anwohner Tegels bedeutet dies längeren Fluglärm. "Die täglichen Betriebszeiten in Tegel müssen sicherlich verlängert werden", sagte Spohr. Er geht davon aus, dass sowohl die Behörden wie auch die Bevölkerung die Fluggesellschaften in dieser besonderen Situation unterstützen werden. Ähnliche Forderungen hatte bereits Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn vor einigen Tagen gestellt.